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Koselitzmarkt - immer noch beliebt

Von dem großen Spektakel von einst ist ein kleiner Jahrmarkt geblieben. Aber er hat nach wie vor seine treuen Besucher und Händler. Auch diesmal wieder.

Marlies Weidner (MItte) ist mit ihren Schuhen schon seit vielen Jahren auf dem Koselitzmarkt mit von der Partie.
Marlies Weidner (MItte) ist mit ihren Schuhen schon seit vielen Jahren auf dem Koselitzmarkt mit von der Partie. © Sebastian Schultz

Koselitz. Ohne Körbe? Das geht gar nicht! Der Stand von Holger Kreße ist eine Institution auf dem Koselitzmarkt. "Schon mein Opa Alfred war hier und hat Waren verkauft", erzählt der Korbmacher aus Lampertswalde. Seit 1926 ist das kleine Familienunternehmen mit von der Partie, wenn jedes Jahr am ersten Freitag im Juli neben dem Sportplatz Markttag ist.

Früher hatte sein Großvater auch Leitern verkauft, was ihm den Spitznamen "der Leitermann" einbrachte. Die Kletterhilfen hat Kreße diesmal nicht mit im Angebot, aber dafür reichlich von Hand geflochtene Körbe. Denn gelernt ist gelernt.

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Vieles, was er im letzten Jahr hergestellt hat, steht bereit, um endlich verkauft zu werden. "Viele Märkte sind wegen Corona ausgefallen", sagt er. "Das war keine einfache Zeit." Seit vier Wochen darf er wieder auf Märkte fahren und seine Körbe und andere Hauswaren anbieten. Er ist deshalb froh, dass die Gemeinde Röderaue an der langen Tradition des Koselitzmarktes festhält. Und das hoffentlich noch lange. Wenigstens bis 2026. Dann wär die Korbmacherfamilie aus Lampertswalde 100 Jahre auf dem Koselitzmarkt. So lange wie kein anderer Händler hier.

Der Lampertswalder Korbmacher Holger Kreße steht in einer langen Tradition. Seit 95 Jahren bietet seine Familie auf dem Koselitzmarkt Waren an.
Der Lampertswalder Korbmacher Holger Kreße steht in einer langen Tradition. Seit 95 Jahren bietet seine Familie auf dem Koselitzmarkt Waren an. © Sebastian Schultz

Das bestätigt auch die Mitorganisatorin Silke Petrasch. Sie hatte noch am Morgen besorgt gen Himmel gesehen. Denn es regnete wie aus Gießkannen. "Zum Glück hat es rechtzeitig aufgehört und die Leute kommen trotzdem", sagt die 51-Jährige. Tatsächlich füllt sich das Marktgelände ab 10 Uhr immer mehr. Die meist älteren Besucher scheinen auf den Koselitzmarkt sehnsüchtig gewartet zu haben. Für viele Koselitzer und ihre Gäste aus den umliegenden Dörfern gehört er jedes Jahr einfach dazu.

Nicht wenige verbinden damit persönliche Erinnerungen. So wie Dana Ickert. "Als ich noch zur Schule ging, war an diesem Tag immer Zeugnisausgabe", erzählt die 54-Jährige. "Und danach ging es sofort auf den Koselitzmarkt." Bis zur Wende war er ein echter Besuchermagnet. "Da standen die Verkaufsstände bis ins Dorf runter", sagt sie. Tausende Leute bevölkerten den kleinen Ort. Denn hier gab es oft Dinge, die man sonst in der DDR kaum erhielt.

Besser als aus dem Internet

Und das Internet war auch noch nicht erfunden. "Da konnte niemand von zu Hause aus bei Amazon einkaufen", sagt Marlies Weidner. Die Röderauerin gehört ebenfalls zu den Urgesteinen auf den Koselitzmarkt. Seit 1972 ist sie auf Jahr- und Wochenmärkten unterwegs. Ursprünglich als Schaustellerin, seit den 1990er-Jahren mit einem Verkaufsstand. Angefangen hatte sie mit Spielzeug. Später wechselte sie ins Schuhgeschäft und ist bis heute dabei geblieben.

