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Riesaer Wirte: "Wir kämpfen weiter"

Der anhaltende Lockdown verschärft die Probleme der Gastronomie. Die SZ hat sich umgehört.

Lutz Aßmus und Uwe Heidenreich sind seit 24 Jahren die Chefs im Goldenen Herold an der Elbstraße in Riesa. Drei Hochwasser haben sie mit ihrem Geschäft überstanden. Ob sie das auch einmal über die Corona-Situation sagen können, ist offen.
Lutz Aßmus und Uwe Heidenreich sind seit 24 Jahren die Chefs im Goldenen Herold an der Elbstraße in Riesa. Drei Hochwasser haben sie mit ihrem Geschäft überstanden. Ob sie das auch einmal über die Corona-Situation sagen können, ist offen. © Sebastian Schultz

Riesa. Der Blick aus dem Gastraum im Goldenen Herold in Riesa geht hinüber in Richtung Elbe. Die fließt so ruhig, wie sie das meistens macht. Derweil wird das wirtschaftliche Fahrwasser für viele Restaurantbetriebe wie den Herold immer schwieriger. Die Inhaber Lutz Aßmus und Uwe Heidenreich führen das Geschäft seit 24 Jahren, haben in der Zeit einiges erlebt. Eine Phase wie jetzt gab es aber noch nie.

Insgesamt sieben Menschen sind in dem Lokal beschäftigt, das vor allem deutsche Küche anbietet und sein Geld nicht zuletzt mit Familienfeiern verdient. Täglich schauen die Chefs derzeit in ihrem geschlossenen Laden vorbei. "Und sei es manchmal nur, um den Briefkasten zu leeren", sagt Uwe Heidenreich. Oder um Einbrecher abzuschrecken. Denn erst kürzlich seien Diebe eingestiegen, nachdem sie zwei Fenster eingeworfen hatten. Zwar sei nur Schnaps und Kleinkram geklaut worden. "Aber das zeigt, man muss präsent sein", so der 53-Jährige.

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Das Einsteigen der Kriminellen war für die Lokalbetreiber ein Ärgernis. Was die beiden aber viel mehr umtreibt, ist die Lage ihres Unternehmens. Zwar seien sie schuldenfrei, sagen die Geschäftsmänner. "Das macht schon etwas aus." Aber die Kosten würden ja weiterlaufen. Miete, Strom, Steuervorauszahlungen. Ein vormals finanzielles Polster in fünfstelliger Höhe sei auf ein Zehntel dessen zusammengeschmolzen, berichten die Lokalbetreiber.

Finanzielles Polster schmilzt

Nach der ersten Welle vom Frühjahr und den darauffolgenden Lockerungen habe sich der Betrieb erholen können, blickt Lutz Aßmus zurück. "Es hat auch etwas ausgemacht, dass die Mehrwertsteuer gesenkt war", so der 60-Jährige. Doch der erneute Lockdown ab November, der inzwischen verlängert worden ist, werde langsam aber sicher zur Bedrohung für die Existenz. "Hätten wir im Dezember nicht außer Haus verkauft und wäre Weihnachten nicht gut gelaufen, hätten wir jetzt kein Geld mehr auf dem Konto", sagt Uwe Heidenreich.

Der Goldene Herold an der Ecke Elbstraße/An der Gasanstalt hat seine Pforten geschlossen – wie viele andere Gastrobetriebe bietet aber auch er einen Außer-Haus-Service an.
Der Goldene Herold an der Ecke Elbstraße/An der Gasanstalt hat seine Pforten geschlossen – wie viele andere Gastrobetriebe bietet aber auch er einen Außer-Haus-Service an. © Sebastian Schultz

Wie der Goldene Herold, versuchen etliche Gaststätten in Riesa, mit Außer-Haus-Service Geld während der Zwangsschließung zu verdienen. Und wie zu hören ist, lief das Geschäft zumindest rund um die Feiertage am Jahresende durchaus gut. So auch in den Riesenhügel-Gastronomien Panama Joe's und Hammerbräu. "Mit dem Abhol- und Lieferservice waren wir insbesondere zu den Adventssonntagen, zu den Weihnachtsfeiertagen und zu Silvester sehr zufrieden", sagt Reiner Striegler, Chef der Firma Magnet, die die zwei Lokale betreibt. Gleichwohl: Der damit generierte Umsatz sei "nicht zu vergleichen mit dem sonstigen Vorweihnachts- und Weihnachtsgeschäft in der Gastronomie".

