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Koselitzer Kegler machen sich Sorgen um Bahn und Verein

Die Gemeinde Röderaue will in die Kegelbahn investieren. Doch macht das überhaupt noch Sinn? Dem Sportverein laufen die Mitglieder weg.

Holger Grimm ist technischer Betreuer der Kegelbahn am Sportplatz Koselitz. Er und seine Kegelfreunde sind gern hier, um sich sportlich zu betätigen. Aber wie lange noch?
Holger Grimm ist technischer Betreuer der Kegelbahn am Sportplatz Koselitz. Er und seine Kegelfreunde sind gern hier, um sich sportlich zu betätigen. Aber wie lange noch? © Sebastian Schultz

Koselitz. Es war der 6. Oktober 1989 - der Vorabend des 40. DDR-Nationalfeiertages. Damals ahnte noch niemand, dass es der letzte "Republik-Geburtstag" sein wird. Dieser Tag galt zur damaligen Zeit immer als geeigneter Anlass für Einweihungen jeder Art. So auch im Fall der Eröffnung der Koselitzer Kegelbahn.

Zahlreiche Leute aus dem Dorf, die an dem Bau mitgewirkt hatten, und Mitglieder des örtlichen Sportvereins waren an jenem Oktobertag gekommen, um dabei zu sein, wie der damalige Bürgermeister Lothar Mitzsch die erste Kugel schob. "Da war sich kein Koselitzer zu schade, am Bau mitzuhelfen", erinnert sich Lothar Schmorl, der ehemalige Schatzmeister des SV 20 Koselitz.

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Wie er berichtet, habe Mitzsch maßgeblichen Anteil daran, dass Koselitz überhaupt eine Kegelbahn erhielt, und sich dabei mit manchem Partei-Funktionär angelegt. Er soll sich auch dafür eingesetzt haben, dass die ausgediente Kegelsetzanlage der BSG Chemie Nünchritz nach Koselitz kam. Nach Angaben eines mittlerweile verstorbenen Nünchritzer Vereinsmitglieds soll es Ende der 1960er Jahre die erste vollautomatische Kegelanlage der DDR gewesen sein.

Bei der Einweihung der Kegelbahn des SV 20 Koselitz am 6. Oktober 1989 durfte der damalige Koselitzer Bürgermeister Lothar Mitzsch (bereits verstorben) die erste Kugel schieben.
Bei der Einweihung der Kegelbahn des SV 20 Koselitz am 6. Oktober 1989 durfte der damalige Koselitzer Bürgermeister Lothar Mitzsch (bereits verstorben) die erste Kugel schieben. © Archiv: privat

Ob auch Politprominenz der SED-Kreisleitung bei der Einweihung in Koselitz mit anwesend war, daran kann sich Schmorl nicht erinnern. Doch unter den Koselitzern soll die Freude groß gewesen sein, dass sie eine eigene Kegelbahn haben. Lang ist es her.

32 Jahre danach wird die Kegelbahn noch immer liebevoll gepflegt. Aber die äußere Hülle des am Ortsrand gelegenen Gebäudes ist sanierungsbedürftig. Bereits vor einiger Zeit hat die Gemeinde Röderaue das Dach und die Fenster erneuert. Nun sollen die Außenwände eine Wärmedämmung erhalten. "Denn es ist im Winter ganz schön kalt dort drinnen", sagt auch der Vereinsvorsitzende Kevin Hentzschel.

Erst vor wenigen Tagen hat der Gemeinderat entschieden, dem Sportverein einen Zuschuss von 8.000 Euro für die notwendigen Eigenmittel zu gewähren. Zwar gehört die Kegelbahn der Gemeinde, aber der Fördermittelantrag läuft über den Verein. Doch der SV 20 Koselitz habe momentan kein Geld für solche Ausgaben, sagte Bürgermeister Lothar Herklotz (CDU) im Gemeinderat. "Aber diese Investition ist notwendig, damit diese Baumaßnahme mal abgeschlossen werden kann", so der Rathauschef.