Marlies Weidner gehört zu den bekanntesten Gesichtern auf den Wochenmärkten in der Region. Regelmäßig ist sie in Riesa, Nünchritz, Gröditz, Elsterwerda und Bad Liebenwerda dabei. "Ich fahre immer im Kreis um die Kirche herum", witzelt sie. Aber der Koselitzmarkt sei nach wie vor etwas Besonderes. Auch, wenn er schon bessere Zeiten erlebt hat.

"Der Heimatverein hat hier früher viel losgemacht mit Dumper-Rennen und Konzerten", erzählt sie und erinnert sich, dass ihr Stand meistens nah an der Bühne war und sie sich immer beim Aufräumen beeilen musste, damit am Abend ein Open-Air-Konzert stattfinden konnte.

Andreas Voigt besucht noch immer gern den Koselitzmarkt. Früher gehörte er zu denen, die Matthias Reim und die damals noch unbekannte Helene Fischer nach Koselitz holten.
Andreas Voigt besucht noch immer gern den Koselitzmarkt. Früher gehörte er zu denen, die Matthias Reim und die damals noch unbekannte Helene Fischer nach Koselitz holten. © Sebastian Schultz

Zufällig kommt Andreas Voigt vorbei. Der 73-Jährige gehörte zu den Mitgliedern des ehemaligen Heimatvereins. Sie ließen den Koselitzmarkt ab Mitte der 1990er-Jahre wieder aufleben und machten ihn weithin berühmt. Nicht zuletzt durch Auftritte u. a. von Matthias Reim, Rednex und Antonia aus Tirol.

Auch Helene Fischer war 2006 in Koselitz. Damals hatte sie gerade ihr erstes Album herausgebracht und war ein absoluter Neuling im Schlagergeschäft. "Wir hatten im Vorfeld von allen Seiten richtig Schelte gekriegt, weil niemand wusste, wer das ist", erinnert sich Voigt lachend. Nach Helenes Auftritt schimpfte niemand mehr. Denn der heutige Schlagerstar begeisterte das Publikum mit ihrem, nach eigenen Angaben, ersten längeren Konzert.

Knapp 6.000 Euro soll der 45-minütige Auftritt von Helene Fischer gekostet haben, weiß Voigt. Heute müsste man wohl das 20-Fache bezahlen. Matthias Reim, der im selben Jahr die Hauptattraktion auf dem Koselitzmarkt war, kostete 12.000 Euro. Unvergessen, wie er freiwillig sein Konzert später als geplant begann, weil im großen Festzelt das "Sommermärchen"-Fußballspiel Deutschland gegen Portugal übertragen wurde. Die DFB-Elf gewann 3:1 und holte bei der WM 2006 Bronze. - Lang ist es her.

"Wir wollten auch mal die Puhdys nach Koselitz holen", erzählt Voigt. Doch aus Sicherheitsbedenken wurde nichts daraus. Es gab nur einen Fluchtweg - und zwar die Zufahrt zum Sportplatz. Und das sei dem Management der Kult-Rocker zu heiß gewesen.

Über solche Dinge brauchen sich die Organisatoren der Gemeinde Röderaue heute keine Gedanken zu machen. Die Zeiten, dass der Koselitzmarkt vier Tage lang Tausende Menschen anzieht, sind seit mehr als zehn Jahren vorbei. Dennoch bleibt die Erinnerung daran und die Hoffnung, dass es mit ihm auch in den nächsten Jahren weiter geht. "Denn es gibt ihn seit vor Menschengedenken. So steht es jedenfalls in der Chronik", sagt Voigt. - Zumindest bis 2026 muss der traditionelle Koselitzmarkt erhalten bleiben, damit Holger Kreße sein 100. Familienjubiläum feiern kann.

Anita Knepper war wieder mit ihrer Gulaschkanone dabei und verkaufte u.a. auch sächsische Flecke. Das SZ-Urteil: richtig lecker!
Anita Knepper war wieder mit ihrer Gulaschkanone dabei und verkaufte u.a. auch sächsische Flecke. Das SZ-Urteil: richtig lecker! © Sebastian Schultz

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