merken
PLUS Riesa

Glaubitzer Stahlwerk will sich erweitern

Ervin will seine Produktion verdoppeln. Die Belastungen für Anwohner und Umwelt sollen sich weiter im zulässigen Rahmen halten.

Rings um das Stahlwerk von Ervin wird angebaut. Die große Freifläche in Richtung JVA Zeithain (oben rechts) bleibt aber weitestgehend unberührt.
Rings um das Stahlwerk von Ervin wird angebaut. Die große Freifläche in Richtung JVA Zeithain (oben rechts) bleibt aber weitestgehend unberührt. © Foto: Lutz Weidler

Glaubitz. Acht dicke Ordner stehen auf einem Tisch im Foyer des Nünchritzer Rathauses. Es sind die Planungsunterlagen für die Erweiterung des Stahlwerks der Ervin Germany GmbH im Glaubitzer Gewerbegebiet. Seit Freitag sind sie hier und auch im Zeithainer Rathaus einen Monat lang für jedermann einsehbar. Saechsische.de hat einen Blick hinein geworfen.

Die Ervin Germany GmbH betreibt seit sieben Jahren am Standort Glaubitz ein zweites deutsches Werk nach Düsseldorf. 26 Millionen Euro investierte der amerikanische Stahlkonzern Ervin Industries damals in den Betrieb. Jetzt soll noch mal eine Investition von weiteren sechs Millionen Euro folgen. Denn offenbar läuft das Geschäft mit metallischen Strahlmitteln in Europa sehr gut für die Amerikaner.

Anzeige
Auf geht’s in die Erntezeit
Auf geht’s in die Erntezeit

Der Garten verwöhnt im Spätsommer mit frischem Obst und Gemüse. Und langsam heißt es auch, sich auf den Herbst und die anstehenden Arbeiten vorzubereiten.

Sie erwarten, dass die Produktionskapazitäten in ihrem Glaubitzer Stahlwerk spätestens im kommenden Jahr ausgeschöpft sind. Deshalb wollen sie die Jahresproduktion von 60.000 Tonnen auf 120.000 Tonnen verdoppeln. Darum ist die Erweiterung notwendig.

76 neue Arbeitsplätze

Sie wird am deutlichsten sichtbar durch den geplanten Anbau an die große Halle in der Mitte des Stahlwerks. Die sogenannte Prozesshalle soll dann bis fast an die Industriestraße A reichen. Mit 1.200 Quadratmetern Grundfläche ist es der zweitgrößte Anbau im Zuge der Betriebsvergrößerung.

Die Erweiterung der Rohstoffhalle am Ostende des Stahlwerks soll sogar noch größer werden. Auf zusätzlich 1.300 Quadratmeter soll die bisherige Lagermenge von 600 Tonnen auf 1.000 Tonnen erhöht werden. Dabei handelt es sich um die Lagerung von Metallschrott, der eingeschmolzen und weiterverarbeitet wird.

Am östlichen Ende des Betriebsgeländes soll eine zweite Zufahrt entstehen. Die große Freifläche in Richtung JVA Zeithain bleibt dagegen fast unberührt. Lediglich eine Trafostation, zwei Brunnen und ein zusätzlicher Parkplatz sollen hier entstehen.

Der Parkplatz wird notwendig, weil sich nicht nur die Produktionsmenge, sondern auch die Anzahl der Arbeitsplätze in etwa verdoppelt. Ervin will 76 neue Arbeitsplätze schaffen. Mit dann rund 145 Mitarbeitern werden die Amerikaner einer der größten Arbeitgeber in der Gemeinde Glaubitz sein.

Ervin Industries wurde 1920 von John F. Ervin in den USA gegründet. Er ist der Erfinder des gegossenen Strahlmittels, das nach eigenen Angaben die Strahlmittelindustrie revolutionierte. Die kleinen Metallkugeln werden zum Polieren von Flächen in der Luft- und Raumfahrt sowie in der Automobil-, Bau-, Bergbau- und Metallindustrie verwendet. Ervin ist in den USA Marktführer und baute 1991 sein erstes Werk in Europa.

Als das US-Unternehmen 2012 mit dem Bau seines hiesigen Stahlwerkes begann, herrschte bei einigen Glaubitzern anfangs Skepsis. Sie wurde zusätzlich von einem Unbekannten geschürt, der versuchte, die Leute mit hochwertigen Flyern, einer Zeitungsannonce und einer professionellen Internetseite gegen den Stahlwerk-Neubau zu mobilisieren. Es gelang ihm letztlich nicht, weil Ervin Industries und der Glaubitzer Bürgermeister Lutz Thiemig (parteilos) zu einer Einwohnerversammlung einluden, um Ängste und Vorbehalte abzubauen.

Dazu soll auch die jetzige Auslegung der Planungsunterlagen für die Stahlwerkserweiterung beitragen. In den acht Ordnern befinden sich auch ein Bericht der Umweltverträglichkeitsprüfung durch die Magdeburger Firma Pro Terra Team GmbH und ein lufthygienisches Fachgutachten der Müller-BBM GmbH aus Berlin. Beide kommen kurz zusammengefasst zu der Erkenntnis, dass die Produktionsverdopplung "keine erheblichen nachteiligen Auswirkungen" auf Menschen und Umwelt hat.

Ganz ungefährlich ist die Herstellung der metallischen Strahlmittel aus Schrott aber nicht. Das wurde Anfang Juni 2019 deutlich, als ein Großeinsatz der Feuerwehren ausgelöst wurde. Ein Schmelzofen war seitlich durchgebrannt, so dass flüssiger Stahl austreten konnte und brennbares Material in der Nähe in Brand setzte. Schwarzer Qualm drang aus dem Dach. Noch heute sind die dunklen Verfärbungen auf dem hellen Dach aus der Luft zu erkennen.

Die große Produktionshalle in der Mitte des Stahlwerks soll künftig bis an die Industriestraße (vorn) reichen. Auf dem Dach sind noch deutlich die Spuren des Brandes vom Juni 2019 zu sehen.
Die große Produktionshalle in der Mitte des Stahlwerks soll künftig bis an die Industriestraße (vorn) reichen. Auf dem Dach sind noch deutlich die Spuren des Brandes vom Juni 2019 zu sehen. © Foto: Lutz Weidler

Mehr zum Thema Riesa