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Impfzentrum geht nach acht Monaten außer Betrieb

Nach knapp 150.000 Impfungen ist Schluss in der Riesaer Sachsenarena – aus der das DRK binnen Stunden ausziehen will.

Freitag vorige Woche standen die Impfstrecken in der Sachsenarena noch. Sie sollen nach dem Betriebsende des Impfzentrums schnell verschwinden.
Freitag vorige Woche standen die Impfstrecken in der Sachsenarena noch. Sie sollen nach dem Betriebsende des Impfzentrums schnell verschwinden. © Eric Weser

Riesa. Was war das für ein Gewusel: Als am 11. Januar dieses Jahres die 13 sächsischen Impfzentren offiziell an den Start gingen, war in der Riesaer Sachsenarena einiges los: Sachsens Sozialministerin Petra Köpping (SPD) hatte sich zum Auftakt im zuvor eingerichteten Impfzentrum für den Landkreis Meißen angesagt. Sie wollte bewusst Präsenz abseits der Großstädte zeigen.

Etliche Journalisten aus dem ganzen Freistaat waren deshalb nach Riesa gekommen – so viele, dass mancher im Gedränge um die besten Kamera- und Mikrofonpositionen extra noch einmal an Abstandsregeln erinnert werden mussten.

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Großer Rummel zum Auftakt: Mitte Januar war das in den Wochen zuvor eingerichtete Impfzentrum an den Start gegangen. Auch Sachsens Sozialministerin Petra Köpping (SPD) war dafür nach Riesa gereist.
Großer Rummel zum Auftakt: Mitte Januar war das in den Wochen zuvor eingerichtete Impfzentrum an den Start gegangen. Auch Sachsens Sozialministerin Petra Köpping (SPD) war dafür nach Riesa gereist. © Archivfoto: Klaus-Dieter Brühl

Fast auf den Tag genau acht Monate später, geht das Impfzentrum in Riesa als erstes in Sachsen außer Betrieb. Einen Ministerinbesuch samt Medienrummel gibt es diesmal nicht. Eher leise verabschiedet sich, die vom Deutschen Roten Kreuz betriebene Einrichtung. Für die Sächsische Zeitung dennoch Anlass genug, noch einmal auf die vergangenen 35 Wochen dort zurückzuschauen.

Für das DRK als Betreiber war es im Rückblick alles in allem eine Zeit ohne unschöne Randereignisse. Man sei sehr dankbar, „dass der Impfbetrieb in Riesa geräuschlos und ohne Zwischenfälle durchgeführt werden konnte“, teilt der Landesverband auf Nachfrage mit.

Gleichwohl: Dass es Zeiten gab, in denen ein „Kampf um einen Impftermin“ stattfand, verhehlt auch das DRK nicht. Im Mai beispielsweise hatte der Riesaer Kreisverband noch vor falschen Impfversprechen gewarnt und appelliert, dass Menschen nicht auf „gut Glück“ an die Arena kommen, um abends vermeintlich übrig gebliebenen Impfstoff zu erhalten. Das war seinerzeit mehrfach vorgekommen.

Zeitweise hatten Impfwillige vor Riesas Sachsenarena Schlange gestanden. Das hatte auch für Kritik gesorgt, da die Termine zuvor per Buchungssystem vergeben worden waren.
Zeitweise hatten Impfwillige vor Riesas Sachsenarena Schlange gestanden. Das hatte auch für Kritik gesorgt, da die Termine zuvor per Buchungssystem vergeben worden waren. © Archivfoto: Marco Klingner

Dies sei noch die Zeit akuten Impfstoffmangels gewesen, so der DRK-Landesverband. Erst ab 7. Juni habe Impfwilligen ohne Priorisierung ein Impfangebot gemacht werden können. Die Nachfrage sei in dieser Phase sehr groß gewesen – die Zahl der verfügbaren Termine aber nicht. Wegen vieler Buchungsanfragen seien Hotline und Serverkapazität damals nicht selten an ihre Belastungsgrenzen gekommen.

Entspannung sei erst gegen Ende Juli und dann ab 2. Juli eingetreten, als es möglich geworden sei, Impfungen ohne Termin in allen sächsischen Impfzentren anzubieten. Ein Phänomen, das laut DRK dann eingetreten sei: Die Nachfrage nach Impfungen ließ massiv nach. Für die Impfkampagne habe das ein Umsteuern bedeutet: von der Impfstoff-Mangelverwaltung hin zum flexiblen Impfangebot für alle. Mit mobilen Aktionen ins direkte Lebensumfeld der Menschen, nah in ihren Alltag kommen: „Das war und ist eine gute Möglichkeit, die Impfbereitschaft zu erhöhen“, ist man beim DRK überzeugt.

Auch im Impfzentrum machte sich das Auf und Ab bemerkbar: Waren zu Spitzenzeiten bis zu vier Impfstrecken in Betrieb, in denen zeitweise fast 1.400 Menschen an einem Tag geimpft wurden, wurden mit abnehmender Nachfrage nur noch zwei Strecken genutzt.

Inklusive der mobilen Teams, die zum Beispiel in Senioreneinrichtungen impften, wurden laut DRK im Riesaer Impfzentrum bis 8. September 149.705 Impfungen verabreicht. Mehr als 107.000 davon mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer. Fast 30.000-mal kam das Vakzin von Moderna zur Anwendung. Fast 12.000-mal das von Astrazeneca. Der erst spät zugelassene Impfstoff von Johnson und Johnson wurde mehr als 800-mal geimpft.In Betrieb ist das Impfzentrum bis zum Sonntag geblieben. Laut DRK war die letzte Impfung für 17.30 Uhr zu erwarten, 18 Uhr soll dann planmäßig Schluss sein.

Danach soll es rasant gehen: Binnen eines Tages soll der Abbau des Impfzentrums in der Halle abgeschlossen sein. Den Abbau der Wände übernimmt nach SZ-Informationen beispielsweise eine Messebaufirma. Die Übergabe der Arena an deren Betreiber, die Riesaer FVG, soll laut DRK planmäßig am Montag gegen 17 Uhr erfolgen. „Somit können die Vorbereitungen für das Roland Kaiser Konzert am 17. September ebenso planmäßig beginnen.“

Monatelang wies der große Aufsteller vor der Sachsenarena auf deren Nutzung als Impfzentrum hin. Tagsüber zählten Sicherheitsleute in orangenen Westen zum Bild. Das ist nun Geschichte.
Monatelang wies der große Aufsteller vor der Sachsenarena auf deren Nutzung als Impfzentrum hin. Tagsüber zählten Sicherheitsleute in orangenen Westen zum Bild. Das ist nun Geschichte. © Eric Weser

Zuletzt waren laut DRK noch 32 Mitarbeiter im rollenden Schichtsystem im Impfzentrum beschäftigt. Was aus ihnen und den anderen Beschäftigten wird, die zum Teil extra eingestellt worden waren? Wer bereits zuvor anderweitig beim DRK beschäftigt war, kehre in seinen ursprünglichen Aufgabenbereich zurück, so der Landesverband. „Alle anderen Mitarbeitenden hatten bis zum Ende des Impfeinsatzes im Impfzentrum befristete Verträge, die dann planmäßig auslaufen.“

Für die Riesaer Arena geht damit die Zeit als größte Arztpraxis im Kreis zu Ende.

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