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Gröditzer Eltern: Kinder brauchen Lehrer!

Der Elternrat der hiesigen Oberschule ruft zum Protest gegen die erneute Corona-Schulschließung auf. Die Resonanz fällt allerdings dürftig aus.

Diese Eltern und ihre Kinder nahmen an dem Protest vor der Oberschule Gröditz teil.
Diese Eltern und ihre Kinder nahmen an dem Protest vor der Oberschule Gröditz teil. © Jörg Richter

Gröditz. Alles ist gut vorbereitet. Zwölf Liter Kaffee und Tee sind am Montagmorgen gekocht, um die Eltern, Kinder und Jugendliche bei dem Frost warm zu halten. Mehrere Plakate wurden am Wochenende gemalt und am Montag vorm Eingang der Oberschule "Siegfried Richter" aufgestellt. Auf einem steht: "Kinder brauchen Lehrer und nicht Google, Wikipedia und Co.!"

Die Aktion, die vom hiesigen Elternrat organisiert wurde, richtet sich gegen die neuen Lockdown-Regeln, die der Bundestag und der Bundesrat in der letzten Woche beschlossen haben. Deswegen sind alle Schulen und Kitas im Landkreis Meißen seit Montag geschlossen, weil hier der wöchentliche Inzidenzwert größer als 165 ist. Am Sonntag lag er knapp unter 200.

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Für den Elternrat der Oberschule Gröditz ist klar, dass Eltern und Kinder das nicht ohne Protest hinnehmen sollten. "Wir wollen ein Zeichen setzen, dass wir uns nicht mehr alles gefallen lassen", sagt Anett Schulte vom Elternrat. Er habe extra Werbung im Internet gemacht. Und die Antworten auf Facebook waren auch vielversprechend, dass viele Gröditzer Eltern sich der Protestaktion anschließen würden.

Die Enttäuschung ist groß

Doch die Realität ist eine andere. Nur rund 20 Erwachsene und Kinder haben sich vor der Oberschule eingefunden. Die Enttäuschung bei den Organisatoren ist groß. "Wahrscheinlich haben viele die Hoffnung aufgegeben, dass man etwas bewirken kann", sagt eine Mutter. Und auch Anett Schulte kann die geringe Resonanz nicht nachvollziehen. Dabei gebe es doch gerade im hiesigen Neubauviertel viele Familien, deren Kinder unter den Pandemie-Bestimmungen ganz besonders leiden, sagt sie.

Einer der anwesenden Väter sieht den Grund für die geringe Resonanz darin, dass viele Eltern um diese Zeit auf Arbeit sind und deshalb nicht kommen konnten. Eine Protestaktion um 8 Uhr zu starten, sei nicht für jeden günstig.

Immerhin gesellt sich Schulleiterin Silke Arlt für ein paar Minuten zu den Demonstranten. "Ich habe großes Verständnis für die Eltern und Kinder", sagt sie. Auch Sachsens Kultusminister Piwarz habe sich dafür eingesetzt, dass die Schulen im Freistaat offen bleiben können. Das Dilemma würde beide Seiten betreffen: Eltern und Lehrer.

"Dabei haben wir in den letzten 14 Tagen tapfer getestet", so die Schulleiterin. Von den rund 370 Gröditzer Oberschülern seien nur drei positiv auf das Coronavirus getestet worden. Zudem sei die Impfbereitschaft bei den hiesigen Lehrern sehr hoch. "Sie können es kaum erwarten", sagt Silke Arlt. Leider habe die Lehrerimpfung gerade erst begonnen. Das sei ebenfalls ein Dilemma. Zumal es erst die erste Impfung war und die zweite noch auf sich warten lässt.

Im Stadtteiltreff beaufsichtigt Schulsozialarbeiterin Theres Lunkwitz die Oberschüler Maximilian Riedel (13) aus Wülknitz und Melvin Fiebig (11) aus Gröditz bei ihren Aufgaben für die Schule.
Im Stadtteiltreff beaufsichtigt Schulsozialarbeiterin Theres Lunkwitz die Oberschüler Maximilian Riedel (13) aus Wülknitz und Melvin Fiebig (11) aus Gröditz bei ihren Aufgaben für die Schule. © Jörg Richter

Die Schulleiterin verweist auf ein Hilfsprojekt in unmittelbarer Nachbarschaft der Oberschule. Im Stadtteiltreff, der gemeinsam von der Leuchtpunkt gGmbH aus Frauenhain, dem Riesa Sprungbrett e. V. und der Diakonie Riesa-Großenhain betrieben wird, können Schüler sich Hilfe holen. Schulsozialarbeiterin Theres Lunkwitz betreut Kinder und Jugendliche von Montag bis Freitag von 8 bis 15 Uhr.

Allerdings ist das nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Denn hier dürfen maximal zwei Schüler für etwa anderthalb Stunden ihren täglichen Unterrichtsstoff absolvieren, anstatt ihn allein zuhause zu erledigen. Das seien sechs bis acht Kinder pro Tag, sagt Theres Lunkwitz und ergänzt: "Aber ich bin keine Lehrerin und gebe auch keine Nachhilfe."

Das Angebot des Sprungbrett Riesa e. V. würden sowohl leistungsstarke als auch leistungsschwächere Kinder nutzen. Vorheriges Anmelden sei unbedingt notwendig. Die Termine für diese Woche sind aber bereits ausgebucht.

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Ein generelle Lösung für den derzeitigen Schul-Lockdown sind aber solche vereinsorganisierten Projekte auch nicht. Da müssen Eltern und Schüler die nächsten Wochen durch. Aber ganz ohne Widerspruch wollte es der Gröditzer Elternrat nicht hinnehmen. Zumindest das war die Aktion wert.

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