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Jetzt gehts ran an die Straßennamen

Der Stauchitzer Bürgermeister Dirk Zschoke löst ein weiteres Wahlversprechen ein. Auch wenn er sich damit nicht nur Freunde macht.

Gleich sieben Hauptstraßen gibt es in der Gemeinde, wie hier in Groptitz, Panitz, Seerhausen und Stauchitz. Das soll sich nun ändern.
Gleich sieben Hauptstraßen gibt es in der Gemeinde, wie hier in Groptitz, Panitz, Seerhausen und Stauchitz. Das soll sich nun ändern. © Fotos: Sebastian Schultz

Stauchitz. Gottes Mühlen mahlen langsam, aber sicher, heißt es. Die Mühlen der Verwaltungen aber auch. In der Gemeinde Stauchitz soll jetzt ein Problem gelöst werden, das es schon seit 22 Jahren gibt.

Wer in die Riesaer Straße nach Stauchitz will und die Adresse ins Navigationssystem eingibt, sei es aus Ortsunkenntnis oder Bequemlichkeit, dem kann es passieren, dass er tatsächlich in der Riesaer Straße landet. Allerdings in Staucha. Was beispielsweise bei einer Paketzustellung nur ärgerlich ist, kann lebensbedrohlich sein, wenn der Rettungsdienst an der falschen Adresse landet. Denn die Riesaer Straße gibt es in der Gemeinde zweimal. Außerdem existieren drei Dorfstraßen, vier Bergstraßen und gleich sieben Hauptstraßen.

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Ein Grund dafür ist, dass es nach der Fusion von Stauchitz und Plotitz zur Einheitsgemeinde Stauchitz im Jahr 1999 mehrfach gleiche Straßenamen gab. Weder der damalige Bürgermeister Peter Geißler noch sein Nachfolger Frank Seifert trauten sich an das Problem heran. Sie wussten, dass man sich damit bei den betroffenen Bürgern keine Freunde macht. Dabei wären kurz nach der Fusion die Unkosten der Bürger übernommen worden. Das ist jetzt anders.

38 von 104 Straßen betroffen

Das muss man dem im vergangenen Jahr gewählten Bürgermeister Dirk Zschoke lassen: Er löst seine Wahlversprechen ein. Die Beseitigung doppelter Straßennamen gehörte dazu. Das soll nun geschehen, wenn auch mit 22 Jahren Verspätung.

In der Gemeinde mit ihren 21 Ortsteilen gibt es insgesamt 104 Straßen mit 1.007 Grundstücken. Von diesen Straßen tragen 38 mehrfach vorkommende Namen. Eine Besonderheit stellen die Hauptstraßen in Plotitz, Stösitz und Panitz dar. Es ist praktisch nur eine Straße, die vom Ortseingang Plotitz bis zum Ortsausgang Panitz durchnummeriert ist. Es gibt also keine doppelten Hausnummern.

Dennoch sollten doppelte Straßennamen grundsätzlich kein Problem sein, wenn in der Adresse auch der jeweilige Ortsteil angegeben ist. "Wir als Gemeinde schreiben seit 1999 die Ortsteile in die Adresse. Da gibt es keine Probleme. Aber bei Internetbestellungen ist es oft nicht möglich, zusätzlich zur Gemeinde einen Ortsteil anzugeben", so der Bürgermeister.

Nicht nach Personen benennen

Den Vorteilen der Umbenennung bezüglich Postzustellung und Rettungsdienst stehen aber auch erhebliche Nachteile für betroffene Bürger und Gewerbetreibende gegenüber, vor allem finanzielle. Zwar wird die Änderung der Adresse im Personalausweis von der Gemeinde kostenlos durch einen Aufkleber durchgeführt. Im Reisepass ist keine Änderung nötig, weil dort keine Adresse angegeben ist. Aber beispielsweise die dann notwendige Änderung in Fahrzeugpapieren kostet zwölf Euro, abgesehen von den Wegen zur Zulassungsstelle. Eine neue Hausnummer, die ja Pflicht ist, kostet zwischen 20 und 100 Euro. Zudem muss die neue Adresse zum Beispiel Banken, Versicherungen, Krankenkassen und anderen gemeldet werden.

