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Warum Riesas Freibad immer teurer wird

Die Badesaison war so schlecht wie nie, die Kosten sind zuletzt stetig gestiegen. Kürzungen stehen aber nicht zur Debatte, heißt es aus dem Rathaus.

Der Freibadbetrieb kostet Riesa jährlich einen sechsstelligen Betrag. Vor allem die Personalkosten erhöhten sich zuletzt deutlich. Den Rotstift will die Stadt an dieser Stelle aber nicht ansetzen.
Der Freibadbetrieb kostet Riesa jährlich einen sechsstelligen Betrag. Vor allem die Personalkosten erhöhten sich zuletzt deutlich. Den Rotstift will die Stadt an dieser Stelle aber nicht ansetzen. © Sebastian Schultz

Riesa. Für den Riesaer Freibadbetreiber, die städtische Gesellschaft Magnet, war es eine Badesaison zum Vergessen. Rund 12.700 Gäste zählte das Bad - ein Negativrekord: Seit 2005, als die Magnet den Betrieb im städtischen Auftrag übernommen hatte, hat es so schlechte Besucherzahlen nicht gegeben. Schon kurz nach der Schließung am 4. September hatte Magnet-Chef Reiner Striegler auf das äußerst durchwachsene Wetter verwiesen. Auf einen trotz Corona ordentlichen Sommer 2020 folgte ein mieses Jahr 2021.

Wie sich der Negativrekord auf die Bilanz des Freibads im Stadtteil Weida auswirken wird, das ist noch offen. "Da noch nicht alle Zahlen zu den Kosten vorliegen, können wir hier noch keine abschließende Aussage treffen", sagt Reiner Striegler. Er geht aber davon aus, dass das schlechte Jahr auch die Kosten treiben könnte.

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Höhere Einnahmen, aber auch höhere Kosten

Die sind schon in den vergangenen Jahren kontinuierlich nach oben gegangen. Im jüngsten Stadtrat hatte die Verwaltung die Zahlen des Freibad-Betriebs präsentiert. Die Tendenz ist klar: Seit 2005, als die Magnet diese Aufgabe im städtischen Auftrag übernahm, sind die Kosten gestiegen - mit einigen Schwankungen. Während 2005 noch 213.000 Euro Zuschuss genügten, reichten 2020 nicht einmal mehr die im Haushalt eingeplanten 275.000 Euro aus. Und das, obwohl auch die Einnahmen zuletzt stiegen.

Die Besucherzahlen im Freizeitbad Riesa-Weida schwanken vor allem wetterbedingt. Seit Einführung des Mindestlohns 2015 steigt der Verlust.
Die Besucherzahlen im Freizeitbad Riesa-Weida schwanken vor allem wetterbedingt. Seit Einführung des Mindestlohns 2015 steigt der Verlust. © SZ Grafik

Der Trend hat verschiedene Ursachen, erklärt Reiner Striegler. Hauptkostentreiber im Freibad ist das Personal. Die Einführung des Mindestlohns 2015 machte sich in den vergangenen Jahren ebenso bemerkbar, wie dessen Anhebung. Daneben schwankt der Personaleinsatz aber auch mit den Öffnungstagen, betont der Magnet-Chef. Deren Zahl liegt wetterbedingt mal höher, mal niedriger. "Das Wetter hat hier also auch einen entscheidenden Einfluss." 2019 gab es beispielsweise keinen einzigen Tag in der 86-tägigen Saison, an dem das Freibad komplett schließen musste. In diesem Jahr war es dagegen nur an 65 Tagen geöffnet, 21 Badetage entfielen wegen zu starken Regens.

Für 2020 kommt noch ein weiterer Sondereffekt dazu: Das Riesaer Hallenschwimmbad war geschlossen, von Mitte Juni bis Mitte September fanden in jenem Jahr auch der Vereinssport und der Schwimmunterricht im Freibad statt. "Daher war es notwendig, dass das Bad wochentags bereits 7 Uhr für den SC Riesa geöffnet wurde. Dies hatte natürlich einen deutlich höheren Personalaufwand zur Folge." Mit 104 Öffnungstagen war 2020 die längste Freibadsaison der jüngeren Vergangenheit, und mit Blick aufs Personal die teuerste: Fast 260.000 Euro musste die Magnet im vergangenen Jahr fürs Personal ausgeben, das waren mehr als 80 Prozent der Gesamtkosten.

Kürzungen wären "nicht sinnvoll"

Auch wenn der Zuschussbedarf für das Freibad seit 2014 kontinuierlich steigt, steht die Anlage derzeit nicht zur Debatte, heißt es aus dem Rathaus. "Eine Kürzung der Zuschüsse ist aus derzeitiger Sicht nicht sinnvoll", erklärt Sprecher Uwe Päsler, "dann könnten wir nur wenige Wochen öffnen, was dem Sinn des Bades ja generell widerspricht. Derartiges ist auch nicht in der Diskussion."

Dass sich die Stadt das Bad weiter in gleichem Umfang leisten will, trotz coronabedingt klammer Kassen, hat verschiedene Gründe. Neben der Erfüllung der Pflichtaufgaben sei eine Kommune auch gehalten, wesentliche Beiträge für die Lebensqualität der Bürger zu leisten. "Dazu gehören die Unterstützung von Kultur, Sport, Jugend- und Sozialarbeit, aber eben auch Möglichkeiten aktiver Freizeitgestaltung." Das Freibad in Weida sei dabei ein wichtiger Bestandteil der Sportanlagen in der Stadt - und auch bei Menschen aus dem Umland beliebt. Laut Magnet-Chef Reiner Striegler sei das Riesaer Freibad eins der attraktivsten in der Region; die Vielfalt suche ihresgleichen. Auch die vergleichsweise große Liegewiese samt Plätzen für Volleyball und Soccer komme bei Besuchern gut an.

Im Rathaus hebt man zudem noch einen weiteren Grund hervor, sich das Freibad zu leisten. Freibad und Hallenschwimmbad seien Einrichtungen, "die zwei im Sinne des Wortes sogar lebenswichtige Funktionen erfüllen: Hier können Kinder schwimmen lernen und hier können sich die Menschen für ihre Gesundheit aktiv bewegen", sagt Uwe Päsler.

Während im Freibad derzeit nur auf den Grünflächen gearbeitet wird, hofft Magnet-Chef Reiner Striegler, im kommenden Jahr weiter investieren zu können. "Wir wollen die Sanierung der Durchschreitebecken weiter vorantreiben." Zwei wurden schon vor dieser Saison erneuert, 2022 soll das nächste der insgesamt fünf Becken folgen.

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Größerer Sanierungsbedarf besteht im Riesaer Bad nach Ansicht der Magnet nicht. "Der Zustand des Freibades ist nach 22 Jahren Betrieb aus unserer Sicht noch sehr gut", so Striegler. "Hier haben die Mitarbeiter des Bäderbetriebes stets darauf geachtet, dass die Anlagen und die Technik in einem guten Zustand gehalten werden."

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