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Glaubitz: Schandfleck an der B 98 verschwindet

Glaubitz will in einer ehemaligen Schlosserei ein größeres Gerätehaus für die Feuerwehr bauen. Jetzt wird ein baufälliges Nebengebäude abgerissen.

Von Jörg Richter
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Ein Bagger sortiert mit seinem Greifer die Holzbalken aus dem alten Gebäude in Glaubitz, das momentan abgerissen wird.
Ein Bagger sortiert mit seinem Greifer die Holzbalken aus dem alten Gebäude in Glaubitz, das momentan abgerissen wird. © Sebastian Schultz

Glaubitz. Es ist nicht gerade ein Aushängeschild an der viel befahrenden B 98, die durch Glaubitz führt. Das Nebengebäude der ehemaligen Kfz-Schlosserei am Dorfteich gilt schon seit Jahrzehnten als Schandfleck. Seit dieser Woche wird es abgerissen. Ein Bagger der Firma TS Bau GmbH trägt nach und nach Dach und Mauerwerk ab und wird wohl auch noch in den kommenden Tagen damit zu tun haben.

Auf dem Gelände soll irgendwann das neue Domizil der freiwilligen Feuerwehr entstehen. Erst Anfang des Jahres hatte die Gemeinde Glaubitz deshalb das Grundstück gekauft. Das geplante Gerätehaus ist aber nur ein Grund für den Abriss des Seitengebäudes. Es ist sehr viel älter als die Schlosserei und extrem baufällig.

Es besteht die Gefahr, dass bei einem Einsturz ein benachbartes Mehrfamilienhaus beschädigt werden könnte. "Darum haben wir uns entschlossen, das Seitengebäude bereits jetzt abzureißen", sagt Bürgermeister Lutz Thiemig (parteilos). Der Umbau der ehemaligen Kfz-Schlosserei zum neuen Gerätehaus könnte dagegen noch ein paar Jahre auf sich warten lassen.

Kameraden in Areal verliebt

Vor ein paar Jahren war hier die ortsansässige Feuerwehr zwischenzeitlich eingezogen, weil auf der Straße Am Raubschlösschen, wo das etatmäßige Gerätehaus steht, gebaut wurde. Die Löschfahrzeuge hätten wegen der Baustelle nicht zum Einsatz fahren können.

So fragten die Kameraden beim Besitzer der leer stehenden Schlosserei an, ob sie nicht ihre Fahrzeuge und alle notwendigen Geräte und Ausrüstungen in der Werkstatt am Dorfteich unterstellen könnten. Er gab die Erlaubnis und so zog die Feuerwehr für etwa ein halbes Jahr um.

Schon bald verliebten sich die Kameraden in das Areal. Denn es gibt aus ihrer Sicht gleich mehrere Gründe, warum es besser ist als der jetzige Standort. Die Werkstatt mit ihren großen Toren ist eine ideale Garage. Zu ihr gehört auch ein angrenzendes Bürogebäude mit ausreichend Platz für Umkleideräume, Duschen, Toiletten und einen Versammlungsraum. Und nicht zu vergessen: die Parkplätze.

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Das aktuelle Gerätehaus, das erst 2003 neu erbaut wurde, ist mittlerweile zu klein. Anders als in vielen anderen freiwilligen Feuerwehren ist die Anzahl der aktiven Kameraden gestiegen. Die junge Wehrleitung um Gemeindewehrleiter Martin Reichstädter schafft es immer wieder, neue Leute für die Mitarbeit in der Feuerwehr zu begeistern. Das hat aber zur Folge, dass es kaum Platz zum Umziehen gibt. "Mehrere Feuerwehrmänner müssen sich hinterm Fahrzeug anziehen und die Frauen auf der Toilette", bestätigt Thiemig. "Das ist nicht mit den Unfallverhütungsvorschriften zu vereinbaren."

Zudem ist die Personalsituation im benachbarten Radewitz genau gegenläufig. Dort wurde 1998 ein neues Gerätehaus gebaut. Die wenigen verbliebenen Kameraden kommen jetzt schon zu den Ausbildungsdiensten nach Glaubitz. "Beide Gerätehäuser zu betreiben, wird für uns in Zukunft nicht möglich sein", sagt der Bürgermeister. Er habe deshalb bereits mehrere Gespräche mit Kreisbrandmeister Ingo Nestler geführt. Dieser habe ihm signalisiert, dass er die strategische Zusammenlegung von Feuerwehren durchaus für richtig halte.

Für die Brandschutzbedarfsplanung einer Kommune sei der Landkreis Meißen allerdings nicht zuständig, heißt es aus der Pressestelle des Landratsamtes. "Eine Zusammenlegung von zwei Feuerwehren hat immer dann einen positiven Effekt, wenn eine Konzentration von Ressourcen sowohl für die taktische Einsatzabarbeitung als auch für die Ausbildung insgesamt einen Vorteil bringt." Wenn das der Fall sei, würde der Landkreis ein solches Projekt auch unterstützen.

Keine hohe Priorität

Das heißt, er würde Fördermittel entsprechend der Prioritätenliste für die Feuerwehren im Landkreis Meißen bereitstellen. Aktuell habe aber ein Neubau eines Feuerwehrgerätehaus in Glaubitz keine hohe Priorität, so Landratsamtssprecherin Anja Schmiedgen-Pietsch.

Das Problem sei, dass sowohl Glaubitz als auch Radewitz zwei relativ neue Gerätehäuser haben. Das Gerätehaus in Radewitz wurde 1998 gebaut, das in Glaubitz 2003. Letztes erhielt zudem 2010 einen Anbau. Für alle drei Baumaßnahmen gibt es jeweils eine 25-jährige Fördermittelbindefrist. Sie laufen für das Gerätehaus Radewitz 2023, für das Gerätehaus Glaubitz 2028 und für den Anbau 2035 ab.

Prinzipiell seien Fördermittel für den Neubau am Dorfteich möglich, auch wenn diese Bindefristen noch nicht abgelaufen sind, so die Pressesprecherin. Es erfolge jedoch eine anteilige Fördermittelrückzahlung ab dem Jahr, in dem die Gebäude geschlossen oder anders genutzt werden.

Zudem macht der Landkreis Meißen deutlich, dass die Prioritätenliste sehr lang ist. Andere Feuerwehren warten schon seit Jahrzehnten darauf, endlich in ein modernes Gerätehaus einziehen zu können. Aktuell ist der Neubau einer Feuerwache in Riesa im Gespräch. Dort wurde seit der Wende kein neues Gerätehaus gebaut.