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Wie weiter auf der Riesaer Widmann-Fläche?

Zuletzt gab es viel Gegenwind für den geplanten Edeka. Nun soll das Thema noch einmal neu besprochen werden.

Von Stefan Lehmann
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Wann fällt eine Entscheidung für den neuen Edeka? Zuletzt wurde die Aufstellung des B-Plans noch einmal verschoben.
Wann fällt eine Entscheidung für den neuen Edeka? Zuletzt wurde die Aufstellung des B-Plans noch einmal verschoben. © Klaus-Dieter Brühl

Riesa. Entscheidung vertagt: Anders als erwartet, hat der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung nicht den nächsten Schritt zur Entwicklung der Widmann-Fläche an der Pausitzer Straße getätigt. Der Satzungsbeschluss zum Bebauungsplan wurde nicht gefasst. Stattdessen sollen die Pläne, dort einen Edeka-Markt zu errichten, noch einmal unter die Lupe genommen werden.

Im Vorfeld war - zusätzlich zu den Bedenken der benachbarten Anwohner - scharfe Kritik von Kaufland bekannt geworden. Das Handelsunternehmen befürchtete deutliche Verluste an seinem Standort in der Elbgalerie - und stützte sich dabei auf ein Gutachten, das es selbst beauftragt hatte. Die Prognose darin widerspricht einem von der Stadt vorgelegten Gutachten: Statt sieben Prozent Umsatzverlust geht Kaufland von 14 Prozent aus.

Stadträte wollen beide Gutachter anhören

Wegen dieser Diskrepanz wollten sich die Stadträte mehr Zeit für ihre Entscheidung nehmen, heißt es aus dem Rathaus. "Die Absetzung erfolgte nicht wegen Zahl oder Inhalt der Einwendungen, die waren ja bekannt und in der Sitzung abzuwägen", so Stadtsprecher Uwe Päsler. "Daran wird sich ja auch nichts ändern, wenn man es vertagt. Vielmehr wollen sich die Stadträte noch ein klareres Bild über die Auswirkungen dieser Ansiedlung auf die Händlerlandschaft der Hauptstraße machen."

Dabei sollen auch die beiden Gutachter noch einmal im Bauausschuss befragt werden, so Uwe Päsler. Oder, wie es CDU-Fraktionschef Helmut Jähnel formuliert: Man werde beide Gutachten nebeneinanderlegen und noch einmal intensiv prüfen. Beide seien jeweils "freundlich" im Sinne des Auftraggebers ausgefallen, sagt er. Jähnel gibt sich allerdings zuversichtlich, dass der neue Markt in der Innenstadt kommen wird - und Kaufland deshalb nicht gleich schließen muss.

Gunnar Hoffmann (Gemeinsam für Riesa) argumentiert ähnlich optimistisch. Vier bis acht Wochen mehr machten das Kraut bei so einem Bauvorhaben auch nicht fett. Man sehe aber Widersprüche, sowohl zwischen den beiden aktuellen, als auch zu einem älteren Gutachten. „Die Unsicherheit ist recht groß, auch bei den anderen Fraktionen.“ Es sei besser, sich jetzt noch einmal Zeit zu nehmen und genau hinzuschauen.

Linke will Real-Entscheidung abwarten

Offene Fragen sieht man auch in der Linke-Fraktion. "Ich fände es nicht förderlich, das Thema schon im Dezember wieder auf die Tagesordnung zu setzen", sagt die Vorsitzende Uta Knebel - und verweist auf die offene Zukunft des Real-Marktes im Riesapark. Mit diesem Standort entscheide sich, wie gut die Stadt eigentlich versorgt ist. Spätestens im Sommer 2022 dürfte es bezüglich Real eine Entscheidung geben.

Daneben fehlen aus Sicht der Linke-Chefin noch einige wichtige Stellungnahmen: Weder der HGV, noch die Werbegemeinschaft Innenstadt (WIR) hätten sich bisher geäußert. "Ehe uns die Stellungnahmen nicht vorliegen, können wir dem Edeka nicht zustimmen."

HGV-Vorstand Kurt Hähnichen teilt auf Nachfrage mit, er sei von der deutlichen Kritik überrascht gewesen. Anfängliche Bedenken, das geplante Dienstleistungszentrum auf der Fläche könne die Innenstadt-Händler Kundschaft kosten, seien früh ausgeräumt worden - weil der Markt noch einmal umgeplant worden sei: Weder der Aldi nebenan, noch die Dienstleister, spielten in den neuen Plänen noch eine Rolle. Auch die Konflikte mit den Anwohnern glaubte er ausgeräumt, nachdem die Planer einen Schritt auf die Bürgerinitiative zugemacht hatten. Doch nach wie vor sind die Anwohner offensichtlich skeptisch, was beispielsweise die Lärmentwicklung angeht.

Riesaer sind zwiegespalten

Auch abseits des Stadtrats wird das Thema durchaus kontrovers diskutiert. Das Verhältnis zwischen Gegnern und Befürwortern scheint zumindest auf Facebook recht ausgeglichen. Eine Leserin kritisiert, dass auf die Fläche ein Lebensmittelgeschäft gebaut wurde. "Das Gelände ist so schön groß, das wäre für Kinder und Jugendliche toll gewesen!" Eine andere schreibt bei Facebook, sie frage sich, "wozu wir noch einen Einkaufsmarkt brauchen. Ist jetzt schon zu viel für eine Stadt dieser Größe".

Andere heben dagegen hervor, sie würden sich einen Edeka in der Stadt wünschen. Bislang gibt es keinen Vollversorger des Händlers in Riesa, vor allem die Frischeprodukte und die größere Vielfalt durch einen weiteren Markt heben sie hervor. Ein Kommentator bringt es so auf den Punkt: "Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft." Andere monieren dagegen, der Anfahrtsweg zum neuen Markt sei ungünstig.

Für die Projektgesellschaft, die den Edeka-Markt errichten will, kam die Entscheidung im Stadtrat nicht überraschend. Laut Rathaussprecher Uwe Päsler sei das Vorgehen im Vorfeld der Sitzung abgesprochen gewesen. Ob der Edeka-Markt schon im Dezember erneut auf der Tagesordnung des Stadtrats landet, ist offen. Es sei aber das Ziel.