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Gröditz droht Hausärzte-Mangel

Noch sieht es mit der Versorgung an Medizinern gut aus. Doch schon in wenigen Jahren kann es so weit sein.

Eine Medizinerin untersucht einen Patienten mit einem Stethoskop. In Gröditz werden nicht nur die Patienten älter, sondern auch die Hausärzte, die sie untersuchen.
Eine Medizinerin untersucht einen Patienten mit einem Stethoskop. In Gröditz werden nicht nur die Patienten älter, sondern auch die Hausärzte, die sie untersuchen. © dpa

Gröditz. Vor Kurzem hat sich in einer bekannten Gröditzer Facebook-Gruppe ein Mann an die Mitglieder gewandt. Er sei auf der Suche nach einem Hausarzt in der Region. Aus seiner Schilderung zu urteilen, habe er es offenbar bei allen Gröditzer Hausärzten versucht, als neuer Patient aufgenommen zu werden. Doch erfolglos. Verbittert schreibt der Mann: "Die Gröditzer Ärzte sind voll ausgebucht und sterben alle reich, die brauchen keine Patienten."

Das Thema ist im Gröditzer Stadtrat nicht neu. Jüngst wurde der drohende Ärztemangel in einer Sitzung, als sie noch möglich war, wieder einmal angesprochen. Bürgermeister Jochen Reinicke konnte den Sorgen der Stadträte nur zustimmen. "2024 geht unser Jahrgang in Rente und mit ihm auch viele Ärzte", so Reinicke.

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Laut einer Statistik der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (siehe Grafik) sieht es momentan mit der Versorgung an Hausärzten in der Region noch gut aus. Im Altkreis Riesa lag der 2018 ermittelte Versorgungsgrad bei 102,5 Prozent. Im Altkreis Großenhain bei 98,8 Prozent. Im heutigen Landkreis Meißen gilt die Region Radebeul mit Coswig, Weinböhla und Radeburg mit 107,4 Prozent als am besten mit Hausärzten versorgt.

So sah die Versorgung mit Hausärzten 2018 im Landkreis Meißen aus. Quelle: Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV)
So sah die Versorgung mit Hausärzten 2018 im Landkreis Meißen aus. Quelle: Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) © Quelle: Kassenärztliche Bundesvereinigung

Laut der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen (KVS) gibt es in Gröditz aktuell vier zugelassene Hausärzte, einen Kinderarzt und einen Frauenarzt. Darüber hinaus sind zwei weitere Hausärzte in einer Nebenbetriebsstätte in Gröditz tätig. Auch für die Fachgebiete Haut- und Geschlechtskrankheiten sowie der Nervenheilkunde gibt es jeweils einen Arzt, der in Gröditz über eine Nebenbetriebsstätte verfügt.

Die Stadt Gröditz gehöre bedarfsplanungsrechtlich für die Arztgruppe der Hausärzte dem Planungsbereich Riesa an. Derzeit sei der Planungsbereich Riesa für zehn Hausarztstellen partiell geöffnet. Das heißt, Hausärzte, die sich hier niederlassen wollen, dürfen das gern tun. Zumal der Landesausschuss der Ärzte und Krankenkassen im Freistaat Sachsen für den Planungsbereich Riesa seit dem 1. Juli 2020 eine drohende Unterversorgung an Hausärzten ausgewiesen hat. Dagegen ist der Planungsbereich Riesa-Großenhain - zu dem Gröditz bedarfsplanungsrechtlich gehört - für Kinderärzte und Frauenärzte aktuell von Zulassungsbeschränkungen betroffen.

Hohes Durchschnittsalter bei Gröditzer Ärzten

Ob 2024 tatsächlich mehrere Hausärzte in Gröditz und Umgebung in Rente gehen, kann KVS-Pressesprecherin Katharina Bachmann-Bux nicht bestätigen. "Diese Absichten haben uns die Ärzte bisher nicht kundgetan", sagt sie. Allerdings ist das Durchschnittsalter der vier Gröditzer Hausärzte mit 57,3 Jahren schon ziemlich hoch.

"Zur Problematik der Nachfolge sehen wir für die Zukunft allgemein einige Probleme in der Nachbesetzung von Arztstellen in den ländlichen Regionen", so die KVS-Sprecherin. "Viele junge Medizinstudenten sehen eine Praxis in einer ländlichen Gemeinde als nicht attraktiv an." Begründet würde dies damit, dass auf dem Land Infrastrukturen für junge Familien vorhanden sein müssen, wie Grund- und weiterführende Oberschulen (Gymnasien), kulturelle Möglichkeiten und gegebenenfalls die beruflichen Perspektiven für das familiäre Umfeld.

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Die Kassenärztlichen Bundesvereinigung nennt aber auch Budgetierung und zunehmende Bürokratisierung als Gründe, warum immer weniger Landärzte einen Nachfolger finden. Die KBV hat errechnet, dass die Nachfrage nach ärztlicher Versorgung bis zum Jahr 2030 moderat ansteigt, das ärztliche Angebot jedoch sinken wird. Besonders betroffen ist dabei die Gruppe der Hausärzte und der sogenannten fachärztlichen Grundversorger.

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