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Automatenknacker machen über 120.000 Euro Beute

Ermittlungserfolg: Im September drangen Diebe in das Gebäude des Großenhainer Kaufland ein - auf ganz besondere Art. Nun wurde ein Täter verhaftet.

Durch dieses Loch in der Decke haben sich die Täter im September vergangenen Jahres Zutritt zum Vorraum des Kauflands verschafft. Sie hatten es auf den darin befindlichen Geldautomaten abgesehen.
Durch dieses Loch in der Decke haben sich die Täter im September vergangenen Jahres Zutritt zum Vorraum des Kauflands verschafft. Sie hatten es auf den darin befindlichen Geldautomaten abgesehen. © Foto: Thomas Riemer

Großenhain/Dresden. Eines war von Anfang an klar: Die Täter verstehen offenbar etwas von ihrem Handwerk. Immerhin las sich bereits der Bericht, den die Polizeidirektion Dresden im Nachhinein veröffentlicht hatte, ein wenig wie das Drehbuch für einen erfolgreichen Quotenhit. Was allerdings wie eine Mischung aus Egon Olsen und die Panzerknacker anmutete, erwies sich letztlich als keineswegs leicht zu nehmender Fall: In der Nacht vom 5. zum 6. September vergangenen Jahres hatten unbekannte Täter den Geldautomaten im Kaufland an der Riesaer Straße in Großenhain aufgebrochen. Um sich in der Zeit zwischen 0 und 4 Uhr überhaupt zum verschlossenen Eingangsbereich Zutritt verschaffen zu können, kamen sie - tatsächlich wie im bestinszenierten Kinostreifen - von oben.

Tatort Kaufland: Sonst bei den Großenhainern und Bewohnern der Umgebung sehr beliebt, der Einkaufsmarkt auf der Riesaer Straße.
Tatort Kaufland: Sonst bei den Großenhainern und Bewohnern der Umgebung sehr beliebt, der Einkaufsmarkt auf der Riesaer Straße. © Foto: Thomas Riemer

Seit Donnerstagvormittag steht fest, wer so dreist gewesen ist. Wie die Staatsanwaltschaft Dresden erklärte, werde gemeinsam mit der Polizeidirektion der sächsischen Landeshauptstadt gegen einen 47-jährigen Deutschen wegen des Verdachts des schweren Bandendiebstahls ermittelt. Ihm werde zur Last gelegt, sich mit zwei bisher unbekannten Mittätern bereits vor dem 5. September zusammengeschlossen zu haben, um gemeinsam Diebstähle zu begehen, deren Ausbeute den jeweiligen Lebensunterhalt bestreiten sollten.

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Polizeihauptmeisterin Yvonne George watete Mitte September 2020 in die Röder nahe des Großenhainer Kauflands und fand Gegenstände, die auf den Einbruch deuten lassen könnten.
Polizeihauptmeisterin Yvonne George watete Mitte September 2020 in die Röder nahe des Großenhainer Kauflands und fand Gegenstände, die auf den Einbruch deuten lassen könnten. © Foto: Polizei

Laut dem aktuellen Stand der Ermittlungen soll sich der Mann zusammen mit seinen noch zwei unbekannten Komplizen auf das Dach des Großenhainer Kauflands begeben haben. Auf welche Weise, sei gegenwärtig nicht bekannt. Fest stehe indes, dass Löcher in die Dachhaut geflext worden wären und die Täter durch diese in den nicht alarmgesicherten Vorraum des Markts gelangen konnten. Dort angekommen, soll der Beschuldigte gemeinsam mit einem bislang Unbekannten mit einem Trennschleifer die Rückwand des Geldautomaten wiederum aufgeflext und das darin befindliche Bargeld von über 120.000 Euro entwendet haben. Eine satte Ausbeute, für die ein Sachschaden am Automaten in Höhe von circa 24.000 Euro und am Gebäude des Marktes von gut 10.000 Euro in Kauf genommen worden seien.

Auch dieser Winkelschleifer wurde aus dem Großenhainer Fluss gefischt. Ob es einen Zusammenhang zum Einbruch gibt, konnte die Staatsanwaltschaft am Donnerstag nicht bestätigen.
Auch dieser Winkelschleifer wurde aus dem Großenhainer Fluss gefischt. Ob es einen Zusammenhang zum Einbruch gibt, konnte die Staatsanwaltschaft am Donnerstag nicht bestätigen. © Foto: Polizei

Ein spektakulärer Diebstahl, der auch in der Röderstadt für gewaltiges Aufsehen gesorgt hatte. Umso mehr, da gut zehn Tage später zwei Kinder beim Angeln in der Röder einen ganz besonderen Fang machten. Die Kinder im Alter von acht und 13 Jahren hatten an jenem Samstagabend nicht schlecht gestaunt, als statt des kapitalen Fisches das vermeintliche Werkzeug der Automatenknacker ins Netz ging. Ein Schraubendreher und ein Winkelschleifer, der jedoch gegenwärtig laut Staatsanwalt Jürgen Schmidt noch keine Rolle im Ermittlungsverfahren spiele.

Ein Umstand, der sich nach der Festnahme des Beschuldigten möglicherweise ändern könnte. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Dresden habe der Ermittlungsrichter des Amtsgerichts Dresden Haftbefehl gegen den Beschuldigten sowie mehrere Durchsuchungsbeschlüsse für dessen Wohnung und andere Objekte im Bereich Bitterfeld erlassen. Bei den Durchsuchungen, die am Mittwoch stattgefunden hätten, wären größere Mengen Bargeld, hochwertiger Schmuck, eine teure Uhr, ein Audi SQ7, Tatwerkzeuge und eine Schusswaffe mit Munition sichergestellt worden.

Die Polizei stellte im Zusammenhang mit den Ermittlungen um den Einbruch in das Großenhainer Kaufland bei dem verhafteten Beschuldigten auch diesen Audi SQ7 sicher.
Die Polizei stellte im Zusammenhang mit den Ermittlungen um den Einbruch in das Großenhainer Kaufland bei dem verhafteten Beschuldigten auch diesen Audi SQ7 sicher. © Polizei

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Nach der vorläufigen Festnahme des Mannes sei er am Donnerstag dem Ermittlungsrichter beim Amtsgericht Dresden vorgeführt worden, welcher den Vollzug der Untersuchungshaft angeordnet habe. Der Beschuldigte sei bereits erheblich vorbestraft und hätte auch zum Zeitpunkt des Einbruchs in das Großenhainer Kaufland unter Bewährung gestanden. "Die Ermittlungen von Staatsanwaltschaft und Polizei, die natürlich jetzt maßgeblich auf die Identifizierung der beiden noch unbekannten Mittäter gerichtet sind, werden noch einige Zeit in Anspruch nehmen", erklärt Jürgen Schmidt im Gespräch mit saechsische.de.

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