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Das modernste Gerätehaus weit und breit

Das neue Domizil der Feuerwehr Mehltheuer-Seerhausen besticht mit Superlativen – und einem witzigen Detail.

Gruppenführer Matthias Streiber demonstriert das Abseilen vom neuen Übungsturm aus acht Meter Höhe. Dieser Turm, auf dem auch das Retten über Treppen und aus Abwasserschächten trainiert werden kann, sucht im Landkreis Meißen seinesgleichen.
Gruppenführer Matthias Streiber demonstriert das Abseilen vom neuen Übungsturm aus acht Meter Höhe. Dieser Turm, auf dem auch das Retten über Treppen und aus Abwasserschächten trainiert werden kann, sucht im Landkreis Meißen seinesgleichen. © Sebastian Schultz

Hirschstein/Stauchitz. Wenn ein Minister zur Einweihung eines Feuerwehrhauses kommt, dann muss es schon etwas besonders sein. Das interkommunale Gerätehaus an der B 6 in Mehltheuer ist es auf jeden Fall. Ab jetzt ist es das gemeinsame Domizil der Feuerwehren aus Mehltheuer und Seerhausen. Mehr noch, seit Freitag gibt es im Landkreis Meißen eine Feuerwehr weniger, aber dafür eine einsatzbereitere mehr.

Die beiden Ortswehrleiter Andreas Voigt und Jörg Poppe verkündeten während der feierlichen Übergabe offiziell die Gründung der neuen Freiwilligen Feuerwehr Mehltheuer-Seerhausen. Das war bis zuletzt geheim gehalten worden. Ursprünglich war lediglich vorgesehen, dass sich zwei Feuerwehren aus unterschiedlichen Gemeinden ein Gerätehaus teilen. So etwas gab es bisher nur im Landkreis Sächsische Schweiz/ Osterzgebirge. Dort teilen sich die Gemeinde Dürrröhrsdorf-Dittersbach und die Stadt Stolpen ein solches Gebäude.

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„Dass sich zwei Ortsfeuerwehren benachbarter Gemeinden zu einer Ortsfeuerwehr zusammenschließen, ist ein echtes Novum und hat Vorbildcharakter für unser Land“, würdigt deshalb Sachsens Innenminister Roland Wöller.

Diese Essensausgabe an der Küche ist der Hammer! Das findet auch die Riesaer Bäckerfamilie Krauße, die zur Eröffnung ihren Kuchen servierte. Der Rahmen ist das Heckteil eines originalen Löschfahrzeugs. Wenn die Jalousie geschlossen wird, gehen die Blinker und das Blaulicht an.
Diese Essensausgabe an der Küche ist der Hammer! Das findet auch die Riesaer Bäckerfamilie Krauße, die zur Eröffnung ihren Kuchen servierte. Der Rahmen ist das Heckteil eines originalen Löschfahrzeugs. Wenn die Jalousie geschlossen wird, gehen die Blinker und das Blaulicht an. © Sebastian Schultz
Die beiden verstehen sich: Andreas Voigt (links) aus Mehltheuer und Jörg Poppe aus Seerhausen sind die beiden gleichgestellten Ortswehrleiter der neuen Feuerwehr Mehltheuer-Seerhausen. Diese Doppelspitze, die man bisher nur von Parteien kennt, ist in Feuerwehrkreisen einzigartig.
Die beiden verstehen sich: Andreas Voigt (links) aus Mehltheuer und Jörg Poppe aus Seerhausen sind die beiden gleichgestellten Ortswehrleiter der neuen Feuerwehr Mehltheuer-Seerhausen. Diese Doppelspitze, die man bisher nur von Parteien kennt, ist in Feuerwehrkreisen einzigartig. © Sebastian Schultz
So sieht das neue Gerätehaus der vereinigten Feuerwehr Mehltheuer-Seerhausen von außen aus. Bis jetzt stehen drei kleinere Einsatzfahrzeuge in den Garagen. Laut Brandschutzbedarfsplan sollen aber in den nächsten Jahren neue und vor allem größere angeschafft werden.
So sieht das neue Gerätehaus der vereinigten Feuerwehr Mehltheuer-Seerhausen von außen aus. Bis jetzt stehen drei kleinere Einsatzfahrzeuge in den Garagen. Laut Brandschutzbedarfsplan sollen aber in den nächsten Jahren neue und vor allem größere angeschafft werden. © Sebastian Schultz
Dass die beiden Ortswehrleiter den symbolischen Schlüssel in der Hand halten können, verdanken sie auch den fünf Herren hinter ihnen: (v.l.n.r.) Hirschsteins Bürgermeister Conrad Seifert, Landrat Ralf Hänsel, Innenminister Roland Wöller, den Stauchitzer Bürgermeister Dirk Zschoke und Kreisbrandmeister Ingo Nestler.
Dass die beiden Ortswehrleiter den symbolischen Schlüssel in der Hand halten können, verdanken sie auch den fünf Herren hinter ihnen: (v.l.n.r.) Hirschsteins Bürgermeister Conrad Seifert, Landrat Ralf Hänsel, Innenminister Roland Wöller, den Stauchitzer Bürgermeister Dirk Zschoke und Kreisbrandmeister Ingo Nestler. © Landkreis Meißen

