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Eine Hebammen-Praxis am Elberadweg

Stefanie Herrmann hat schon einige Stationen als Geburtshelferin hinter sich. Jetzt schafft sie sich in ihrem Wohnort eigene Räume für ihre Arbeit.

Die Tasche mit Blutdruckmesser, Herztongerät und Ölen für Schwangere hat Hebamme Stefanie Herrmann schon dabei. Schon bald soll auch das Nebengebäude auf ihrem Gohliser Grundstück hergerichtet sein, um Frauen zu betreuen.
Die Tasche mit Blutdruckmesser, Herztongerät und Ölen für Schwangere hat Hebamme Stefanie Herrmann schon dabei. Schon bald soll auch das Nebengebäude auf ihrem Gohliser Grundstück hergerichtet sein, um Frauen zu betreuen. © Eric Weser

Gohlis. Noch sieht alles nach Heuboden aus und nicht nach Hebammen-Praxis. Aber das wird sich ändern, sagt Stefanie Herrmann und schaut hinter einem Balken hervor. Schon in wenigen Monaten sollen hier in Gohlis, gut 30 Meter neben dem Elberadweg, Kurse mit Schwangeren, werdenden Vätern und jungen Müttern abgehalten werden können.

Solche Kurse gibt die Geburtshelferin schon einige Jahre. 2013 beendete die heute 29-Jährige ihre Ausbildung in einem Chemnitzer Krankenhaus, fand danach eine Anstellung in der Oschatzer Collm Klinik. Zudem fing sie an, auch freiberuflich zu arbeiten.

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Hebamme sei immer ihr Wunschberuf gewesen, erzählt Stefanie Herrmann, die aus Grödel stammt und mit ihrer Familie seit 2017 in Gohlis lebt. Erst kürzlich habe sie einen Aufsatz aus ihrer Grundschulzeit gefunden, der das bestätigt. Zu der Zeit gab es auch ein Schlüsselerlebnis, das ihre Berufswahl beeinflusst hat. "Als ich neun war, bin ich zum zweiten Mal Schwester geworden", erinnert sie sich. Mit ihrer Mama habe sie damals Kurse bei deren Hebamme besucht. Seither hat sie die Faszination nicht mehr losgelassen.

Mama ist Stefanie Herrmann längst auch selbst. Ihr Sohn ist fünf, die Tochter zwei. Die Kinder seien auch ein Grund, die Arbeit aufs heimische Grundstück zu verlagern. So lasse sie sich ihr Job künftig besser mit der Kinderbetreuung vereinbaren, sagt Stefanie Herrmann, die seit der Schließung der Geburtsklinik in Oschatz gänzlich als Freiberuflerin unterwegs ist.

2016 eröffnete sie mit einer ehemaligen Kollegin in Röderau eine Praxis. Ein Schritt, den sie ohne das Aus von Oschatz wohl nicht gewagt hätte, sagt Stefanie Herrmann. Als aber sowohl sie selbst als auch ihre Kollegin fast zeitgleich schwanger wurden, gaben beide die Räume wieder auf.

Seit voriges Jahr ihre zweite Elternzeit endete, arbeitet Stefanie Herrmann wieder als Hebamme. Den Namen "Elblandstörche", den die einstige Röderauer Praxis trug, nutzt sie weiter. Ihre frühere Praxispartnerin ist aber nicht mehr dabei, sie hat sich beruflich verändert. Stefanie Herrmann will das nicht – die Liebe zum Hebammen-Beruf ist bei ihr ungebrochen.

Ihr Einsatzgebiet hat die Geburtshelferin vor allem im Gebiet zwischen ihrer Wohngemeinde Zeithain, der Stadt Großenhain und Südbrandenburg. In dieser Region seien Hebammen rar. Die Kontakte zu den Frauen kommen in den meisten Fällen über Mundpropaganda zustande, so die 29-Jährige. Aber nicht nur. "Es gab jetzt mal jemanden, für den Google-Bewertungen den Ausschlag gegeben haben." Eine andere Frau sei kürzlich zu ihr gekommen, weil sie eine Hebamme gesucht hatte, die im selben Jahr geboren ist wie sie selbst.

Noch dient das Nebengebäude des Wohnhauses unter anderem als Werkstatt. Nach Einbau eines Treppenhauses und einem Umbau in der oberen Etage soll am Gohliser Elbweg 6 einmal die Hebammen-Praxis "Elblandstörche" ihr Domizil bekommen.
Noch dient das Nebengebäude des Wohnhauses unter anderem als Werkstatt. Nach Einbau eines Treppenhauses und einem Umbau in der oberen Etage soll am Gohliser Elbweg 6 einmal die Hebammen-Praxis "Elblandstörche" ihr Domizil bekommen. © Eric Weser

Egal wie die werdenden Mütter zu Stefanie Herrmann gelangen – sie freut sich darüber. Und sie freut sich, dass es mit dem Bau ihrer künftigen Praxisräume nun endlich losgehen kann. Die Pläne dafür gibt es schließlich schon seit reichlich zweieinhalb Jahren. Eigentlich hatte das Bauprojekt auch im Herbst 2020 starten sollen. Kurzfristig erfuhren Stefanie Herrmann und ihr Mann Johannes aber seinerzeit, dass wieder Geld in einem Fördertopf ist, mit dem Projekte zur Belebung des ländlichen Raums finanziell stark unterstützt werden. Ihren Baufirmen, die schon in den Startlöchern standen, sagten sie deshalb kurzfristig ab und bewarben sich für die Zuschüsse. Die Betriebe hätten Verständnis gehabt. Denn die Förderung, die über den Verein Elbe-Röder-Dreieck verteilt wird, ist günstig. So günstig, dass sich selbst in Zeiten stark steigender Baupreise das Verschieben des Projekts für die Familie lohnen wird. Kürzlich kam grünes Licht, dass es mit den erhofften Zuschüssen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit klappen wird.

Im Oktober soll es nun mit dem Umbau auf dem Grundstück am Gohliser Elbweg losgehen. Ein knappes Jahr wird alles dauern, schätzen Stefanie und Johannes Herrmann. Bis die Hebammen-Praxis am Elberadweg eingeweiht werden kann, nutzt Stefanie Herrmann für ihre Kurse Räume im benachbarten Jacobsthal, die ihr die Schwiegereltern zur Verfügung stellen.

Link zur Praxis

Eine Liste mit Hebammen in der Umgebung gibt es beim Sächsischen Hebammenverband.

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