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"Die Chance auf eine Fusion ist vorerst vertan"

Der scheidende Wülknitzer Bürgermeister Hannes Clauß spricht über die vordringlichen Aufgaben der Gemeinde in den letzten Monaten seiner Amtszeit.

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Hannes Clauß lehnt an der Wülknitzer Kegelbahn, die während seiner Amtszeit errichtet wurde und mehrere Architekturpreise einheimste.
Hannes Clauß lehnt an der Wülknitzer Kegelbahn, die während seiner Amtszeit errichtet wurde und mehrere Architekturpreise einheimste. © Sebastian Schultz

Wülknitz. Hannes Clauß ist Anfang 60. Eigentlich könnte er als ehrenamtlicher Bürgermeister noch weitere sieben Jahre die Geschicke der Gemeinde Wülknitz leiten. Doch er hat sich schon einmal überreden lassen. Diesmal soll definitiv Schluss sein. Für die restliche Zeit seines Bürgermeisteramtes hat er noch einiges vor. Die SZ sprach mit ihm.

Herr Clauß, Sie sind noch ein halbes Jahr Bürgermeister von Wülknitz. Was möchten Sie in Ihrer verbleibenden Amtszeit noch anschieben?

Die Flurbereinigung liegt mir am Herzen. Wir haben mit den beiden bisherigen Flurbereinigungsverfahren zwei Drittel unserer Gemeinde abgedeckt. Und ich möchte gern noch anschieben, dass für den restlichen Teil der Gemeinde Wülknitz ein solches Verfahren angeordnet wird. Dazu habe ich in dieser Woche ein Gespräch im Landratsamt Meißen. Offen sind die Gemarkung Streumen und ein Teil der Gemarkung Wülknitz.

Man hört immer wieder mal das Stichwort Flurbereinigung. Warum ist sie so wichtig?

Sie ist ein hervorragendes Instrument für die Gemeindeentwicklung. Das möchte ich nicht missen. In DDR-Zeiten wurden nahezu alle Grenzsteine in der Flur beseitigt, Wege umgepflügt, Betonstraßen und landwirtschaftliche Gebäude oft auf privaten Grundstücken errichtet, ohne es im Grundbuch zu sichern. Das alles wird bereinigt, gleichzeitig können Flurstücke zusammenlegt, Wege zeitgemäß befestigt, Ausgleichspflanzungen umgesetzt werden. Davon sollen in erster Linie die Landwirte profitieren, aber das Lebensumfeld aller Bürger wird aufgewertet und alle Grundstückseigentümer haben zum Schluss für geringe Kosten ein sauberes Grundbuch.

Die Gemarkung Peritz wurde in den 1990er-Jahren neu geordnet. Und seit fünf Jahren läuft das Verfahren für Lichtensee, Tiefenau und Heidehäuser, mit einem Teil der Gemarkung Wülknitz bis zur Bahnstrecke. In diesem sind schon elf Wege und drei größere Pflanzungen für insgesamt rund 1,2 Millionen Euro realisiert worden. Das wäre ohne die Flurbereinigung nicht möglich gewesen. Die Infrastruktur außerhalb des Straßennetzes wird dadurch enorm aufgewertet. Für eine kleine Gemeinde wie Wülknitz ist das bedeutend. Allein im vergangenen Jahr sind 400.000 Euro in solche Maßnahmen geflossen.

Was möchten Sie sonst noch auf den Weg bringen?

Vieles ist schon angeschoben, was weitergeführt werden muss. Zum Beispiel der Kita-Ergänzungsbau in Streumen, für den die Baugenehmigung bereits vorliegt. Auch der Bau des Gerätehauses der Löschgruppe Tiefenau gehört dazu.

Und wann erhalten die Kameraden in Streumen ein neues Domizil?

Wir haben am Jahresende das Streumener Pfarrhaus von der Kirchgemeinde erworben bzw. das Grundstück in Erbbaupacht übernommen. Das Nebengebäude des Pfarrhauses soll als neuer Standort für die Streumener Löschgruppe entwickelt werden. Wir haben uns mit dem Ortschaftsrat dafür eingesetzt, dieses zentrale Grundstück in öffentlicher Hand zu behalten.

Soll die Feuerwehr auch ins Pfarrhaus einziehen?

Das Pfarrhaus hat unten einen Gemeinderaum, ein Büro, eine Küche und eine behindertengerechte Toilette. Und oben ist eine leer stehende Wohnung. Wir müssen als Gemeinde noch darüber befinden, wie wir mit dem Gebäude und dem Grundstück langfristig umgehen. Die Streumener Löschgruppe soll perspektivisch im Nebengebäude ihr Domizil bekommen, aber zu den Diensten weiter nach Wülknitz fahren.