Kreisbrandmeister Ingo Nestler setzt noch einen Superlativ drauf. „Es ist das modernste Gerätehaus im Landkreis Meißen“, sagt er. Das fängt bei dem einzigartigen Übungsturm an und hört bei den beiden Löschwasser-Zisternen auf. Die eine fasst 16 Kubikmeter Regenwasser und die andere zehn. Zudem ist das Gebäude als Katastrophenzentrum konzipiert.

Bei einem großen Stromausfall, wie er bei Orkanen auftreten kann, springt im separaten Netzersatzraum ein dieselbetriebener Generator an. „Leute in Not können dann zu uns kommen, um etwa ihre Handys aufzuladen oder auch Babybrei zu kochen“, so Poppe. Und falls ein Hochwasser oder eine andere Naturkatastrophe Menschen obdachlos gemacht hat, dann sollen sie hier Zuflucht finden. Aus diesem Grund wurde sogar eine Behindertentoilette eingebaut.

33 Feuerwehrmänner und -frauen sowie elf Jugendfeuerwehrleute gehören momentan zur neuen Ortsfeuerwehr. Auch wenn sie aus zwei verschiedenen Gemeinden kommen, soll sie nichts trennen. Vor allem nicht, wenn sie zum Einsatz alarmiert werden. „So wie die Leute kommen, werden die Fahrzeuge besetzt und fahren raus“, sagt Poppe. Dass Seerhausener Kameraden nur in das Seerhausener Fahrzeug steigen und Mehltheuer Kameraden nur in ihr Auto - das gehört der Vergangenheit an.

„Auf dem Lande lebt man schon immer von unkonventioneller Nachbarschaftshilfe, so auch bei den Feuerwehren“, sagt der Stauchitzer Bürgermeister Dirk Zschoke (parteilos). „Daher war der Zusammenschluss der beiden Ortsfeuerwehren ein logischer und zukunftsweisender Schritt.“ Und sein Hirschsteiner Amtskollege Conrad Seifert (CDU) ergänzt: „Für unsere beiden Gemeinden bietet dieser Lösungsansatz vor allem mehr Sicherheit für die Bürger bei Bränden und Katastrophen.“

Der Bau des interkommunalen Gerätehauses kostete knapp 2,9 Millionen Euro. Der Freistaat Sachsen bezuschusste das Vorhaben mit rund 2,8 Millionen Euro. In den Rest teilen sich die Gemeinden Hirschstein und Stauchitz hinein.

Allerdings sollen in den nächsten Jahren auch die Fahrzeuge größer werden. Laut Brandschutzbedarfsplan sind ein Tanklöschfahrzeug mit 4.000 Liter Wasser, ein Löschfahrzeug „HLF 20“ und ein Lkw für Hochwassereinsätze (GW Logistik) geplant.

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