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Fußgängertunnel wirft Fragen auf

Der Zustand des Bauwerks ruft bei Riesaern Kritik hervor. Die Stadt will etwas tun. Ein wichtiger Punkt ist aber weiterhin offen.

Der Fußgängertunnel an der Breitscheidstraße nahe dem Volkshaus gehört seit Jahrzehnten zu Riesa und ist in der Stadt einzigartig.
Der Fußgängertunnel an der Breitscheidstraße nahe dem Volkshaus gehört seit Jahrzehnten zu Riesa und ist in der Stadt einzigartig. © Eric Weser

Riesa. Es gibt 42 städtische Brücken in Riesa, 31 städtische Buswartehallen und 36 städtische Kinderspielplätze. Aber städtische Fußgängertunnel, davon gibt es nur einen. So zumindest steht es im Riesaer Haushaltsplan zum Thema Infrastruktur.

Vielleicht hat es mit dieser Einzigartigkeit zu tun, dass manchem Einwohner etwas an der Unterführung liegt, durch die man seit mehr als vier Jahrzehnten von einer Seite der Breitscheidstraße zur anderen gelangen kann.

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In einer Facebook-Gruppe hat der Zustand des Tunnels kürzlich für Kritik gesorgt. Eine Nutzerin stellte mehrere Fotos aus der Unterführung ein und versah die Aufnahmen mit einem drastischen Urteil über das Bauwerk: "Eine Schande für unsere Stadt." Auch eine Kommentatorin sprach von einer "Kloake", die zu durchlaufen unzumutbar sei.

In einer Facebookgruppe wird über den Zustand des Fußgängertunnels debattiert.
In einer Facebookgruppe wird über den Zustand des Fußgängertunnels debattiert. © Screenshot/Anonymisierung: SZ

Tatsächlich liegt bei mehreren Besuchen vor Ort immer wieder Müll in der Unterführung. Vor allem Glasscherben knirschen unter den Schuhsohlen. Der Bodenbelag ist rissig und hat stellenweise große Löcher. Genauso fehlen an etlichen, teils quadratmetergroßen Stellen die farbigen Wandfliesen. Ein stechender Geruch liegt in der Luft. Gleichwohl: Abends ist die Unterführung durch etliche Lampen hell beleuchtet. Gut sichtbare Schilder weisen auf mögliche Gefahren hin. Wer bei Regen einen Unterstand sucht, bleibt hier trocken.

"Nicht mehr in gutem Zustand, aber sicher"

Wie sieht die Stadtverwaltung den Tunnel-Zustand – und welche Perspektive hat der Bau aus Sicht des Rathauses? Eine Facebook-Kommentatorin meint, dass er "eh wegkommt", wenn in absehbarer Zeit die 4. Grundschule geschlossen wird.

Aus technischer Warte ist das Unikat nach Angaben der Stadt leidlich intakt: Der Bau habe bei der letzten sogenannten Hauptprüfung im Jahr 2018 die Note 3,0 erhalten – auf einer Skala, die von 1,0 bis 4,0 reicht, erläutert Stadtsprecher Uwe Päsler auf Nachfrage. "Der Tunnel befindet sich nicht mehr in einem guten Zustand, ist aber bei entsprechender Sorgfalt sicher zu benutzen." Eine Sperrung sei deshalb auch nicht vorgesehen.

Der Zustand von Bodenbelag und Wandverkleidung des Tunnels sorgt für Kritik.
Der Zustand von Bodenbelag und Wandverkleidung des Tunnels sorgt für Kritik. © Eric Weser
Beklagt wird außerdem, dass die Unterführung verschmutzt ist.
Beklagt wird außerdem, dass die Unterführung verschmutzt ist. © Eric Weser
An etlichen Stellen ist das Stahlbeton-Bauwerk nicht mehr top in Schuss.
An etlichen Stellen ist das Stahlbeton-Bauwerk nicht mehr top in Schuss. © Eric Weser
An der Absturzsicherung (oben im Bild) ist zu niedrig, deshalb wurde sie mit einem Bauzaun erhöht.
An der Absturzsicherung (oben im Bild) ist zu niedrig, deshalb wurde sie mit einem Bauzaun erhöht. © Eric Weser
Abends ist der Tunnel ...
Abends ist der Tunnel ... © Eric Weser
... gut ausgeleuchtet.
... gut ausgeleuchtet. © Eric Weser
Schilder weisen auf Gefahren hin – Radler sollen den Bau nur gehen durchqueren.
Schilder weisen auf Gefahren hin – Radler sollen den Bau nur gehen durchqueren. © Eric Weser

