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Kritik am Arena-Weihnachtsmarkt

Das Adventstreiben in der großen Halle statt im Klosterhof? Das sorgt für Fragen – nicht nur wegen des Infektionsschutzes.

Selbst, wenn die Eisbahn wie hier beim Tag der Sachsen 2019 in der Sachsenarena steht, ist noch viel Platz. Platz genug für einen Weihnachtsmarkt mit Corona-Abständen. Das Vorhaben von Stadt und FVG begeistert aber längst nicht jeden.
Selbst, wenn die Eisbahn wie hier beim Tag der Sachsen 2019 in der Sachsenarena steht, ist noch viel Platz. Platz genug für einen Weihnachtsmarkt mit Corona-Abständen. Das Vorhaben von Stadt und FVG begeistert aber längst nicht jeden. © Eric Weser

Riesa. Es wäre eine Premiere: Wegen der Corona-Pandemie soll Riesas Weihnachtsmarkt einmalig vom beschaulichen Klosterhof in die Sachsenarena umziehen. Daran arbeiten die Stadt und ihre Tochtergesellschaft FVG, die die Arena betreibt und auch den Weihnachtsmarkt organisiert.   

In Riesa und Umgebung stößt die Idee nicht nur auf Gegenliebe. „Ein Weihnachtsmarkt gehört nicht in geschlossene Räume“, schreibt Nutzer Mirko Steiner im Sozialen Netzwerk Facebook. Mario Gretzschel geht es weniger ums Flair als darum, dass es in geschlossenen Räumen eher zu Ansteckungen kommen kann.

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Dass eine Übertragung von Sars-CoV-2 möglich ist, wenn viele Personen in ungenügend belüfteten Innenräumen zusammenkommen, darauf weist auch das Robert-Koch-Institut hin. „Im Rahmen der Covid-19-Pandemie ist es daher ratsam, derartige Situationen zu vermeiden“, heißt es auf der Webseite der Behörde. Die Aerosole, durch die es zur Übertragung kommen kann, könnten aber durch regelmäßiges Lüften verringert werden.

Neuer Schlag für Innenstadthändler?

Ob wegen der Atmosphäre oder aus Hygienegründen: Viele Kommentatoren sind für einen Riesaer Weihnachtsmarkt im Freien. Eine Möglichkeit sei der Platz vor der Arena, wo es auch genug Parkplätze gebe, findet Mirko Steiner. Romantischer sei aber der Rathausplatz. Beide Plätze halten auch andere Nutzer für geeignet. Sebastian Rácz bringt außerdem den Boulevard ins Spiel: „Unsere schöne lange Hauptstraße würde sich doch super anbieten dafür.“

An die dortigen Läden denkt auch CDU-Stadtrat Kurt Hähnichen, den die Arena-Variante für den Markt auch nicht begeistert. „Wer denkt dabei an die Händlerschaft in der Innenstadt?“ fragt er. Die ohnehin wirtschaftlich gebeutelten Geschäfte seien auf den Passantenstrom angewiesen, der sonst in der Adventszeit auf dem Weg zur Klosterweihnacht die Hauptstraße hinauf- und hinabflaniert. „Leider gab es im Vorfeld überhaupt keine Gespräche mit dem Händlerverein HGV“, sagt Hähnichen.

Er hätte sich gewünscht, dass es eine Variante gibt, die das Thema berücksichtigt. In der Tat war nichtöffentlich auch geprüft worden, den Weihnachtsmarkt unter Corona-Bedingungen auf der Hauptstraße abzuhalten, da der Klosterhof selbst zu klein für die Abstandsregelungen sei. Allerdings sei die Hauptstraße zu lang, um sie wegen der Zugangsregelungen mit Zäunen vernünftig absperren zu können, dazu kommt das Thema der fehlenden Toiletten – von denen es in der Arena reichlich gibt. „Die Einzelhändler kümmern sich das ganze Jahr darum, dass die Hauptstraße belebt ist“, ärgert sich Stadtrat Hähnichen. „Ich kriege jetzt schon wütende Anrufe.“

Hauptsache Buden, Musik und Glühwein

Stadt und FVG verweisen bei ihrer Planung für die Arena auf Sicherheits- und Platzaspekte: Unter anderem ist die Halle abschließbar, und auch bei Wahrung der Abstandsregeln bietet sie Raum für an die 1.000 Besuchern gleichzeitig. Für winterlich-weihnachtliches Flair soll die Eisbahn und passende Beleuchtung sorgen.

Zur Belüftung erklärt die FVG auf Nachfrage, dass diese beim Sonderkonzert der Elbland Philharmonie Mitte Juli „ausreichend unter Hygienebestimmungen getestet und von den örtlichen Behörden als der aktuellen Situation angepasst befunden“ worden sei. Ob die Belüftung bei einem möglichen Weihnachtsmarkt noch durch zusätzliche Türöffnungen unterstützt werde, solle bei der Planung mit dem Gesundheitsamt noch besprochen werden, so FVG-Sprecher Tobias Czäczine.

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Nutzerin Rosi Christ fragt derweil bei Facebook in Richtung der Kritiker eines Arena-Weihnachtsmarkts, ob denn auch mal jemand an die Kinder gedacht habe. Denen sei egal, wo der Markt stattfinde, ist sie überzeugt. „Hauptsache bunte Buden, Weihnachtsmusik und alles, was noch dazu gehört.“ (SZ/csf/ewe)

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