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"Weihnachtsstern" am Abendhimmel

Am Montagabend wird ein besonders helles Objekt über Riesa zu sehen sein. Sternwarten-Chef Stefan Schwager erklärt, was es damit auf sich hat.

Von Stefan Lehmann
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Blick auf den Abendhimmel über Riesa: Deutlich sind Jupiter und Saturn als helle Punkte zu erkennen (links oben). Wer sie finden will, sollte sich an der untergehenden Sonne orientieren.
Blick auf den Abendhimmel über Riesa: Deutlich sind Jupiter und Saturn als helle Punkte zu erkennen (links oben). Wer sie finden will, sollte sich an der untergehenden Sonne orientieren. © Hofmann/Sternenfreunde Riesa

Riesa. Der Zeitpunkt könnte kaum besser sein, sagt Sternwarten-Chef Stefan Schwager: Drei Tage vor Heiligabend wird am Riesaer Abendhimmel ein "Weihnachtsstern" zu sehen sein: Ein hell leuchtendes Objekt am Himmel, wie es auch in der christlichen Erzählung auftaucht und den drei Weisen den Weg zum Jesuskind gewiesen haben soll.

Streng genommen handelt es sich bei diesem "Stern" allerdings um zwei Planeten, die am frühen Montagabend für kurze Zeit sehr dicht beieinander am Sternenhimmel zu sehen sind: "Jupiter und Saturn sind generell schon Schmuckstücke am Himmel", sagt Stefan Schwager. Die Große Konjunktion - so nennt der Astronom das Himmelsphänomen - wird beide kurzzeitig wie einen besonders hellen Stern aussehen lassen.

Jupiter überholt Saturn

Stefan Schwager spricht von einem Phänomen, das tatsächlich sehr selten zu beobachten ist. "Eine engere Begegnung als dieses Jahr gab es nur im Jahr 424 vor Christus, die Nächste erst wieder am 25. Dezember 2874 sowie am 30. Dezember 3728." Auch im 17. Jahrhundert hat es das Phänomen gegeben, zitiert der britische Guardian einen Astronom aus Greenwich. Durchs Fernrohr wurde es damals aber wahrscheinlich nicht beobachtet. "Das hat die Menschheit bis jetzt noch nicht gesehen. Wir werden die Ersten sein", sagt Stefan Schwager. "Ich kriege jetzt schon Gänsehaus, wenn ich darüber rede."

Die scheinbare Begegnung hängt mit den unterschiedlichen Umlaufbahnen der beiden Planeten zusammen. Jupiter braucht für eine Runde um die Sonne zwölf Jahre, Saturn 30. Etwa alle 20 Jahre überrundet der eine den anderen. "Beide tauschen dann Positionen", erklärt Schwager. Jupiter, bis Montag noch rechts vom Saturn zu sehen, wird dann links zu sehen sein - und sich anschließend weiter entfernen.

Montagabend sei die einmalige Chance, auch in der Vergrößerung beide Planeten in ein und demselben Bildausschnitt anzusehen: Den Saturn-Ring, vielleicht einige der Monde, außerdem die vier Monde des Jupiters. Schwager erwartet einmalige Bilder. "Umso ärgerlicher, dass wir wegen Corona die Sternwarte nicht öffnen dürfen." Er selbst habe zum Glück das Fernrohr im Garten stehen, um den Abendhimmel zu beobachten, sagt der Sternwarten-Chef.

Blick nach Südwesten

Allerdings: Das Himmelsphänomen eignet sich auch sehr gut für Anfänger. Denn nach Sonne, Mond und Venus sei Jupiter wegen seiner Größe am Himmel am leichtesten auszumachen, kurz danach folgt Saturn. "Man sieht beide Planeten auch von der Stadt aus", verspricht Schwager.

Wichtig sei der Zeitpunkt: "Sobald die Sonne untergeht, sollte man raus und nach Südwesten schauen." Orientierung gibt der Sonnenuntergang. "Die Planeten folgen der Sonne, nach ein bis anderthalb Stunden sind sie schon untergegangen." 17 Uhr sei eine gute Zeit für die Beobachtung. "Wer 19 Uhr anfängt, ist zu spät." Voraussetzung sei natürlich, dass der Himmel nicht bedeckt ist. Stefan Schwager rät zu einem abendlichen Spaziergang, etwa auf den Reußner Berg, denn eine gute Sicht auf den Horizont sei schon wichtig. "Wer kann, sollte ein Foto machen", sagt der Hobby-Astronom. "Denn so nah kommen sich die beiden Planeten erst 2080 wieder."

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