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"Ich wollte mich persönlich verabschieden"

Zeithains scheidender Bürgermeister Ralf Hänsel besucht noch mal alle Mitarbeiter der Gemeinde. Am Freitag gibt er die Rathausschlüssel ab.

Von Jörg Richter
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Ralf Hänsel hat am Donnerstag das Zeithainer Rathaus mit Geschenken seiner Mitarbeiter verlassen. Dazu gehört auch eine junge Birke (links) aus dem Alten Lager.
Ralf Hänsel hat am Donnerstag das Zeithainer Rathaus mit Geschenken seiner Mitarbeiter verlassen. Dazu gehört auch eine junge Birke (links) aus dem Alten Lager. © Sebastian Schultz

Zeithain. Die Umzugskisten sind schon längst verstaut, das Büro aufgeräumt. Am Freitag ist Ralf Hänsels letzter Arbeitstag im Zeithainer Rathaus, bevor er am Montag seinen neuen Posten als Meißner Landrat antritt. Die SZ sprach mit ihm.

Herr Hänsel, wie sieht ihr letzter Arbeitstag im Zeithainer Rathaus aus?

Relativ kurz und knapp. Früh kommen Ihre Kollegen von Riesa TV, mit denen ich mich aus ähnlichen Gründen wie jetzt mit Ihnen unterhalte, weil es mein letzter Tag als Bürgermeister ist. Danach muss ich noch mal nach Meißen. Und dann bin ich zu Hause.

Wie wir erfahren haben, waren Sie am Donnerstagvormittag noch mal mit Ihren Zeithainer Amtsleitern unterwegs. War das Ihr letzter gemeinsamer Rundgang durch die Gemeinde?

Nein, das hatte nichts mit meinem Weggang zu tun. Alle drei Amtsleiter und ich legen jedes Jahr privat Geld zusammen und kaufen für alle Kitas, für den Bauhof und das Rathaus Stollen, Sekt und Kaffee, um uns für das Engagement im vergangenen Jahr zu bedanken und alles Gute für das kommende Jahr zu wünschen. Das machen wir schon seit vielen Jahren so, sind aber diesmal wegen Corona nur zu zweit gefahren. Außerdem haben wir es ein paar Wochen vorgezogen, weil es mir es Bedürfnis war, mich von allen noch mal persönlich zu verabschieden.

Die Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung Zeithain überraschten ihren Noch-Chef und wünschten ihm alles Gute als neuer Meißner Landrat.
Die Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung Zeithain überraschten ihren Noch-Chef und wünschten ihm alles Gute als neuer Meißner Landrat. © Sebastian Schultz

Was werden Sie aus Ihrer Zeit als hiesiger Bürgermeister vermissen?

Wenn ich jetzt vermeintlich etwas vermisse, steht ja zu befürchten, dass ich das an meiner neuen Arbeitsstelle nicht finden werde. Und das kann im Zweifel genau so schön werden. Das weiß ich ja vorher nicht. Aber wir haben hier in unserem kleinen Zeithainer Rathaus eine relativ familiäre Atmosphäre. Die kann es natürlich in einem großen Landratsamt in dieser besonderen Art und Weise nicht geben, schon allein, weil es viel mehr Leute sind. Es kann also schon sein, dass ich das ein Stück weit vermissen werde.

Was hätten Sie als Bürgermeister von Zeithain noch gern angeschoben?

Ich habe als Geschäftsführer der Entwicklungs- und Verwertungsgesellschaft Zeithain gewisse Dinge gesät, die man jetzt ernten kann. (Hänsel meint die Solarpark-Verträge, durch die die Gemeinde Zeithain als Hauptgesellschafter künftig in der Lage ist, Geld aus der Vermarktung des Alten Lagers zu verdienen, Anm. d. Redaktion.)

Was ich auch sehr gern begleitet hätte, wäre die Änderung unserer Hauptsatzung. Wir wollen die Bürgerbeteiligung intensivieren, in dem wir in der Gemeinde mehr Ortschaftsräte einrichten und sie aktiv in die Beschlussfassung des Gemeinderates einbeziehen. Die Leute sollen zu ihrem Ortschaftsrat gehen können und sich mit in die Entscheidungsprozesse einbringen, die sonst nur im Gemeinderat und im Technischen Ausschuss besprochen werden. Das hätte ich schon gern begleitet, auch um zu erfahren, inwieweit das zu einer besseren Bürgerbeteiligung führt.

Werden Sie das von Meißen aus beobachten?

Das steht mir als Landrat nicht zu. Für die Änderung einer Hauptsatzung ist immer noch jede Gemeinde selbst verantwortlich.

Aber der Kontakt zu Zeithain wird ja nicht abbrechen.

Das glaube ich nicht. Genau.

Der Schreibtisch im Zimmer des Bürgermeisters ist aufgeräumt. Am Freitag wird Ralf Hänsel es verlassen und am Montag sein neues Büro in Meißen betreten.
Der Schreibtisch im Zimmer des Bürgermeisters ist aufgeräumt. Am Freitag wird Ralf Hänsel es verlassen und am Montag sein neues Büro in Meißen betreten. © Sebastian Schultz

Was werden Sie als Erstes an Ihrer neuen Arbeitsstelle im Landratsamt tun?

Ich glaube, es ist kein Geheimnis mehr: Ich fahre zuerst mal an meine allererste Wirkungsstätte im Landratsamt, wo ich vor rund 20 Jahren gearbeitet habe, und sage dort "Hallo". Danach gibt es eine kleine Beratung mit den Beigeordneten und Dezernenten. Und dann steige ich schon in die tatsächliche Arbeit ein. Wir haben uns mit hoher Wahrscheinlichkeit mit der neuen Corona-Schutzvereinbarung auseinanderzusetzen. Sicherlich werde ich mich mit Frau Putz und Vertretern aus dem Gesundheitsamt darüber unterhalten, wie wir das im Landkreis Meißen gestalten. Das werden die ersten Schritte im Landratsamt sein, und abends bin ich noch beim Ministerpräsidenten in Dresden eingeladen.

Ihre Familie kriegt Sie also am ersten Arbeitstag als neuer Meißner Landrat nicht zu sehen?

Nein, nicht wirklich. Wahrscheinlich erst irgendwann spät am Abend.

Dann viel Erfolg dabei und alles Gute! Bleiben Sie gesund.

  • Das Gespräch führte Jörg Richter.