Auch Inhaberin Anett Mehlhorn vom Traditionslokal Goldener Löwe an der Dr.-Külz-Straße hat über Weihnachten und Silvester eine Bestellmöglichkeit in ihrem Lokal eingerichtet – nicht zuletzt, um ein Zeichen zu setzen. Man könne ja nicht tatenlos zusehen, bis die Politik sich wieder etwas Neues überlege. "Das war okay", bilanziert die Unternehmerin das Außer-Haus-Geschäft zum Jahresende. Doch ob sie den Service weiter aufrechterhält? Kurz vorm Wochenende ist die Unternehmerin da eher pessimistisch. Nur eine Bestellung weise ihre Liste auf.

Wenig Ahnung von Wirtschaft

Auch bei Lutz Aßmus und Uwe Heidenreich im Goldenen Herold ist in die an Weihnachten proppenvollen Bestellbücher nach dem Jahreswechsel Leere eingekehrt. "Wir hatten zehn Essen diese Woche, das ist gar nichts", sagt Uwe Heidenreich. Aufgeben wollen die Inhaber das Angebot aber nicht. Man werde sonst schnell vergessen, es gehe auch um Kundenpflege. Manchen Stammgästen, älteren Herrschaften, bringen die Inhaber das Essen sogar persönlich vorbei. "Es kommt nichts raus dabei, aber: man macht es eben!", sagt Lutz Aßmus.

Wie andere Lokalinhaber hoffen die Chefs vom Goldenen Herold auf staatliche Hilfen. Doch bisher sei davon nichts da. Da der Steuerberater nicht durchgekommen sei, konnten erst diese Woche Anträge abgesendet werden. Anett Mehlhorn vorm Goldenen Löwen hat nach eigenem Bekunden indes schon eine Anzahlung erhalten. Aber auch sie ist unzufrieden, findet die Hilfen ungerecht gestaltet. Wer beispielsweise als Eigentümer im eigenen Haus arbeite und keine Miete zahle, dem fehle das als Kosten, die in die Hilfen eingerechnet werden können. Jene, die die Regeln erarbeiten, hätten wenig Ahnung von Wirtschaft. "Wenn ich weiter darüber spreche, rege ich mich nur auf", sagt die Unternehmerin. Insgesamt sei sie verärgert und traurig.

Schlussstrich droht

Verärgert sind auch Uwe Heidenreich und Uwe Aßmus – darüber, dass die Regierungspolitiker hierzulande im November zunächst einen "Lockdown light" verhängt hatten. Die Phase bis zur Verschärfung der Regeln Mitte Dezember, das sei verlorene Zeit gewesen. Eine radikaleres Herunterfahren des öffentlichen Lebens hätten die Unternehmer besser gefunden, weil es vermutlich wirksamer gewesen wäre.

Wie es jetzt für die beiden Gastronomen weitergeht an der Elbstraße? "Wir kämpfen", sagt Uwe Heidenreich. "Es hat ja 24 Jahre super funktioniert." Eine Zeit, in der man insgesamt drei Elbehochwasser überstanden habe. "Aber da wusste man wenigstens: Wenn die Flut überstanden ist, geht es nahtlos weiter." Jetzt fehle die Planbarkeit. Aus heutiger Sicht halte der Betrieb noch einen Monat durch. "Dann wird es eng." Wenn es gar nicht anders gehe, müsse ein Schlussstrich gezogen werden. Doch so weit soll es möglichst nicht kommen. Denn der Herold soll auch das 25-Jährige erleben.

Riesaer Gaststätten mit Außer-Haus-Service*

  • Restaurant Kreta, Rathausplatz, Abholung/Lieferung täglich 17.30 bis 21 Uhr, Karte/Infos, 03525 892488
  • Goldener Löwe, Abholung (nach Vorbestellung bis freitags 19 Uhr) samstags 17 bis 19 Uhr, Karte/Infos, 0160 90936801
  • Riesenhügel (Panama Joe's + Hammerbräu), Abholung/Lieferung täglich ab 16 Uhr, Karte/Infos, 03525 530930
  • Goldener Herold, Abholung/Lieferung (Lieferung ab sechs Personen, 10-km-Umkreis), täglich 11.30 bis 14/17.30 bis 19 Uhr, Karte/Infos, 03525 891505
  • Pane & Vino Trattoria, Puschkinplatz, Abholung (mittwochs bis montags 18 bis 21 Uhr, dienstags Ruhetag), Infos, 03525 512000 (Quelle: Lokale)

(* Kein Anspruch auf Vollständigkeit, Stand: 8. Januar 2021)

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