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Frische Luft für Wülknitzer Bio-Schweine

Wülknitzer Bauern sehen den Öko-Status ihrer Tierhaltung durch die Afrikanische Schweinepest gefährdet. Jetzt kam dazu eine gute Nachricht aus Dresden.

Neugierige junge Schweine blicken in die Kamera. Die Afrikanische Schweinepest macht sowohl der konventionellen Massentierhaltung als auch Biobauern wie in Wülknitz zu schaffen.
Neugierige junge Schweine blicken in die Kamera. Die Afrikanische Schweinepest macht sowohl der konventionellen Massentierhaltung als auch Biobauern wie in Wülknitz zu schaffen. © dpa

Wülknitz. In den Schweinestall der Bio-Schwein Wülknitz GmbH kommt man nicht ohne Weiteres hinein. Nur mit Schutzanzug dürfen zurzeit Besucher in die Nähe der Tiere. Traktoren und Lkw müssen durch eine Desinfektionswanne fahren. Vorm Eingang der hiesigen Agrargenossenschaft liegt eine Matte als gleiche Schutzmaßnahme.

Thomas Keil, der Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Wülknitz, und seine Kollegen sind bedacht, alle möglichen Vorsichtsmaßnahmen gegen die Afrikanische Schweinepest (ASP) auszuschöpfen. "Wer am Wochenende im Wald spazieren war, könnte ja das Virus an den Sohlen haben", sagt der 49-Jährige. Denn die Tochtergesellschaft Bio-Schwein Wülknitz GmbH zählt nach eigenen Angaben mit rund 1.700 Tieren zu den größten Bio-Schwein-Haltern Sachsens.

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2017 wurde die Schweineproduktion aus der Agrargenossenschaft Wülknitz ausgegliedert. "Diese Entscheidung war aus heutiger Sicht richtig", sagt Keil. Denn die Nachfrage nach regionalem Schweinefleisch aus artgerechter Haltung ist steigend.

Bessere und stabilere Preise

Laut dem Branchenreport 2020 des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft ist der Preis für Bio-Schweinefleisch mit knapp vier Euro pro Kilo seit Jahren sehr stabil und zudem etwa doppelt so hoch als Fleisch aus der konventionellen Schweinehaltung. Die großen Schweineställe mit mehreren Zehntausend Schweinen, die nicht an die frische Luft können, in Gittern eingepfercht leben und deshalb immer wieder von Tierschutzorganisationen kritisiert werden, erzielten 2019 etwa ein Drittel weniger Gewinn als Bio-Schweine-Halter.

In Deutschland gibt es eine Überproduktion an Schweinefleisch, sagt Keil. "Das gute Bio-Fleisch bleibt in der Region." Das Fleisch aus der Massentierhaltung ist stattdessen für den Export bestimmt. Vor allem China war bisher der größte Abnehmer. Doch seit dem ersten Nachweis der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland haben die konventionellen Schweinmastbetreiber massive Absatzprobleme.

Doch auch die Wülknitzer Bauern machen sich momentan wegen der Schweinepest viele Gedanken. "Unsere Mastschweine kriegen Wasser und Futter grundsätzlich an der frischen Luft", sagt Janet Herrmann, die Geschäftsführerin der Bio-Schwein Wülknitz GmbH. "Noch sind wir ein freies Gebiet, aber das kann morgen schon anders sein." Falls die Afrikanische Schweinepest näher rückt und irgendwo in der Region nachgewiesen würde, müssten die Tiere in die Ställe eingesperrt werden.

So sieht die Auslaufhaltung in der Agrargenossenschaft Wülknitz aus. Die Tiere können sich unter freiem Himmel großräumig bewegen und es sich im frischen Stroh gemütlich machen.
So sieht die Auslaufhaltung in der Agrargenossenschaft Wülknitz aus. Die Tiere können sich unter freiem Himmel großräumig bewegen und es sich im frischen Stroh gemütlich machen. © Agrargenossenschaft Wülknitz

Die 35-Jährige sorgt sich darüber, dass wegen des Stallzwangs möglicherweise der Öko-Status der hiesigen Schweineproduktion verlorengehen könnte. Sie freut sich deshalb umso mehr über eine Nachricht aus dem Sächsischen Staatsministerium für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft.

Danach haben sich die Länderagrarministerien am vergangenen Donnerstag unter Leitung von Sachsens Agrar-Staatssekretärin Gisela Reetz darauf geeinigt, dass die Auslauf- und Freilandhaltung von Hausschweinen auch im Fall des Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest möglich sein soll.

Gisela Reetz betonte: "Wenn die Tiere im Freien gehalten werden oder Auslauf haben, dann ist das besonders artgerecht und eine gesellschaftlich anerkannte Form der Tierhaltung. Die ASP wird uns lange beschäftigen. Wir wollen Seuchenbekämpfung und Auslaufhaltung unter einen Hut bringen." Deshalb sollen Experten jetzt Lösungen dafür entwickeln.

Umbau wäre teuer

"Für uns wäre es gut, wenn wir die Tiere draußen lassen können", sagt Janet Herrmann. Die Gefahr, dass Krähen, die den Kadaver von Wildschweinen gefressen haben, das ASP-Virus in den Stall bringen, sei zwar durchaus real. "Doch wenn wir die Stalltür schließen, kommen unsere Schweine nicht mehr an ihr Futter ran", ergänzt Thomas Keil. Dann müsste schnell umgebaut werden. Er schätzt die notwendigen Kosten auf rund 50.000 Euro. Deshalb begrüßt auch er den Vorstoß der Agrarminister, die Auslaufhaltung von Hausschweinen trotz Schweinepest zu erlauben.

Die Agrarministerkonferenz, die in diesem Jahr von Sachsen geleitet wird, hat außerdem den Bund gebeten, Betriebe bei einem Umbau zu höheren Tierwohlstandards stärker zu fördern, falls sie wegen ASP temporär oder teilweise aus der Schweinehaltung aussteigen. "Die Option eines Teilausstieges soll den Betrieben ermöglichen, funktionierende und verlässliche Verarbeitungs- und Vermarktungswege fortzuführen, die Teile der Erzeugung abdecken", so Staatssekretärin Reetz zum Anliegen der Länder.

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