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"Das Projekt Hortneubau steht und fällt mit Fördermitteln"

Seit gut einem Jahr ist Dirk Zschoke Bürgermeister von Stauchitz. Im SZ-Gespräch äußert er sich über Probleme, Erfolge und Vorhaben in der Gemeinde.

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Seit gut einem Jahr ist der parteilose Dirk Zschoke Bürgermeister von Stauchitz.
Seit gut einem Jahr ist der parteilose Dirk Zschoke Bürgermeister von Stauchitz. © Sebastian Schultz

Herr Zschoke, das ganze Jahr drehte sich vor allem um Corona. Welche Auswirkungen hatte die Pandemie auf die Arbeit der Gemeinde?

Vor allem zum Jahresende hin hatten wir große Probleme. Ein Drittel unserer Beschäftigten war ausgefallen, vor allem in den Kindereinrichtungen und in den Schulen war Personal erkrankt. Deshalb mussten Kindereinrichtungen und der Hort zeitweise geschlossen werden. Auch die Gemeindeverwaltung konnte und kann nur nach Anmeldung und unter Einhalten der Corona-Bestimmungen aufgesucht werden. Dennoch waren wir die gesamte Zeit über erreichbar und arbeitsfähig. Sehr froh bin ich, dass es uns gelang, in der Markthalle ein Testzentrum zu eröffnen.

Wie hoch ist denn die Impfquote bei den Erzieherinnen in den Kindereinrichtungen und im Hort?

Wir wissen, dass weniger als die Hälfte geimpft ist, dazu kommen die Genesenen. Das ist nicht zufriedenstellend, aber sich impfen zu lassen oder nicht, ist eine persönliche Entscheidung jedes Einzelnen, die zu respektieren ist.

Worauf hat sich Corona noch ausgewirkt?

Auf fast jeden Bereich, so auch auf die traditionellen Stauchaer Märkte. Wir waren hier auf einem guten Weg, doch dann mussten wir Markttage absagen. Besonders ärgerlich war das für den Weihnachtsmarkt, weil dieser trotz des persönlichen Versprechens des sächsischen Ministerpräsidenten, dass Weihnachtsmärkte stattfinden dürfen, dann doch quasi über Nacht verboten wurde. Generell fehlen die persönlichen Gespräche, das erschwert die Arbeit ungemein. Und Corona hatte auch finanzielle Auswirkungen.

Inwiefern?

Unsere Gewerbesteuereinnahmen sind um etwa die Hälfte eingebrochen. Zwar stehen wir mit einer Pro-Kopf-Verschuldung von rund 500 Euro ganz gut da, diese Verschuldung wird aber durch Kredite für den geplanten Hortbau in die Höhe schnellen. Ohne diesen wären wir in sieben Jahren theoretisch schuldenfrei.

Den Hort der Grundschule Ragewitz neu zu bauen geht aber nur mit Fördermitteln. Wie ist der Stand?

Wir haben 1.000 Dinge angerührt, die den Hortneubau betreffen. Die Planungen sind jetzt so weit, dass wir den Bauantrag einreichen können. Es ist richtig, dass dieses Projekt, das rund 5,6 Millionen Euro kosten wird, nur mit Fördermitteln gebaut werden kann. Wir kalkulieren mit 50 Prozent Förderung. Das Projekt steht und fällt mit den Fördermitteln. Bis jetzt haben wir noch keine Zusage, aber auch keine Absage.

Das heißt, ohne Fördermittel ist das Vorhaben geplatzt?

So ist es. Ich gehe aber davon aus, dass wir das Geld bekommen und einen großen Teil unserer Pläne in diesem Jahr umsetzen können.

Und wenn nicht?

Dann droht die Schließung des Hortes, das muss man so deutlich sagen. Wir haben nur eine befristete Genehmigung, die läuft irgendwann aus.

In der Gemeinde läuft der Breitband-Ausbau, doch in der sächsischen Regierungskoalition ist noch immer nicht geklärt, wie die Kofinanzierung für die "grauen Flecken" von insgesamt 330 Millionen Euro bezahlt werden soll. Was bedeutet das für Stauchitz?

Das würde bedeuten, dass von unseren 1.700 Haushalten nur etwa 600 an das moderne Glasfasernetz mit bis zu einem Gbit angeschlossen würden. Alle anderen müssten mit weit weniger auskommen, hätten allerdings mindestens 30 Mbit.

Von schnellem Internet kann man da nicht wirklich sprechen?

Nein, auch wenn es für viele derzeit erst mal ausreichen würde. Für die digitale Zukunft sind wir damit aber nicht gewappnet. Das ist in den Schulen anders. Wir haben im vergangenen Jahr 230.000 Euro in die Digitalisierung der Schulen gesteckt. So gibt es jetzt zum Beispiel in der Grundschule digitale Tafeln. Die Kinder sind ganz begeistert, bei manchen Lehrern hält sich die Begeisterung noch in Grenzen.

Im Wahlkampf hatten Sie versprochen, dass die Messe in Staucha wieder stattfinden soll. Warum hört man davon nichts mehr?

Wir haben bisher noch kein geeignetes Konzept gefunden. Wegen Corona hatten wir allerdings erst einmal andere Aufgaben zu bewältigen. Wegen der unklaren Lage wollten wir im Moment nicht allzu viel Zeit, Arbeit und Geld in dieses Projekt stecken. Das Ziel ist und bleibt aber, diese Messe wieder zu veranstalten, damit wir wenigstens ein großes Ereignis im Dorf haben.

In der Nachbargemeinde Hirschstein gibt es kaum noch Bauplätze für Eigenheime. Wie sieht es bei Ihnen aus?

Auch nicht besser. Wir konnten alle Bauplätze in Bloßwitz verkaufen, planen auf einem Grundstück in Stauchitz, drei weitere Plätze zu erschließen. Zudem sind wir im Gespräch mit dem Eigentümer der alten Gärtnerei in Stauchitz. Auf diesem Gelände könnten bis zu zehn Baugrundstücke entstehen.

Ein Ärgernis sind seit Jahren doppelte und dreifache Straßennamen. Warum wird dieses Problem nicht angegangen?

Auch dieses Problem haben wir wegen Corona erstmal ausgesetzt, wollten vor allem die Gewerbetreibenden nicht auch noch damit belasten. Wir haben es auf 2022 vertagt, wollen jetzt ein Arbeitsgremium bilden, einen Plan machen, diesen dann wahrscheinlich im Februar vorstellen und relativ schnell umsetzen. Uns als Gemeinde kostet die Umbenennung eine Menge Geld, wenn ich an die Straßenschilder, die gewechselt werden müssen, denke. Die Bürger, die betroffen sind, erhalten kostenlos einen Aufkleber mit ihrer neuen Adresse im Personalausweis.

Ein Dauerproblem ist die Besetzung der Kämmererstelle. Die gerade erst eingestellte Kämmerin hat im Vorjahr die Gemeinde schon wieder verlassen. Wie soll dieses Problem gelöst werden?

Frau Herzig hat um einen Aufhebungsvertrag gebeten, wir haben ihr keine Steine in den Weg gelegt. Eine erste Stellenausschreibung brachte keinen Erfolg, die Anforderungen an diese Stelle sind sehr hoch. Wir haben jetzt erneut ausgeschrieben, hoffen, dass sich ein geeigneter Bewerber oder eine geeignete Bewerberin findet.

Das Gespräch führte Jürgen Müller