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Handwerker baut DDR-Kletter-Rakete neu

Das Spielgerät war mal ein Geschenk einer Patenbrigade aus dem Rohrwerk Zeithain an den damaligen Kindergarten. Holger Krüger will es nachbauen.

Holger Krüger (hinten) und Martin Huth (vorn) haben in der alten Kletter-Rakete Platz genommen. Auch wenn es nicht so aussieht: Der 1,50 Meter große Sicherheitsabstand wurde eingehalten.
Holger Krüger (hinten) und Martin Huth (vorn) haben in der alten Kletter-Rakete Platz genommen. Auch wenn es nicht so aussieht: Der 1,50 Meter große Sicherheitsabstand wurde eingehalten. © Sebastian Schultz

Zeithain. Vor wenigen Tagen jährte sich der erste Weltraumflug eines Menschen zum 60. Mal. Juri Gagarin, der am 12. April 1961 zu den Sternen flog, war der Held von vielen Kindern, die diesseits des geteilten Deutschlands aufwuchsen. In manchen Kindergärten der ehemaligen DDR standen deshalb auch Klettergerüste, die wie eine Rakete aussahen. Sie waren alle Unikate. Denn einen Einheitsbausatz gab es nicht.

Auch in Zeithain gab es ein solches Spielgerät. Die Rakete steht noch immer an ihrem Fleck, auch wenn hier schon lange keine Kinder mehr spielen. Die Kindergarten-Baracken im Ring der Freundschaft sind seit vielen Jahren verlassen. In dem Viertel, wo einst zahlreiche Rohrwerker mit ihren Familien wohnten, hört man kaum noch Kinderlachen.

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"Früher gab es ganz viele Kinder hier", erinnert ich Martin Huth. Der 67-Jährige gehörte damals zu den rund 30 Rohr- und Reparaturschlossern des Rohrwerks Zeithain. Sie waren die Patenbrigade des hiesigen Kindergartens. Das war ganz praktisch. Denn weil das Wohngebiet für die Rohrwerker-Familien errichtet wurde und mit Fernwärme aus dem nahen Betrieb versorgt wurde, gingen die Schlosser hier ein und aus.

Kindertraum: Kosmonaut

"Damals war Gagarin in aller Munde", erzählt Huth. Fast jeder Junge und bestimmt auch manches Mädchen träumten davon, ein Kosmonaut zu sein. Und so hatten die Zeithainer Rohrwerk-Schlosser 1974 die Idee, ihren Patenkindern eine Kletter-Rakete zu bauen. "Jeder, der von seinem Tageseinsatz zurück in die Werkstatt kam und noch etwas Zeit hatte, arbeitete mit daran", berichtet Huth, der erst ein Jahr zuvor als junger Mann in die Brigade dazustieß.

Er erinnert sich noch daran, wie die fertige Rakete mit einer Dieselameise aus dem Rohrwerk zum Spielplatz des Kindergartens transportiert wurde. Nicht ganz sicher ist er sich jedoch, ob es einen Anlass für das Geschenk gab. "Ich glaube, es war zum Kindertag, am 1. Juni '74", sagt er.

Holger Krüger und Martin Huth stehen vor der alten Kletter-Rakete.
Holger Krüger und Martin Huth stehen vor der alten Kletter-Rakete. © Sebastian Schultz
Die Patenbrigade vom Rohrwerk Zeithain hat sich auf diesem Schild verewigt.
Die Patenbrigade vom Rohrwerk Zeithain hat sich auf diesem Schild verewigt. © Sebastian Schultz
Die Rakete sieht noch immer schnittig aus.
Die Rakete sieht noch immer schnittig aus. © Sebastian Schultz
Das Gelände des ehemaligen Zeithainer Kindergartens si verwaist.
Das Gelände des ehemaligen Zeithainer Kindergartens si verwaist. © Sebastian Schultz
Holger Krüger weiß jetzt schon, dass der Tüv diese Raketenspitze mit den engen Rohrabständen nie und nimmer zulassen wird.
Holger Krüger weiß jetzt schon, dass der Tüv diese Raketenspitze mit den engen Rohrabständen nie und nimmer zulassen wird. © Sebastian Schultz

Huths heutiger Chef Holger Krüger hat sich jetzt der Zeithainer Kletter-Rakete angenommen. Der Handwerksmeister für Zentralheizungs- und Lüftungsbau hat selbst im Rohrwerk gelernt. Der Röderauer hat ein Herz für Kinder und hat bereits auf eigene Kosten einen Bolzplatz neben dem Tennisplatz errichtet. Er kennt das Klettergerüst von seinen Spaziergängen durch die Gemeinde.

"Es ist in die Jahre gekommen und entspricht nicht mehr den Anforderungen vom Tüv", sagt der 61-Jährige. Er will deshalb eine neue Rakete im Maßstab 1:1 nachbauen. Sie ist zehn Meter lang. Vor Kurzem hat er schon mal die Maße abgenommen. Am 20. April will er sich vor Ort mit einem Tüv-Fachmann treffen und über die notwendigen Anforderungen für eine heutiges Spielgerät reden.

Einige Hinweise, was nicht mehr geht, kennt er bereits. Schrauben und Muttern dürfen nicht hervorgucken. Dort könnten sich Kinder mit dem Kopf anstoßen und verletzen. Das Gleiche gilt für Schlitze und kleine Rohrabstände, in denen man sich die Finger einklemmen kann. - Deswegen wurde später, wahrscheinlich nach der Wende, die Raketenspitze mit Platten verkleidet. - Und auch 40 Zentimeter Kiessand gehören unter ein deutsches Spielgerät, damit die Kinder weich landen, wenn sie doch mal runterfallen.

Standort für neue Rakete gesucht

Auf Facebook hat Krüger, der für die FDP im Gemeinderat Zeithain sitzt, sein Vorhaben öffentlich gemacht und lauter positive Resonanz erhalten. Ein Bekannter von ihm, der selbst als Knirps in den Zeithainer Kindergarten ging, habe ihm daraufhin erzählt, dass es eine Mutprobe war, auf die Spitze der Rakete zu klettern. Bloß die Erzieherinnen durften davon nichts mitbekommen.

Wenn der Tüv dem Bau der Rakete zustimmt, soll sie in zwei bis drei Monaten fertig sein. In der Zwischenzeit soll auch ein geeigneter Standort gefunden werden. Vorschläge nimmt Krüger gern entgegen. Krüger: "Es soll ein zentraler Platz sein, damit viele Kinder etwas davon haben."

  • Liebe SZ-Leser! In welchen Kindergärten und auf welchen Spielplätzen gab es denn früher auch eine Kletter-Rakete? Vielleicht haben Sie ja auch noch ein Foto davon. Bitte melden Sie sich unter der Telefonnummer 03525-72415716 oder schreiben an die E-Mail-Adresse [email protected]

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