Trotz mehrerer Sanierungsmaßnahmen in den vergangenen Jahren schimmelt es im Eingangsbereich zur Kegelanlage. Bei einem Baumschnitt vor etwa anderthalb Jahren fiel ein großer Ast auf den Zwischenbau und beschädigte das Dach.
Trotz mehrerer Sanierungsmaßnahmen in den vergangenen Jahren schimmelt es im Eingangsbereich zur Kegelanlage. Bei einem Baumschnitt vor etwa anderthalb Jahren fiel ein großer Ast auf den Zwischenbau und beschädigte das Dach. © Sebastian Schultz

Tatsächlich machen sich die Koselitzer Kegler nicht nur Sorgen um ihre Doppelbahnanlage, sondern auch um den Verein. Seit der letzten Vorstandswahl vor vier Jahren, als die Jüngeren das Ruder im SV 20 übernahmen, ist der erhoffte Aufschwung durch den Generationswechsel ausgeblieben.

Die Fußballmannschaft ist seit der letzten Saison vom Punktspielbetrieb abgemeldet. Einige Kicker hätten den Verein verlassen, bestätigt Kevin Hentzschel. "Und nur mit Schichtarbeitern braucht man keine Saison zu bestreiten", sagt er. Da falle immer mal jemand aus. Und am Ende müssten Spiele abgesagt werden und der Verein dafür Strafe an den Kreisverband Fußball Meißen zahlen. Deshalb hatten die Fußballer von sich aus die Reißleine gezogen und sich aus dem Spielbetrieb zurückgezogen.

Jetzt sind sie genau wie die Kegler und die Volleyballer pure Freizeitsportler ohne jegliche Verpflichtung zu Meisterschafts- und Pokalspielen. Solange die Fußballer des SV 20 Koselitz noch aktiv waren, fiel auch kein Schatten auf die Kegler. Aktive Kegler, die in irgendeiner Liga spielen, habe es noch nie beim hiesigen Sportverein gegeben, sagt der technische Kegelbahn-Betreuer Holger Grimm. Von den vier Freizeitgruppen, die hier regelmäßig kegeln, stammen drei aus Koselitz und eine aus dem Nachbardorf Pulsen.

Die Bank der Heimmannschaft auf dem Koselitzer Fußballplatz ist seit über einem Jahr verwaist. Die Fußballer des SV 20 Koselitz haben sich aus dem Punktspielwettbewerb abgemeldet. Der Rasen wird aber noch von der Gemeindeverwaltung gepflegt.
Die Bank der Heimmannschaft auf dem Koselitzer Fußballplatz ist seit über einem Jahr verwaist. Die Fußballer des SV 20 Koselitz haben sich aus dem Punktspielwettbewerb abgemeldet. Der Rasen wird aber noch von der Gemeindeverwaltung gepflegt. © Jörg Richter

"Sie wollen gern weiter kegeln", sagt Grimm. Doch weil der SV Koselitz, wie viele andere Dorfvereine der Umgebung auch, zusehends Mitglieder verliert, hat er Bedenken, dass im Verein, dessen 100. Jubiläum im vergangenen Jahr wegen der Corona-Pandemie ausfallen musste, bald das Licht ausgeht – und damit auch die Lichter in der Kegelbahn.

Vor diesem Hintergrund erscheint fraglich, ob Investitionen in den Erhalt der Koselitzer Kegelbahn überhaupt Sinn machen. Zumal sie nur zwei Bahnen hat und damit nicht wettkampffähig ist. Für Punktspiele im Kegelverband werden vier Bahnen gefordert. Damit ist klar, dass die hiesige Kegelbahn nur dem Freizeitsport dient. Aber wie lange noch? Die Koselitzer Kegler seien alle 70 und älter, so Hentzschel.

Am 22. Oktober soll es wieder eine Jahreshauptversammlung geben. Dann muss darüber gesprochen werden, wie es um die Zukunft des SV 20 Koselitz bestellt ist.

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