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"Wir haben Wort gehalten"

Der Gröditzer Bürgermeister Jochen Reinicke spricht über Investitionen auf dem Land, aktuelle Vorhaben in der Stadt und sein letztes halbes Jahr als Rathauschef.

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Der Gröditzer Bürgermeister Jochen Reinicke blickt auf ein erfolgreiches Jahr zurück.
Der Gröditzer Bürgermeister Jochen Reinicke blickt auf ein erfolgreiches Jahr zurück. © LKW

Gröditz. Der Blick in den Stadthaushalt verrät, dass Gröditz in den zurückliegenden zwölf Monaten viel Geld investiert hat. Die Reserven sind etwa um die Hälfte geschrumpft. Doch das hat sich gelohnt, wie der Gröditzer Bürgermeister Jochen Reinicke (parteilos) im Interview bestätigt.

Herr Reinicke, in diesem Jahr sind in Gröditz einige Großvorhaben angeschoben und vollendet worden. Wie fällt Ihr Fazit für 2021 aus?

2021 ist unter den gegebenen Bedingungen ein sehr erfolgreiches Jahr für uns gewesen. Das kann man schon sagen. Wir haben das Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr Nauwalde einweihen können und auch der Bau der Zweifeld-Sporthalle Gröditz geht wie geplant voran. Wir haben da im Vorfeld vieles gut durchdacht und hatten wahrscheinlich auch etwas Glück, dass Corona uns die Planung nicht durcheinander gebracht hat.

Wie ist der gegenwärtige Stand beim Bau der Turnhalle?

Wir sind mitten im Innenausbau. Die Fliesenleger sind da, ebenso die Fußbodenleger und die Tischler. Die Heizanlagen funktionieren so weit. Für den Januar sind dann die Bohrungen für die Erdwärmeanlage vorgesehen. Dafür werden bis zu 50 Meter tiefe Löcher gebohrt.

Wann soll die neue Sporthalle eingeweiht werden?

Die offizielle Einweihung ist für den 22. Juni vorgesehen. Das wird gleichzeitig auch der jährliche Bürgermeisterempfang sein. Wir wollen das miteinander verbinden, damit wir nicht zwei Veranstaltungen durchführen müssen. Fertiggestellt werden soll die Turnhalle aber schon am 31. März.

Warum soll sie erst drei Monate später eröffnet werden?

Wir lassen uns eine zeitliche Reserve, gerade für die Außenanlagen. Die Bauarbeiter sind zwar jetzt schon dabei, aber man weiß ja nie, wie das Wetter im Winter wird. Zudem überlegen wir gerade, im Mai schon mal kleinere Sportveranstaltungen zum Testen zu machen. Aber das müssen wir erst mal sehen.

Ein großer Erfolg in diesem Jahr war die Einweihung des Nauwalder Gerätehauses, wie Sie schon gesagt haben. Damit hat die Stadt Gröditz auch ein Versprechen eingelöst.

Ja, wir haben damals, als Nauwalde, Nieska, Spansberg und Schweinfurth zu uns kamen, gesagt, dass wir uns um sie kümmern. Seit wir zusammen sind, gibt es vom Land auch mehr Schlüsselzuweisungen. Dieses Geld haben wir dort komplett verbaut. Wir haben also Wort gehalten.

Jochen Reinicke übergibt den symbolischen, gläsernen Schlüssel an den Nauwalder Ortswehrleiter Philip Wendt und seine Kameraden.
Jochen Reinicke übergibt den symbolischen, gläsernen Schlüssel an den Nauwalder Ortswehrleiter Philip Wendt und seine Kameraden. © Ingo Nestler / KBM Meißen

Sind denn dadurch die Kritiker verstummt?

Kritiker verstummen nie.

Anders gefragt: Ist nach dem Neubau des Nauwalder Gerätehauses jetzt erst mal Schluss mit Investitionen in den Dörfern?

In den Dörfern ist überall etwas gemacht worden. Es gibt noch ein paar offene Dinge. Das betrifft Straßen in Schweinfurth und Spansberg. Aber gerade in Nauwalde ist seit 2015 viel passiert. Neue Straßen, ein neues Gasnetz, Abwasser und Trinkwasser. Die Nauwalder haben praktisch ein neues Dorf.

In diesem Jahr ist auch die Sanierung bzw. der Umbau der Oberschule Gröditz angeschoben worden. Wie ist da der Stand?

Wir lassen zurzeit eine Studie erarbeiten, um entscheiden zu können, ob es eine Sanierung oder ein Neubau an einem anderen oder am gleichen Standort wird. Dabei spielen die Kosten genauso eine Rolle wie die Einheit von pädagogischem Konzept und Architektur. Das wird in Zukunft immer wichtiger. Und das ist auch richtig so. Denn durch die Umstellung vom herkömmlichen Unterricht auf die Digitalisierung gibt es ganz andere Ansprüche.

Es ist zu untersuchen, ob dafür der Umbau des DDR-Plattenbaus ausreicht oder ein Neubau sinnvoller wäre. Die Studie dauert ein halbes Jahr. Sie wird die Grundlage für die Diskussion im Stadtrat sein. Er soll im Juli oder August einen Grundsatzbeschluss fassen, wie es mit dem Schulstandort Gröditz weitergeht.

Sie sind noch ein halbes Jahr Bürgermeister von Gröditz. Was wollen Sie in Ihrer verbleibenden Amtszeit noch anschieben?

Ich möchte das letzte halbe Jahr dafür nutzen, weiter für die Stahlregion zu werben und dass sich die Gemeinden weiter Gedanken machen, ihre Zukunft gemeinsam zu gestalten. Das ist ein ganz wichtiges Thema. Denn ich bin der Auffassung, dass sich die Gemeinden nur durch kommunales Wachstum weiterentwickeln können, um die Aufgaben der Zukunft bewältigen zu können. Wir werden das nicht schaffen, wenn jeder seins weitermacht wie bisher. Die Kommunen können als Einheit viel stärker auftreten. Und was die Personaldecke der Gemeinden betrifft, sie wird ja auch immer dünner. In den nächsten Jahren wird es immer schwieriger, genügend qualifizierte Leute zu finden und sie auch bezahlen zu können.

Mit Ihnen gehen auch die Bürgermeister Hannes Clauß in Wülknitz und Lothar Herklotz in der Röderaue in den Ruhestand. Die Zeit ist eigentlich günstig für eine Fusion, oder?

Die Zeit ist immer günstig. Man hätte es auch eher machen können.

Wie kann man die Nachbargemeinden davon überzeugen?

Überzeugen ist nicht das richtige Mittel. Die Gemeinden müssen von sich aus zu der Erkenntnis gelangen, dass die Zeit zum Zusammenschluss reif ist. Die Rahmenbedingungen sind vorhanden. Die Zukunft liegt in der Gemeinsamkeit und nicht in der individuellen Betreuung der eigenen Gemeinde. Wir wissen nicht, wie sich die Röderaue und Wülknitz in den nächsten Monaten entscheiden. Zeithain und Nünchritz haben ja erst in diesem Jahr neue Bürgermeister gewählt. Das müssen jetzt die jüngeren Generationen unter sich ausmachen. Sie sind ja für die Gemeinschaft. Mal gucken. Es wird interessant.

  • Das Gespräch führte Jörg Richter.