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Riesa

"Ein besseres, aber noch kein normales Jahr für die Landwirtschaft"

Nach drei Dürrejahren gab es zuletzt mehr Regen. Für manche Kultur kam er trotzdem zu spät, sagt der Chef der Kreinitzer Agrargenossenschaft.

Der Chef der Kreinitzer Agrargenossenschaft Gerhard Förster in einem der Sonnenblumenfelder des Betriebes bei Kreinitz.
Der Chef der Kreinitzer Agrargenossenschaft Gerhard Förster in einem der Sonnenblumenfelder des Betriebes bei Kreinitz. © Eric Weser

Kreinitz. Es braucht schon ein paar Schritte hinein in das Feld an der S 88 bei Kreinitz, bis man von gelben Blütenkörben umringt ist. Am Rand gibt es davon kaum noch welche. Auf etlichen Quadratmetern haben Sonnenblumen-Liebhaber dort Blüten abgeschnitten und mitgenommen. Übrig sind nur noch die grünen Stängel mit einigen Blättern.

Gerhard Förster nimmt es gelassen. "Das ist nicht zu verhindern", sagt der Vorstand der Kreinitzer Agrargenossenschaft "Unteres Sächsisches Elbtal". Eine Kasse des Vertrauens aufstellen? Das sei keine Option. Viel Freude würden die Leute mit den ergaunerten Sonnenblumen ohnehin nicht haben. "Die sind für die Vase nicht geeignet und kippen schon nach zwei, drei Tagen um."

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Denn es handle sich um Ölsonnenblumen, aus denen – der Name sagt es – Sonnenblumenöl hergestellt wird. Das passiert im Riesaer Ölwerk der Firma Cargill. Aus 100 Kilogramm Sonnenblumenkernen lassen sich etwa 44 Kilo Öl gewinnen, so Gerhard Förster.

So weit wird es allerdings erst in ein paar Wochen sein, wenn die Pflanzen verblüht sind. Begonnen hat das Abblühen zwar schon, der ganze Prozess werde aber noch eine Weile dauern, sagt Gerhard Förster. Erst Ende September, Anfang Oktober wird der Mähdrescher deshalb auf die Sonnenblumenfelder der Kreinitzer Agrargenossenschaft ausrücken. 17 Hektar sind dann auf dem Feld an der S 88 abzuernten. Daneben hat der Betrieb noch weitere Flächen mit der Ölpflanze, insgesamt etwa 100 Hektar.

Was die Sonnenblumen angeht, ist Genossenschafts-Chef Förster zufrieden. "Wichtig ist, dass sie Regen bekommen, wenn sie blühen." Das habe dieses Jahr geklappt, weil es im Juli ausgiebig geregnet habe. Entsprechend groß sind die Pflanzen geworden. Es dürfte ein guter Ertrag werden.

Doch das ist nicht bei jeder Kultur so, die der insgesamt 2.100 Hektar Fläche bewirtschaftende Betrieb anbaut. Die erste Jahreshälfte sei wieder relativ trocken gewesen, blickt Gerhard Förster zurück. Ein erster vernünftiger Regen sei erst am 30. Juni gekommen. "Da war es für Getreide und Raps größtenteils schon zu spät."

Für andere Kulturen wie Mais, Zuckerrüben oder eben die Sonnenblumen sei der Niederschlag allerdings genau richtig gewesen. Gerade der Mais sei dieses Jahr gut gewachsen. Was auch nötig gewesen sei. "Vor allem die Viehhaltebetriebe hatten große Probleme. Die Futterreserven waren aufgebraucht." Nun könnten sich die Silos wieder füllen, so der Landwirt, dessen Betrieb selbst allerdings keine Tierhaltung hat.

Nach drei sehr trockenen Jahren in Folge will Gerhard Förster, der auch Vorsitzender des Regionalbauernverbands Elbe/Röder ist, mit Blick auf die Niederschläge noch nicht von einem normalen Jahr sprechen. "Aber es ist ein etwas Besseres im Vergleich zu den drei vergangenen."

Normal ist derweil, dass bei der 15 Mitarbeiter zählenden Kreinitzer Agrargenossenschaft wie in vielen anderen Landwirtschaftsbetrieben auch momentan Hochbetrieb herrscht. Die Getreideernte, bei der noch ein ganzes Stück zu tun sei, ist in vollem Gange. Teilweise dauern die Arbeiten bis in die Nacht. Im August startet die Rapsaussaat. "Die Zeit von Juli bis Oktober ist eine der angespanntesten und arbeitsintensivsten", sagt Gerhard Förster, der mit 66 Jahren theoretisch in Rente gehen könnte – praktisch aber seinen Job weiter macht.

Aller Probleme und Risiken zum Trotz, die das Wetter oder auch die Agrarpolitik und Bürokratie für die Landwirtschaftsbetriebe bereithalten. "Ich stamme aus einer Bauernfamilie, für mich ist das alles normal und selbstverständlich", so Förster, der 1986 Vorsitzender des damals noch als LPG firmierenden Kreinitzer Agrarbetriebs geworden war und das nach der Wende zur Genossenschaft gewordene Unternehmen in die Marktwirtschaft führte.

Die Märkte muss der Landwirt ständig im Blick behalten, denn dort werden die Preise für die Produkte seines Betriebes gemacht. Taktgeber sind dabei die großen Börsen in der französischen Hauptstadt Paris und im US-amerikanischen Chicago. Was die Kurse für Ölsaaten wie Sonnenblumen angeht, sehe es im Moment ganz gut aus, sagt Gerhard Förster beim Besuch auf dem Feld bei Kreinitz. "Die Preise sind etwas im Aufwind."

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