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Knappe Mehrheit für Streumener Kitaanbau

Die ursprüngliche Idee des Architekten lehnt der Gemeinderat aber ab. Doch auch die abgespeckte Variante ist nicht unumstritten.

Das ursprüngliche Modell der Kita Streumen sah einen rechteckigen Glasgang (Mitte) vor, der das alte Herrenhaus (hinten links) mit dem Kreativhaus (hinten rechts) und dem neuen Anbau (vorn links) verbindet.
Das ursprüngliche Modell der Kita Streumen sah einen rechteckigen Glasgang (Mitte) vor, der das alte Herrenhaus (hinten links) mit dem Kreativhaus (hinten rechts) und dem neuen Anbau (vorn links) verbindet. © Gemeinde Wülknitz

Wülknitz/Streumen. Mit so viel Gegenwind hatte Bürgermeister Hannes Clauß (parteilos) nicht gerechnet. Gerade mal sieben Gemeinderäte haben jetzt für den Anbau der Kita Streumen mit Ja gestimmt. Einer enthielt sich. Fünf waren dagegen. Dabei sei der Rückhalt für das Projekt bei der Vorberatung im Technischen Ausschuss noch eindeutig gewesen, so Clauß. Er traf sich zum letzten Mal Ende September. Damals waren bis auf eine Enthaltung alle anderen sechs Ausschussmitglieder für diese Investition.

Im Gartenbereich soll ein zweites Gebäude entstehen. Im Design ähnlich dem Kreativhaus, das bereits steht. Es soll Platz bieten für eine Küche, ein Kinderrestaurant, eine Garderobe und einen zusätzlichen Gruppenraum. In letzteren soll die Kindergruppe einziehen, die momentan in einem angemieteten Container betreut wird.

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Die Küche soll vom Herrenhaus in den neuen Anbau verlegt werden. Der Raum in der ersten Etage, der dadurch frei wird, ist für die Erzieherinnen gedacht. Der Personalraum im Dachgeschoss wird frei und zum Spielraum im Krippenbereich umgebaut. - So weit gingen die Gemeinderatsmitglieder noch alle mit. Doch die größte Kontroverse rief der gläserne Rundgang im Spielgarten hervor.

"Der Parkcharakter wird verschandelt"

Der ursprüngliche Plan sah vor, dass er die beiden Nebengebäude mit dem alten Herrenhaus verbindet und auch den gesamten Außenbereich einrahmt. Doch dieser Laubengang stieß bei den meisten Gemeinderäten auf wenig Gegenliebe. "Damit wird der Parkcharakter verschandelt", sagte Mirko Pöll vom Ortsverein Wülknitz.

So blieb die Alternativ-Variante übrig. Sie sieht ebenfalls einen gläsernen Verbindungsgang vor, aber nicht als Rundumgang, sondern halb so groß, in U-Form. Der Glasgang führt zu jedem Nebengebäude. Darin sollen die Kinder, geschützt vor Wind und Wetter, alle drei Einzelgebäude erreichen können, ohne sich extra die Straßenschuhe und Jacken anziehen zu müssen.

Eine Gemeinderätin, die sich zu Wort meldete, sieht darin vor allem eine Arbeitserleichterung für die Erzieherinnen. "Jeder, der schon mal 15 Kinder an- und ausziehen musste, weiß, wie viel Mühe und Zeit das braucht", sagte sie, blickte in Richtung Kita-Leiterin Ines Buhler und erhielt von ihr zustimmendes Nicken.

Und so soll die Kita Streumen einmal aussehen. Der Rundumgang ist halbiert worden.
Und so soll die Kita Streumen einmal aussehen. Der Rundumgang ist halbiert worden. © Architekturbüro Hentzschel

Sven Bauer (CDU) gab zu bedenken, dass innerhalb des Glasganges eine Art Treibhaus-Effekt eintreten könnte. Außerdem würde das Putzen der Scheiben einen enormen Arbeitsaufwand bedeuten.

Ines Buhler antwortete: "Wir haben keine Erfahrung mit Glasdächern. Fakt ist aber, dass wir eine Überdachung brauchen." Das habe schon die Erfahrung mit dem Kreativhaus gezeigt. "Es ist nicht schön, wenn man nicht trockenen Fußes hinübergehen kann", so die Kita-Chefin. Von einem seitlich offenen Gang, der nur überdacht ist, rät sie ab und weiß dabei auch den Elternrat hinter sich. Die Mütter und Väter hatten sich auch für einen geschlossenen Verbindungsgang ausgesprochen.

In diesem Container werden einige Kinder wohl auch noch dieses und nächstes Jahr betreut werden. Der neue Anbau soll diese Notunterkunft ersetzen.
In diesem Container werden einige Kinder wohl auch noch dieses und nächstes Jahr betreut werden. Der neue Anbau soll diese Notunterkunft ersetzen. © Sebastian Schultz

Letztlich entbrannte im Wülknitzer Gemeinderat eine Kontroverse, ob man sich in der derzeitigen finanziellen Lage überhaupt so einen Anbau mit Glasgang leisten kann. Der Nünchritzer Architekt Günther Rentzsch, der bereits 1996/97 den Umbau des Herrenhauses zur Kita und das 2012 eingeweihte Kreativhaus entwarf, legte eine erste grobe Kostenprognose hin. Er schätzt sie auf 700.000 Euro.

Einige Gemeinderäte sehen Aufwand und Nutzen offenbar skeptisch, was auch das Abstimmungsergebnis zeigte. Bürgermeister Clauß verweist darauf, dass für dieses Bauprojekt öffentliche Fördermittel Voraussetzung sind. "Das kann sicherlich keine Gemeinde im ländlichen Raum alleine stemmen", sagt er.

Allerdings ist das auch der Grund, warum der Kita-Anbau ins nächste Jahr verschoben werden soll. Die entsprechenden Fördertöpfe des Freistaates Sachsen sind für dieses Jahr bereits ausgeschöpft.

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