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Schafe an der Elbe bei Riesa unerwünscht

Das Kreisumweltamt Meißen kritisiert, dass die Tiere die geschützten Auenwälder anknabbern. Der hiesige Schäfer ist enttäuscht und hat seine Herde verkauft.

Diese Schafe weiden auf den Elbwiesen gegenüber vom Nixenstein in Strehla. Zwischen Riesa und Diesbar-Seußlitz werden sie in diesem Jahr fehlen.
Diese Schafe weiden auf den Elbwiesen gegenüber vom Nixenstein in Strehla. Zwischen Riesa und Diesbar-Seußlitz werden sie in diesem Jahr fehlen. © Eric Weser

Riesa/Nünchritz. Schafe an der Elbe wird man in diesem Jahr nicht sehen. Jedenfalls nicht zwischen Riesa und Diesbar-Seußlitz. Und garantiert nicht die Tiere von Schäfer Uwe Weiße. Der 61-Jährige besaß bis diese Woche drei Herden. Eine grast zwischen Torgau und Strehla und die zweite zwischen Strehla und Riesa. Die dritte Herde hat er am Mittwoch verkauft. Denn er braucht sie nicht mehr.

Seitdem er von seinem Auftraggeber, dem Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Elbe, erfahren hat, dass er mit seinen Schafen nicht mehr die Auenwälder bei Riesa betreten darf, lohnt sich für ihn der Aufwand nicht mehr. Denn gerade die Pflege der Auenwälder, die auch mit dem Einsammeln von angeschwemmten Müll einhergeht, wird viel besser bezahlt als das bloße Weiden auf den Elbwiesen.

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Von den 30 Hektar Uferbereich, auf beiden Flussseiten zwischen Riesa und Diesbar-Seußlitz, seien immerhin ein Sechstel Auenwald, schätzt Weiße. Das war bisher einigermaßen lukrativ. Deshalb hatte sich Weiße vor drei Jahren, als er den Auftrag vom WSA übernahm, extra eine neue Herde gekauft. Nach eigenen Angaben hatte er dafür 25.000 Euro investiert.

Flächen unter besonderem Schutz

Zuletzt gehörten zu der Herde rund 330 Mutterschafe mit Lämmern. Jetzt hat er sie notgedrungen für die Hälfte des Geldes wieder verkauft. Zum Teil an andere Schäfer, zum Teil aber auch zum Schlachten. Ein neuen Dreijahresvertrag ohne die Auenwälder, den ihm das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt angeboten hatte, lehnte er ab.

Das WSA in Dresden reagiert mit dem modifizierten Vertrag auf eine Anordnung des Kreisumweltamtes Meißen. "Das Landratsamt Meißen hat das Wasser- und Schifffahrtsamt aufgefordert, die Mahd auf den Auwald-Flächen mit technischen Mitteln durchzuführen", heißt es in einer ersten Stellungnahme des Kreisumweltamtes.

Nachfrage bei dessen Leiter Peter Jönsson. Er sagt: "Die Auenwälder bei Riesa stehen unter einem besonderen Schutz." Denn sie gehören zum FFH-Gebiet "Elbtal zwischen Schöna und Mühlberg". Die Flächen hat der Freistaat Sachsen beim Bund und der Bund bei der Europäischen Union als Schutzgebiet angemeldet. Entsprechend hoch sind die Bestimmungen.

Fressschäden als Straftatbestand

"Sogar das Durchtreiben von Schafen durch ein FFH-Gebiet ist nicht unproblematisch", sagt Jönsson. Die Tiere würden dabei auch an die Bäume und Sträucher gehen. Und weil es sich um ein besonders geschütztes Gebiet handelt, wären die Fressschäden ein Straftatbestand. Deshalb soll das WSA Dresden verpflichtet werden, die Flächen mit Technik zu mähen. Auch mit dem Ziel, dass sich die Auenwälder nicht weiter ausbreiten.

Letzteres ist eine Mindestforderung mehrerer Bürgerinitiativen entlang der Elbe, die sich für den Hochwasserschutz stark machen. Ihrer Meinung nach sollten Auenwälder, wie sie in Riesa durch Nachlässigkeit entstanden sind, wieder gefällt werden, damit im Falle eines Hochwassers die Elbe ungehindert weiterfließen kann.

Doch das WSA in Dresden ist alles andere als glücklich über das Schreiben aus Meißen. "Wir haben so eine Anordnung noch nie erhalten", sagt Klaus Kautz, der Leiter der Stabsstelle des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts Elbe. Zurzeit würde die Anordnung rechtlich und inhaltlich geprüft. Mehr könne er im Moment nicht sagen.

"Da geht es um die ganz große Politik"

Es bahnt sich ein jahrelanger Rechtsstreit an. "Da geht es um die ganz große Politik", sagt Jönsson. Gerichte werden klären müssen, wer für die Pflege und Reinhaltung der Auenwälder bezahlen muss. Entweder der Bund, vertreten durch das WSA Dresden, dem rein rechtlich die großen Flüsse mit ihren Ufern und Deichen gehören. Oder der Landkreis Meißen als Teil des Freistaates Sachsen, der für den Hochwasserschutz verantwortlich ist. Jönsson spricht von einem möglichen Präzedenzfall, der für ganz Deutschland richtungsweisend sein könnte.

Der erste Verlierer bei der Sache ist Uwe Weiße. Das bedauert der Nünchritzer Bürgermeister Gerd Barthold (CDU) sehr. Denn Weißes Schafe hatten auch die Elbewiesen in seinem Gemeindegebiet kurz gehalten und die Mäuselöcher im Deich mit ihren Hufen eingestampft. "Das ist traurig, dass er aufhören will", sagt Barthold. "Denn umweltfreundlicher als mit Schafen geht es eigentlich nicht."

Und auch Gemeinderat Udo Schmidt (SPD), der sich bei der Bürgerinitiative "Hochwasser Nünchritz 2013" engagiert, schimpft: "Hier zählt die Meinung ein paar weniger Umweltschützer mehr als der Hochwasserschutz, der viele Leute betrifft."

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