Noch größer sind die Aufwendungen für Gewerbetreibende. "Werbeaufkleber an Fahrzeugen, Werbeschilder und neue Geschäftsunterlagen kosten eine Menge Geld. Wegen der noch nicht absehbaren finanziellen Folgen für Einwohner und Gewerbetreibende durch die Corona-Krise, will die Gemeindeverwaltung nun erst einmal bis Jahresende ein Konzept erarbeiten, wie die Umbenennung von Straßen umgesetzt werden kann", sagt Bürgermeister Zschoke. Die Betroffenen sollen angehört werden.

Doch was sind nun die Kriterien dafür, welche Straßen umbenannt werden und welche Namen bleiben dürfen. "Wir haben uns im Gemeinderat darauf verständigt, dass die Namen dort geändert werden, wo die wenigsten Bewohner und Gewerbetreibenden betroffen sind", so Zschoke. Endgültig entschieden ist aber noch nichts.

"Ich begrüße es, dass das Thema jetzt durch den Bürgermeister aufgegriffen wird, staune aber, dass es so lange gedauert hat", sagt der Stauchitzer Matthias Fiebiger, einst Mitarbeiter in der Stauchitzer Gemeindeverwaltung. Das Thema sei ja schon 1998 in Voraussicht des Zusammenschlusses von Stauchitz und Plotitz aufgekommen. Er wünscht sich, dass die neuen Straßennamen neutral sind, also nicht nach Personen benannt werden. "Damit sie auch lange Zeit Bestand haben und nicht, wenn sich die politische Wetterlage oder die politische Bewertung von Personen ändert, erneut geändert werden müssen", sagt er. So könnte die Hauptstraße in Gleina beispielsweise zur Ziegeleistraße werden in Anlehnung an die frühere Ziegelei, schlägt er vor. Den Vorschlag, Straßen nicht nach Personen zu benennen, hatte der Bürgermeister auch schon im Gemeinderat gemacht. Außer dem Thomas-Müntzer-Platz ist in Stauchitz keine Straße und kein Platz nach einer Person benannt. Das soll auch künftig so bleiben.

Bürger sollen sich beteiligen

Bei der Gelegenheit, sollen auch Fehler aus der Vergangenheit beseitigt werden. So sei der Pappelweg in Wilschwitz bei der Deutschen Post dem Ortsteil Gleina zugeordnet. Das sollte korrigiert werden, sagt Matthias Fiebiger. Bürgermeister Zschoke ist dankbar für den Hinweis. "Ich weiß nicht, welche Straße bei der Deutschen Post welchem Ortsteil zugeordnet ist. Aber wenn das tatsächlich so ist, werden wir mit der Post reden, dass es geändert wird", sagt er. "Ich wünsche mir, dass sich die Bürger an der Namensfindung aktiv beteiligen, statt sich hinterher, wenn es zu spät ist, zu beschweren", so Matthias Fiebiger.

Holger Eulitz, der eine Gaststätte und Pension in Stauchitz betrieb, findet die Umbenennung gut, obwohl er seit 65 Jahren an der Hauptstraße wohnt, sich umgewöhnen müsste. "Es gibt ja in der Gemeinde sieben Hauptstraßen, da haben sich früher manche Gäste erstmal verirrt", sagt er. Auch er wäre dafür, neutrale Straßennamen zu wählen. "Ich wüsste ehrlich gesagt auch niemanden, nach dem man in der Gemeinde eine Straße benennen sollte", so der Rentner. Seiner Meinung nach halten sich die Kosten für die betroffenen Bürger ihm Rahmen.

Teuer werden die Straßenumbenennungen für die Gemeinde. Bürgermeister Dirk Zschoke rechnet damit, dass 75 neue Straßenschilder aufgestellt werden müssen. Die würden um die 10.000 Euro kosten.

Überstürzt werden soll aber nichts. "Wir wollen jetzt erstmal die Meinung der Bürger hören", so der Amtschef. Einige hätten sich schon im Gemeindeamt gemeldet. Bis jetzt gäbe es keine wütenden Reaktionen. Anfang nächsten Jahres wolle sich der Gemeinderat erneut mit dem Thema beschäftigen.

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