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Heidehonig beim Handwerkstag

Imker Thomas Hahn kommt zum Schautag am Wochenende in Diesbar-Seußlitz – und bringt etwas mit, das seine Bienen zuletzt drei Jahre lang nicht produziert haben.

Von Eric Weser
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Mit Haube Hygienejacke: Hobbyimker Thomas Hahn ist beim Umgang mit seinem Bienenhonig sorgsam. Hier rührt der 57-Jährige einen Honig, der später noch in Gläser verfüllt wird.
Mit Haube Hygienejacke: Hobbyimker Thomas Hahn ist beim Umgang mit seinem Bienenhonig sorgsam. Hier rührt der 57-Jährige einen Honig, der später noch in Gläser verfüllt wird. © Eric Weser

Region. Thomas Hahn lässt die laute Bohrmaschine für einen Moment verstummen. "Der Honig muss gerührt werden. Wenn er dann cremig ist, muss ich ihn auch gleich abfüllen. Sonst wird er fest", sagt der 57-Jährige. Dann setzt er den Rührstab wieder in Gang. "Da muss man schon hinterher sein." Und das ist der Hobbyimker. Zig Kisten um ihn herum, voll mit befüllte Honiggläsern, zeugen davon.

Es ist Dienstagabend und draußen vor der Honigmanufaktur im Mühlberger Ortsteil Gaitzsch geht gerade die Sonne unter. Für Thomas Hahn, der schon einen Arbeitstag beim Rettungsdienst in Riesa hinter sich hat, ist das Tagwerk aber noch nicht getan. Neben dem Honigrühren wollen noch Dutzende Honiggläser etikettiert werden. Einzeln und von Hand natürlich. Die letzten Arbeitsschritte, damit der Honig in den Verkauf gehen kann.

Erzeugt haben ihn Thomas Hahns zehn Bienenvölker, die alle in Bienenstöcken auf dem Grundstück in Gaitzsch zu Hause sind. Von dort aus schwärmen sie den ganzen Sommer über in die Umgebung aus, um Pollen und Nektar zu sammeln. Wenn es gut komme, lasse sich pro Volk bis zu 60 Kilogramm Honig ernten, sagt Thomas Hahn, der mit dem Honigertrag in diesem Jahr recht zufrieden ist.

Raps-, Akazien- und Lindenhonig haben seine Insekten in diesem Jahr unter anderem produziert. Und, wie der Hobbyimker erzählt, zum ersten Mal seit drei Jahren auch wieder Heidehonig – aus der gut vier Kilometer entfernten Gohrischheide. Der hebt sich besonders durch seine dunkle Farbe von den anderen Sorten ab und schmeckt zwar honigtypisch süß, aber auch ein bisschen herb. Und etwas teurer ist er. Statt wie die anderen Sorten kosten 500 Gramm nicht fünf, sondern neun Euro.

Dass es den Heidehonig bei ihm in den vergangenen Jahren nicht gab, macht Thomas Hahn an der Trockenheit fest. Um den Nektar zu bilden, aus dem die Bienen später Honig machen, bräuchten die Pflanzen eine gewisse Feuchtigkeit. Fehle die, könnten die Insekten nichts ernten – und auch keinen entsprechenden Honig erzeugen.

Honig erzeugen Thomas Hahns Bienen derzeit nicht mehr, für sie steht die Überwinterung bevor. Nach dem Sommer war kürzlich die obligatorische Anti-Milben-Behandlung durch den Imker dran: Der Varroamilben-Bestand musste dezimiert werden. Thomas Hahn setzt dabei auf 60-prozentige Ameisensäure, die er mit einem Verdampfer in die Bienenstöcke einbringt. "Die ist das geringste Übel", sagt der 2008 über einen Arbeitskollegen zum Imkern gekommene Kreinitzer und zieht eine Platte unter einem Bienenstock heraus, auf der Hunderte der abgetöteten, je bis zu anderthalb Millimeter großen Parasiten liegen.

Dinge, die Thomas Hahn auf dem ein Hektar großen Gelände in Gaitzsch normalerweise auch gern Kitagruppen, Schulklassen oder auch interessierten Erwachsenen zeigt. In den vergangenen zwei Jahren hat Hahn in seiner Honigmanufaktur und dem angeschlossenen Garten mit Bienenlehrpfad aber keine Besucher empfangen. Wegen der Corona-Pandemie.

Nächstes Jahr, hofft der verheiratete Vater von drei erwachsenen Kindern, ist die Pandemie so weit vorbei, dass in Gaitzsch ein kleines Jubiläum gefeiert werden kann. Denn 2022 ist es zehn Jahre her, dass in dem kleinen Mühlberger Ortsteil, wenige Meter neben dem Elbdeich, die Schauimkerei mit Bienenlehrpfad entstanden ist, auf deren Gelände es auch eine Ferienwohnung gibt, die von Familie Hahn betrieben und vor allem von Elbradweg-Radlern genutzt wird.

Der Eingang zum Haus des Gastes in Diesbar-Seußlitz.
Der Eingang zum Haus des Gastes in Diesbar-Seußlitz. © KD BRUEHL

Jetzt steht für Thomas Hahn erst einmal ein anderer Termin an: Am Wochenende ist der Hobbyimker beim Schautag im Haus des Gastes in Diesbar-Seußlitz dabei. Dort gibt es Bienenhonig verschiedener Sorten aus seiner Herstellung zu kaufen. Besucher können außerdem Kerzen aus Bienenwachs herstellen. Honig zum Verkosten wird es in Seußlitz allerdings nicht geben, aus Hygienegründen. Und auch eine Vorführung, wie Honig aus den Waben geholt oder geschleudert wird, ist nicht vorgesehen. "Das ist aufwendig und auch nicht besonders hygienisch", sagt Thomas Hahn – der allerdings jeden dazu einlädt, in Gaitzsch vorbeizukommen. Denn dort könne man nicht nur sehen, wie Honig erzeugt wird, sondern auch dabei auch selbst mal Hand anlegen.

  • Der Schautag findet am Sonntag, 24. Oktober, von 13 bis 17 Uhr im Haus des Gastes, An der Weinstraße 1 A, in 01612 Nünchritz OT Diesbar-Seußlitz, statt. Neben der Imkerei gibt es Klöppelei, Patchwork, Keramikgestaltung sowie Papiergestaltungen verschiedener Art zu sehen. Eintritt frei. Es gilt die 3G-Regel und Kontakterfassung.
  • Kontakt zur Imkerei