>> Der Fußgängertunnel an der Rudolf-Breitscheid-Straße <<

    • Erbaut wurde die Unterführung an der Breitscheidstraße 1977/78 vom VEB Tiefbau Riesa.
    • Der Tunnel ist 22 Meter lang, knapp fünf Meter breit und mehr als 2,50 Meter hoch.
    • Hauptprüfungen bei Ingenieurbauwerken wie dem Tunnel sind aller sechs Jahre vorzunehmen, schreibt die DIN 1076 vor.
    • Laut Bundesverkehrsministerium bedeutet eine Zustandsnote von 3,0 bis 3,4 für ein Bauwerk, dass es in einem "nicht ausreichenden Zustand" ist und Maßnahmen zu ergreifen sind. (SZ)

    Dennoch: Die Verkehrssicherheit im Tunnel ist nicht zuletzt wegen der Schäden am Rad- und Gehwegbelag eingeschränkt. Darauf habe man mit Beschilderung reagiert und das Verkehrszeichen „Gefahrenstelle“ mit dem Zusatzzeichen „Radfahrer absteigen“ angebracht, so Päsler weiter.

    Um die Sicherheit zu erhöhen, sei in den vergangenen Jahren außerdem die zu niedrige Absturzsicherung durch einen verschraubten Bauzaun erhöht worden. Auch lose Teile der Wandverkleidung wurden dem Stadtsprecher zufolge deshalb abgenommen.

    Die Stadt hat das Objekt nach eigenem Bekunden fortlaufend im Blick. "Das Stadtbauamt führt dreimal pro Jahr entsprechende Beobachtungen des Bauwerkes durch und kann verkehrsgefährdende Zustände rechtzeitig erkennen und Gegenmaßnahmen einleiten." So würden auch die durch Frost entstehenden großen Belagsausbrüche regelmäßig zumindest provisorisch instandgesetzt. Das soll auch in absehbarer Zeit wieder passieren. "Die nächste Instandsetzung ist noch in diesem Frühjahr geplant", so Uwe Päsler.

    Entscheidung wohl nach Schulumzug

    Doch wie sieht die Zukunft der Unterführung an der Breitscheidstraße aus? Dazu gebe es "noch keine verbindliche Aussage", sagt der Verwaltungssprecher – und widerspricht damit auch der Aussage aus der Facebook-Debatte. Gleichwohl werde die Stadt nach dem Umzug der Grundschule im Sommer 2022 "die Notwendigkeit des Tunnels nochmals analysieren", betont Päsler.

    Bei der Betrachtung wird laut der Stadt auch die neue Fußgängerampel vorm Volkshaus eine Rolle spielen. Der alleinige Faktor bei der Frage, wie es mit dem Tunnel weitergeht, werde sie aber nicht sein.

    Bei Facebook fragen sich unterdessen weitere Kommentatoren, warum nicht der Fußweg von der neuen Ampel am Volkshaus zur Bushaltestelle an der Breitscheidstraße gebaut wurde – als Lückenschluss sozusagen. Dazu hatte die Stadt bereits vor einiger Zeit auf Nachfrage erklärt, dass es dazu keine Pläne gebe. Erschweren würde so ein Vorhaben außerdem der in diesem Bereich gelegene Bunker, hieß es damals. Das einstige Schutzbauwerk dient seit längerer Zeit Mietern als Garage.

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