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Ideensuche vor der Stadiontribüne

Das Ernst-Grube-Stadion in Riesa steht seit einiger Zeit leer. Im Dialog mit Bürgern versucht die Stadt, neue Lösungen für die Brache zu entwickeln.

Zwischenstation Stadiontribüne: Die Konstruktion war schon zu DDR-Zeiten ganz besonders. Heute ist sie allerdings gesperrt - und eine Sanierung finanziell nicht zu stemmen.
Zwischenstation Stadiontribüne: Die Konstruktion war schon zu DDR-Zeiten ganz besonders. Heute ist sie allerdings gesperrt - und eine Sanierung finanziell nicht zu stemmen. © Sebastian Schultz

Riesa. Die Erinnerungen kommen unweigerlich hoch, als Wolfgang Scharf aus dem Spielertunnel ins Freie tritt. In den 70er-Jahren hütete Scharf im Ernst-Grube-Stadion das Tor für die BSG Stahl Riesa. Jetzt erzählt er vom Training mit Medizinbällen und dem besonderen Blick, den man als Zuschauer von der Tribünenkonstruktion aus hatte.

Das ist schon eine Weile her. Seit 2003 finden keine Spiele mehr im Ernst-Grube-Stadion statt, 2019 endete auch die Nutzung als Trainingsstätte. Wo früher Wolfgang Scharf und seine Mitspieler ihre Oberliga-Spiele bestritten, wuchert heute das Gras. Für das Bürgertreffen am Freitagnachmittag hat die Stadtverwaltung extra den Rasenmäher anrücken lassen - und zumindest einen breiten Streifen von den Kassenhäuschen zur Tribüne gestutzt.

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Gemeinsam mit den Bürgern will die Stadt das geschichtsträchtige Gelände neu beleben. Die kleine Bürgerversammlung dient der Ideensuche. Angekündigt war die Aktion schon länger, doch Corona hatte eine frühere Umsetzung verhindert. Nachdem die Infektionszahlen auch im Landkreis Meißen zuletzt zurückgegangen waren, mussten die rund 30 Teilnehmer zumindest nur in zwei Gruppen aufgeteilt werden.

Blick in den Spielertunnel. Vor der Ideenrunde gab es noch einen Rundgang und einen historischen Abriss zum Stadion.
Blick in den Spielertunnel. Vor der Ideenrunde gab es noch einen Rundgang und einen historischen Abriss zum Stadion. © Sebastian Schultz
Seit 2019 findet auch kein Trainingsbetrieb mehr in der Spielstätte statt. Die Natur erobert sich das Areal langsam zurück.
Seit 2019 findet auch kein Trainingsbetrieb mehr in der Spielstätte statt. Die Natur erobert sich das Areal langsam zurück. © Sebastian Schultz
Bauamtsleiterin Ina Nicolai (r:) erklärt den Teilnehmern, wie es um die Tribüne steht.
Bauamtsleiterin Ina Nicolai (r:) erklärt den Teilnehmern, wie es um die Tribüne steht. © Sebastian Schultz
Spielplatz, Häuser - oder etwas ganz anderes? Nach dem Rundgang sollten die Bürger ihre Ideen aufschreiben.
Spielplatz, Häuser - oder etwas ganz anderes? Nach dem Rundgang sollten die Bürger ihre Ideen aufschreiben. © Sebastian Schultz

Die meisten von ihnen sind oder waren eingefleischte Fußballfans. Am Eingang wird miteinander gefachsimpelt, werden Anekdoten aus der Zeit erzählt, als der Verein DDR-Oberligist war und damit erstklassig. Einer wird später beim Anblick der Tribüne erzählen, dass er noch heute seine Sitzplatznummer kennt.

Zuschauer auf der Tribüne, das wäre heute allerdings undenkbar, erklärt Ina Nicolai. Die Leiterin des Stadtbauamts kann verstehen, dass Fußballfans die freitragende Konstruktion wertschätzen. "Aber sie hat uns viele Schwierigkeiten bereitet." 2003 hatte eine statische Überprüfung ergeben, dass die einst für 700 Zuschauer ausgelegte Tribüne diese Last nicht mehr aushalten würde. Von selbst einstürzen wird sie zwar nicht so leicht, aber betreten werden darf sie bestenfalls einzeln. Auch eine Sanierung sei ohne Weiteres nicht mehr vornehmbar. Es würde wohl einen Millionenbetrag verschlingen, das Stadion wieder für den Spielbetrieb nutzbar zu machen.

Das sieht offenbar auch jeder Teilnehmer der Runde so, egal wie fußballbegeistert er oder sie auch sein mag. Einer von ihnen regt dann auch direkt an, die Fläche für Kinder und Jugendliche nutzbar zu machen. "Ich bin dafür, das Gelände aufzuteilen und verschiedene Spielmöglichkeiten zu schaffen: eine BMX-Bahn, ein Volleyballfeld, vielleicht ein kleineres Fußballfeld." Einen solchen Freizeitpark könne er sich vorstellen - am besten einen, der nachts auch zugeschlossen ist. "Das wäre im Sinne der benachbarten Wohnbebauung und auch uns wichtig", sagt die Bauamtsleiterin. In den vergangenen Jahren habe die Stadt schon ihre Erfahrungen mit Vandalismus gesammelt, gerade auf eher abgelegenen Flächen.

Ob ein Zaun Randalierer abschreckt? Uwe Hübner, ehemaliger Chef der Freizeitinsel, hat da seine Zweifel. Er plädiert dafür, das Grundstück zu teilen: vorn Einfamilienhäuser, die Hälfte Richtung Bahnhof dann mit einem Spielpark, der sein Angebot auch öfter einmal verändert. Überhaupt scheinen die meisten Teilnehmer die Nutzung als Freizeitfläche zu befürworten. So auch ein Senior, der einst selbst unter der Tribüne die Oberligaspiele verfolgt hat. Es sei nun mal unrealistisch, dass im Stadion je wieder gespielt wird. "Den Rundgang fanden wir aber sehr schön", sagt seine Begleiterin. Einen Park oder eine Fläche für Outdoor-Sport könnten sie sich vorstellen, sagen beide.

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Ihre Ideen für die Brache konnten sie und die übrigen Teilnehmer schließlich am Ende der Runde zu Papier bringen. Damit war nicht jeder zufrieden. Stahl-Riesa-Vorstand Dominic Neitzsch sagte im Nachgang, er hätte sich einen direkten Austausch mit den anderen Teilnehmern gewünscht. "Natürlich hat jeder seine Ideen, trotzdem ist es interessant, andere Standpunkte zu hören." Was genau die Treffen zutage gefördert haben, soll bis nach der Sommerpause ausgewertet werden, so die Stadtverwaltung. Außerdem sei es gut möglich, dass es auch noch ein weiteres Bürgertreffen am Stadion gibt.

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