merken
PLUS Riesa

Halteverbot für Funkmast-Gegner

Der Autokran ist in Zeithain ankommen. Die Baufirma wollte sicherstellen, dass die Bewohner die Zufahrtsstraße nicht wieder blockieren.

Stoppschilder sollen verhindern, dass die Langenberger Straße von Anwohnern erneut zugeparkt wird.
Stoppschilder sollen verhindern, dass die Langenberger Straße von Anwohnern erneut zugeparkt wird. © Jörg Richter

Zeithain. Es scheint fast so, als ob Frau Holle noch einmal den Bewohnern der Langenberger Straße in Zeithain beistehen will. Am Montagmorgen schneit es wieder, genau wie vor zwei Monaten. Damals verhinderte Schnee den Bau des Funkmastens. Aber diesmal reichen die wenigen Schneeflocken nicht aus, um die Bauleute aufzuhalten. Mittags war von der kurzen Winterrückkehr kaum noch etwas zu sehen.

Am Montagnachmittag soll der Autokran in Zeithain ankommen, am Dienstag soll er den Funkmasten aufstellen. Die Bewohner der Langenberger Straße haben in der vergangenen Woche entsprechende Informationen erhalten. Sie sollen den Zugang zur Sackgasse frei halten. Vor fast jedem Haus hatte die Fuchs Europoles GmbH aus Taucha, die den 40 Meter hohen Stahlbetonboliden errichten soll, ein Halteverbotsschild angebracht, um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen.

Anzeige
Eigenständigkeit mit solidem Partner
Eigenständigkeit mit solidem Partner

Grund zum Feiern bei der Joachim Herzog GmbH in Rittmitz: Vor 30 Jahren holte man sich mit Marktführer Portas Know-how mit Zukunft ins Haus.

Der Bauherr, die Deutsche Funkturm GmbH, hat keinen so großen Widerstand der Anwohner erwartet. Der Funkmast sollte eigentlich bis Ende September fertig sein. Damals hatten die findigen Zeithainer ihre Autos jedoch in der Sackgasse so geparkt, dass der Kran nicht an das eingezäunte Telekom-Gelände heran konnte und unverrichteter Dinge wieder wegfahren musste.

Risse in Häusern

Die Deutsche Funkturm GmbH sprach von einer "ärgerlichen Verzögerung". Eine Woche vor dem ersten Versuch, die Masten zu errichten, sorgte das Unternehmen für Fakten und rammte eine Stahlfundamenthülse in den Boden. Nach Angaben von Anwohnern, sollen dabei Risse an den Häusern entstanden sein.

Die betroffenen Zeithainer haben noch nicht ganz aufgegeben. Sie haben an ihren Grundstücksgrenzen Bauzäune errichtet. Sie reichen bis an die Straße heran. Damit soll die Zufahrtsstraße für die Baufahrzeuge schmaler werden.

Dieser Plan wäre beinahe aufgegangen. Als der Autodrehkran in der Langenberger Straße ankam, ging es erst einmal nicht weiter. Denn die Kronen der Bäume auf der gegenüberliegenden Straßenseite verhinderten ein Durchkommen. Doch die Bauleute legten dem anwesenden Bauamtsleiter Holger Koßwig eine Annahmegenehmigung des Umweltamtes Meißen für das Absägen von Ästen vor. Das ist normalerweise ab Anfang März untersagt, um Vögel zu schützen.

Bewohntes Vogelnest einfach entfernt

Wie Zuschauer beobachteten, entfernten die Bauleute sogar einen bewohnten Vogelkasten. Die zwei Vögel seien danach immer wieder zu der leeren Stelle am Baum hingeflogen. "Ein Unding", schimpft ein Anwohner: Anderswo würde man Eidechsen umsiedeln, hier genehmige das Umweltamt eine Baum-Sägeaktion in der Brutzeit. "Wo bleibt da der Naturschutz?"

Die Zeithainer ärgern sich darüber, dass der Funkmast direkt in ihrer Nachbarschaft aufgestellt werden soll. Es ist dann weniger als 50 Meter von einigen Häusern entfernt. Die Gemeindeverwaltung Zeithain hatte der Deutschen Funkturm GmbH einen anderen Standort vorgeschlagen. Es sollte in der Nähe des Sportplatzes sein. Also mehrere hundert Meter entfernt.

Weiterführende Artikel

Funkmast-Gegner schreiben Merkel an

Funkmast-Gegner schreiben Merkel an

Die geplanten Anlagen in Zeithain, Wildenhain und Cavertitz sind umstritten. Eine Initiative wendet sich jetzt direkt an Berlin.

Wie der stellvertretende Bürgermeister Dieter Wamser in einer der letzten Gemeinderatssitzungen bekannt gab, hielt das Münchner Unternehmen auch den alternativen Standort für geeignet. Er wurde jedoch mit der Begründung abgelehnt, dass das Fundament in der Langenberger Straße bereits fertig sei. Die Gemeinde Zeithain hatte auch vorgeschlagen, die bereits angefallenen Baukosten zu übernehmen. Die Deutsche Funkturm GmbH lehnte ab.

Lesen Sie hier weitere lokale Nachrichten aus Riesa.

Weitere lokale Nachrichten aus Großhain finden Sie hier.

Mehr zum Thema Riesa