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Gröditz: "Wir sind eine abgehängte Region"

Detlef Wagner vom Wirtschaftsforum Elster-Röder fordert eine bessere Verkehrsanbindung und sucht Kontakt zu Ministern. Einer war jetzt da.

Detlef Wagner erläutert im Gespräch mit sächsische.de, was der Grenzregion Gröditz-Elsterwerda fehlt.
Detlef Wagner erläutert im Gespräch mit sächsische.de, was der Grenzregion Gröditz-Elsterwerda fehlt. © Klaus-Dieter Brühl

Gröditz. Vor drei Jahren haben sich Unternehmer aus der Region Gröditz-Elsterwerda-Bad Liebenwerda-Röderland zusammengefunden und das Wirtschaftsforum Elster-Röder gegründet. Seit Anfang dieses Jahres ist es ein eingetragener Verein und der Gröditzer Detlef Wagner dessen Vorsitzender. Jetzt hatte das Forum erstmals einen hochrangigen Politiker eingeladen. Der brandenburgische Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) stellte sich in Elsterwerda den Fragen hiesiger Unternehmer.

Herr Wagner, was haben Sie sich von dem Treffen mit dem Minister versprochen?

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Unser Wirtschaftsforum ist ein länderübergreifendes Projekt von brandenburgischen und sächsischen Firmen und Kommunen. Wir wollten es Herrn Steinbach einfach mal vorstellen und rausfinden, wie in der Landespolitik auf so eine Privatinitiative reagiert wird und welche Möglichkeiten es gibt, uns zu unterstützen. Es macht es ja nicht unbedingt einfacher, wenn man Ansprechpartner in zwei Landesregierungen sucht, zumal sie auch noch von zwei unterschiedlichen Parteien angeführt werden. Brandenburg von der SPD und Sachsen von der CDU – das macht ja noch mal einen Unterschied.

Noch bis 2022 wird auf der B 169 nördlich von Gröditz gebaut. Ohnehin fühlt man sich in der sächsisch-brandenburgischen Grenzregion abgehängt.
Noch bis 2022 wird auf der B 169 nördlich von Gröditz gebaut. Ohnehin fühlt man sich in der sächsisch-brandenburgischen Grenzregion abgehängt. © Eric Weser

Aber zumindest die Wirtschaftsminister gehören zu der selben Partei.

Ja, beide Minister sind von der SPD. Deshalb haben wir ja die Hoffnung, auch mit Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig bald ins Gespräch zu kommen.

Worüber wollen Sie mit den Ministern reden? Gibt es konkrete Vorhaben, die das Wirtschaftsforum Elster-Röder anschieben oder vorantreiben will?

Es sind ein paar Sachen angedacht, aber noch nicht spruchreif. Es gibt allerdings auch Dinge, wo wir uns einbringen können. Zum Beispiel beim Thema Radweg zwischen Gröditz und Prösen. Darüber wird schon seit etwa zehn Jahren philosophiert. Doch getan hat sich noch nichts, vielleicht können wir dazu beitragen, aufzuklären, woran es liegt. Und auch andere Projekte, die die Region voranbringen könnten, schlummern seit Jahrzehnten in irgendwelchen Schubladen. Sie dort wieder herauszuholen, ist unser Ziel, damit die Region für junge Familien attraktiver und lebenswerter wird. Das ist für die hiesigen Unternehmen, die Arbeitskräfte suchen, von entscheidender Bedeutung. Das hilft aber auch dem hiesigen Handel und der Gastronomie.

Dieses Banner in Gröditz wirbt für das überregionale Wirtschaftsforum Elster-Röder.
Dieses Banner in Gröditz wirbt für das überregionale Wirtschaftsforum Elster-Röder. © Klaus-Dieter Brühl

Wie viele Mitglieder hat das Wirtschaftsforum momentan?

Etwa 20. Dazu gehören auch die Kommunen Gröditz, Elsterwerda, Bad Liebenwerda und Röderland.

Sollen noch mehr Unternehmen dazukommen?

Wir streben etwa 25 bis 30 Unternehmen, die in der Region ihren festen Firmensitz haben, als Mitglieder an.

Wie ist es denn aufgeteilt – gibt es mehr brandenburgische oder mehr sächsische Unternehmen im Wirtschaftsforum?

Das hält sich momentan etwa die Waage. Wir legen auf die Verteilung aber auch keinen Wert. Denn es geht ja um unsere gemeinsame Region Elster-Röder, die wir stärken wollen.

Was haben Sie aus dem Treffen mit dem brandenburgischen Minister mitgenommen?

Ich habe vor allem persönliche Kontakte mitgenommen. Das wird in Zukunft unsere Arbeit erleichtern, wenn wir nicht erst fünf Stellen in einer Behörde oder im Ministerium ansprechen müssen, um an denjenigen zu kommen, der Entscheidungen treffen kann. Es war schön, dass der Minister hier war. Aber er wird sich nicht mit unseren einzelnen Vorhaben beschäftigen. Das kann er gar nicht, dafür gibt es in den Ministerien Bereiche und deshalb ist es gut, dort konkrete Ansprechpartner zu haben, um Kontakte mit ihnen aufbauen zu können. Mit Torsten Maerksch war auch der Leiter des Regionalcenters Süd-Brandenburg dabei. Es ist gut, ihn jetzt persönlich zu kennen, das hilft uns sicher, Umwege zu vermeiden und auf direkterem Weg ein Ziel zu erreichen.

Interessant war unter anderem die Aussage von Herrn Steinbach, dass die Region, speziell der Landkreis Elbe-Elster, sich bei der Verteilung der Kohleausstiegs-Milliarden noch nicht sonderlich hervorgetan hat.

Das war ein guter Hinweis, den wir gern aufgreifen wollen. Deshalb ist es auch ganz wichtig, die hiesigen Bürgermeister mit im Boot zu haben. Sie wissen am besten, was noch in der Region gebraucht wird und wozu dieses Geld verwendet werden kann.

Bei dem Treffen mit Steinbach wurde auch die schlechte Verkehrsanbindung der Region angesprochen ...

Das stimmt. Wir sind in Sachen Verkehrsanbindung eine abgehängte Region. Anfang der 90er Jahre gab es mal einen Plan für eine Umgehungsstraße der B 169 in Elsterwerda, von der auch Gröditz profitieren würde. Viele hiesige Firmen wünschen sich, dass daran weitergearbeitet wird. Dass wir hier keine Autobahnauffahrt vor die Tür kriegen, ist jedem klar. Aber eine bessere Verkehrsanbindung wäre nötig. Es muss nicht unbedingt eine vierspurige Schnellstraße sein. Da reicht auch ein dreispuriger Ausbau, wie er erst jetzt auf der B 101 zwischen Elsterwerda und Bad Liebenwerda erfolgt ist. Das ist völlig ausreichend.

Das Gespräch führte Jörg Richter.

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