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Neue Anrufschranke - aber nur auf Zeit

Auf der ICE-Strecke Dresden-Leipzig sollen alle Bahnübergänge verschwinden. Auch der an der Moritzer Straße in Zeithain. Aber die Gemeinde macht da nicht mit.

Hinterm Imprägnierwerk Wülknitz gibt es auch eine sogenannte Anrufschranke, die normalerweise immer geschlossen ist.
Hinterm Imprägnierwerk Wülknitz gibt es auch eine sogenannte Anrufschranke, die normalerweise immer geschlossen ist. © Brühl

Zeithain. Sie sind selten, aber keine Neuheit. Sogenannte Anrufschranken sind die meiste Zeit geschlossen. Erst, wenn jemand kommt und einen Knopf drückt, gehen sie hoch. Natürlich nur dann, wenn kein Zug in der Nähe ist oder gerade erwartet wird.

Die Gemeinde Zeithain hat damit gute Erfahrungen gemacht. Am alten Bahnhof in Jacobsthal gibt es so eine Anrufschranke. Und deshalb dachte sich die Gemeindeverwaltung, dass es doch auch eine gute Sache für die Anwohner der Moritzer Straße in Zeithain wäre. Zumindest für die Nachbarn der alten Kiesgrube des ard-Baustoffwerks. Das sind die Bewohner von drei Häusern, die etwa 250 Meter Luftlinie vom Dorf entfernt wohnen. 

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Gleich zwei Bahnstrecken trennen sie von der anderen Hälfte der Moritzer Straße und damit von Zeithain. Der Bahnübergang auf der Strecke Riesa-Elsterwerda ist bereits ganz zu. Der Bahnübergang auf der Strecke Dresden-Leipzig ist noch passierbar. Über eine parallel zur Bahnstrecke Riesa-Elsterwerda verlaufende Schotterstraße gelangt man zum Bahnübergang Langenberger Straße und fährt ins Dorf hinein. 

Etwa einen halben Kilometer nehmen die Bewohner der drei einzelnen Häuser dafür in Kauf. Doch das ist für sie noch eher akzeptabel, als jedes Mal einen riesigen Umweg über die B 169 zu fahren, um in ihr Heimatdorf zu gelangen. "Wir haben immer darauf bestanden, dass die Leute hinter der Schranke eine direkte Verbindung zum Hauptort haben", sagt Zeithains Bürgermeister Ralf Hänsel (parteilos). 

Kreuzungsvereinbarung mit der Bahn

Nun beabsichtigt die Deutsche Bahn, den Bahnübergang an der Moritzer Straße zu erneuern. Wie eine Bahnsprecherin auf Anfrage der SZ mitteilt, müsse infolge des erforderlichen Umbaus der Signaltechnik aus technischen Gründen auch die Sicherungsanlage am Bahnübergang Moritzer Straße dem aktuellen Stand der Sicherheit und Technik angepasst werden. Mit der Gemeinde Zeithain wird deshalb derzeit eine entsprechende Kreuzungsvereinbarung vorbereitet.

Bürgermeister Hänsel stellte sie jetzt den beiden Ausschüssen des Gemeinderates Zeithain vor. Danach soll die automatische Halbschranken-Anlage durch eine "wärterbediente Vollschranken-Anlage mit der Grundstellung geschlossen" ersetzt werden. Das ist der korrekte Fachbegriff für die sogenannten Anrufschranken.

Der Zeitpunkt für die Kreuzungsvereinbarung scheint günstig. Denn für die Gemeinde Zeithain würden keine Kosten entstehen, so Bauamtsleiter Holger Koßwig. Bisher habe die Kommune ein Drittel der Baukosten übernehmen müssen. Jetzt springt der Freistaat ein. Der modernisierte Bahnübergang soll immerhin knapp eine halbe Million Euro kosten und bis September 2021 fertiggestellt sein. 

Und noch etwas erhofft sich die Gemeinde von dem Vertrag mit der Bahn: Die neuen Anrufschranken sollen dauerhaft erhalten bleiben. Denn eigentlich ist die Deutsche Bahn gerade dabei, zwischen Zeithain und Leckwitz mit dem Ausbau der ICE-Strecke Dresden-Leipzig zu beginnen. In den nächsten fünf Jahren sollen in diesem Bereich sämtliche ebenerdige Bahnübergänge verschwinden, damit der ICE voraussichtlich ab 2032/33 mit 200 km/h durchrauschen kann.    

Nicht vor vollendete Tatsachen stellen lassen

Einige Bahnübergänge, wie die beiden in Glaubitz, werden durch Brücken ersetzt. Andere sollen komplett verschwinden. Auch der Bahnübergang Moritzer Straße stand schon auf der Streichliste. "Aber die Bahn kann nicht machen, was sie will", sagt Hänsel. "Wir können doch die Bürger nicht vor vollendete Tatsachen stellen."

Möglicherweise spielt hier jemand auf Zeit. Entweder die Bahn oder die Gemeinde. Oder beide? Denn wie die Bahnsprecherin gegenüber der SZ erklärt, sei es bei einem so komplexen Großprojekt "nicht unüblich, dass bei einzelnen Projektabschnitten Zwischenzustände eingerichtet werden müssen." Der Bahnübergang Moritzer Straße sei so ein Projektabschnitt. 

Nun soll also in Zeithain für rund 480.000 Euro ein Bahnübergang modernisiert werden, der wahrscheinlich in wenigen Jahren wieder verschwindet. Allerdings denke die Bahn über eine Ersatzmaßnahme nach. Wie sie aussehen könnte, darüber werde derzeit noch abgestimmt, so die Bahnsprecherin. Die Umsetzung dieser Planung sei erst nach dem notwendigen Genehmigungsverfahren sowie dem Abschluss einer Finanzierungsvereinbarung endgültig gesichert.

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