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Krippenspiele stehen auf der Kippe

Corona macht vieles anders. Auch Kirchgemeinden bereiten sich auf ungewöhnliche Weihnachten vor.

Die Figuren der Weihnachtsgeschichte schmücken in der Adventszeit viele Kirchen und Häuser. Aber wird es am Heiligen Abend auch Krippenspiele geben?
Die Figuren der Weihnachtsgeschichte schmücken in der Adventszeit viele Kirchen und Häuser. Aber wird es am Heiligen Abend auch Krippenspiele geben? © Jörg Richter

Region. Gottesdienste sind in der Regel keine Massenveranstaltungen. Die meisten von ihnen sind eher spärlich besucht. Nur an besonderen Feiertagen wie Ostern, Pfingsten, Erntedankfest und dem Totensonntag, der am kommenden Sonntag gefeiert wird, finden sich mehr Christen in den Kirchen ein als sonst.

Doch an einem Tag im Jahr sind die Gotteshäuser rappelvoll: zu Weihnachten. Dann kommen auch die Leute in die Kirche, die mit Gott normalerweise nichts oder wenig am Hut haben. Denn in vielen Familien, seien sie christlich oder nicht, ist es Tradition, am Heiligen Abend in die Kirche zu gehen, um sich das Krippenspiel anzusehen. Nicht selten wird es dann eng, rücken die Menschen zusammen, weil der Andrang so groß ist, dass die Plätze kaum reichen.

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Doch das wird in diesem Jahr nicht möglich sein. Wegen der Corona-Pandemie muss jetzt schon jede zweite Kirchenbank frei bleiben, um den Mindestabstand von 1,5 Meter einzuhalten. Die Kirchgemeinden richten sich momentan auf besondere Bedingungen am 24. Dezember ein.

Gröditz: Bitte Plätze für die Christmette reservieren

So informierte jetzt der Gröditzer Pfarrer Christian Thiele, dass es zu den Weihnachtsfeiertagen in den Kirchen Gröditz, Frauenhain und Nauwalde zu Einschränkungen in der Platzanzahl und zu einer platzbezogenen Datenerhebung zur Kontaktnachverfolgung kommen kann. "In diesem Fall wären die Plätze insbesondere in den Gottesdiensten am Heiligen Abend leider begrenzt", so Thiele.

In der hiesigen evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde hat man sich deshalb Gedanken gemacht, wie man dem zu erwartenden Andrang zuvorkommen kann. Die Lösung sind Platzkarten. Sie können ab sofort im Pfarramt für den gewünschten Gottesdienst am Heiligen Abend telefonisch (035263 68150) oder per Mail ([email protected] oder kg.frauenhain.evlks.de) reserviert werden.

Für die Krippenspiele am Heiligen Abend in Koselitz, Merzdorf, Nauwalde, Nieska und Spansberg, die ebenfalls zum Gröditzer Pfarrgebiet gehören, sind bisher keine Voranmeldungen nötig. Auch für alle anderen Gottesdienste in der Adventszeit sei das nicht vorgesehen. "Aber auch dort kann es passieren, dass nur eine begrenzte Platzanzahl zur Verfügung steht", sagt Thiele. "Sollte das so sein, tut uns das leid."

Zeithain: Eventuell kleines Krippenspiel im Freien

Auch in der evangelisch-lutherischen Christuskirchgemeinde Zeithain hat man sich früh Gedanken gemacht, wie Weihnachten in den Kirchen in diesem Jahr aussehen kann. Immerhin gibt es auf dem Gebiet, das sich über die Gemeinden Zeithain, Glaubitz und einen Großteil von Nünchritz erstreckt, 14 Gottesdienststätten. In fast allen sind Krippenspiele geplant.

"Aber momentan können die Krippenspieler nicht proben", sagt Pfarrerin Grit Skriewe-Schellenberg. Die Kinder und Jugendlichen kommen meist aus verschiedenen Hausständen und dürfen sich während des Lockdowns nicht treffen.

Bereits im Oktober haben sich die hiesigen Pfarrer, Krippenspielleiter und Kirchenmusiker über mögliche Alternativen unterhalten. "Denn eins ist klar, wir haben diesmal nicht so viele Plätze wie immer zur Verfügung", so die Pfarrerin. Zeitgleich werden weit weniger Besucher in die Kirchen passen als sonst zu Weihnachten.

In Zeithain wird überlegt, das Krippenspiel eventuell ins Freie auf den Kirchhof zu verlegen. "Aber das hat auch seine Tücken", sagt Grit Skriewe-Schellenberg. Kinder rennen rum; man trifft Bekannte, die man lange nicht mehr gesehen hat, will mit ihnen ins Gespräch kommen. Da würden Abstandsregeln möglicherweise nicht eingehalten.

Glaubitz und Strehla: Offene Kirchen am Heiligen Abend

In Glaubitz wird darüber nachgedacht, in diesem Jahr auf das übliche Krippenspiel ganz zu verzichten. Stattdessen soll die Kirche von Mittag bis zum Abend geöffnet sein, damit die Menschen wenigstens die Möglichkeit erhalten, zu Weihnachten in die Kirche zu gehen, um innezuhalten für ein Gebet, eine Andacht, ein paar Weihnachtslieder. Wenn schon kein Krippenspiel, dann soll wenigstens das Lied "Stille Nacht, Heilige Nacht" erklingen. Möglicherweise soll statt des Krippenspiels einfach nur die Weihnachtsgeschichte vorgelesen werden.

Auch die Strehlaer sollten sich darauf einrichten, dass es in diesem Jahr kein Krippenspiel geben wird. In der nächsten Ausgabe des Kirchenblattes bleibt im Gottesdienstkalender der 24. Dezember diesmal offen. Noch ist nicht entschieden, wie der Heilige Abend in der Strehlaer Kirche ausgestaltet wird. Möglicherweise nach einem ähnlichen Prinzip wie in Glaubitz. Das hänge nicht zuletzt davon ab, welche Einschränkungen es nach dem 30. November geben wird. "Wir versuchen aber, etwas auf die Beine zu stellen, so weit es uns erlaubt ist", heißt es aus dem Strehlaer Pfarramt.

"Es gibt viele Ideen", sagt Grit Skriewe-Schellenberg. "Wir sind selber gespannt, was letztlich rauskommt." Wenn es überhaupt Krippenspiele geben wird, dann in abgespeckter Variante mit viel weniger Rollen. Aber eins soll erhalten bleiben: der festliche Charakter der Weihnachtsgottesdienste.

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