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Notbetreuung: Gemeinden üben Kritik

Erst am Freitag entschied sich, wer seine Kinder ab Montag noch in der Kita betreuen lassen darf. Selbst die Gemeinden sprechen von einer Zumutung.

Wie läuft in den Kitas die Notbetreuung ab - und wer kann sie in Anspruch nehmen?
Wie läuft in den Kitas die Notbetreuung ab - und wer kann sie in Anspruch nehmen? © Kristin Richter

Riesa/Großenhain. Das kurze Zeitfenster zwischen Beschluss der Kita-Schließungen und deren Inkrafttreten hat in und um Riesa und Großenhain für Kritik gesorgt. Während die Leiterin des Amts für Bürgerservice in Riesa am Donnerstag noch diplomatisch von einer "Herausforderung für die Träger" sprach, wurde Zeithains Hauptamtsleiter Ronny Werner am Freitag deutlich.

Für ihn sei es eine Zumutung gewesen, dass die Eltern erst am Montag erfahren sollten, wer seine Kinder in den Kitas abgeben darf und wer nicht. „Wie sollen sie denn so schnell die Unterschrift ihrer Arbeitgeber einholen?“, fragt Werner. Deshalb hatte er sich sofort, nachdem am Mittwoch der Entwurf für die aktualisierte Corona-Schutzverordnung vom Sächsischen Städte- und Gemeindetag verbreitet wurde, direkt mit einer Beschwerde an die Landesregierung gewandt. „Ich hoffe, dass ich nicht der Einzige war“, sagt Werner.

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Offenbar nicht. Der Unmut aus den Gemeindeverwaltungen und den Kitas muss enorm gewesen sein. Denn bereits am Donnerstagabend fand er auf der Corona-Informationsseite des Freistaates Sachsen die Liste der systemrelevanten Berufe, die ursprünglich erst am Freitagnachmittag veröffentlicht werden sollte. Dazu gab es auch das Formular zur Erklärung der Notbetreuung. „Das haben wir am Freitagmorgen an unsere Kitas in Zeithain und Kreinitz verteilt, damit die Eltern noch eine Chance haben, sie ihren Arbeitgebern vorzulegen, falls sie eine Notbetreuung für ihre Kinder wünschen“, sagt Zeithains kommissarischer Verwaltungschef. Ihm ist aufgefallen, dass Berufe wie Bankmitarbeiter oder Rechtsanwälte nicht mehr als systemrelevant gelten wie noch beim ersten Lockdown im Frühjahr.

Details entscheiden sich erst Montag

Am Montag werden noch alle Erzieherinnen in den beiden Zeithainer Kitas arbeiten. Doch die Gemeindeverwaltung will sich mit den Kita-Leiterinnen abstimmen, wie viele Erzieherinnen tatsächlich für die Zeit des Lockdowns gebraucht werden. Möglicherweise könnte man einige ins Homeoffice schicken, um etwa die Portfolio-Ordner zu aktualisieren. „Dazu müssen sie ja nicht in der Kita sein“, so Werner. Eine Entscheidung darüber soll aber erst im Laufe der nächsten Woche gefällt werden, wenn die Kitas genau wissen, wie viele Kinder sie zu betreuen haben.

In den Kitas der Diakonie Meißen – etwa in Wildenhain, Skäßchen, Strauch und Ponickau – versuchen laut Geschäftsführer Hans-Georg Müller alle Beteiligten, sich am Frühjahr zu orientieren, als es bereits einen Lockdown mit Notbetreuung gab. „Wir müssen ja erst – wegen der Berufsgruppen usw. – konkret die Ministerrunde am Nachmittag abwarten“, so Müller gegenüber der SZ am Freitagmittag. Mit den Eltern halte man ständig Kontakt, sie kommen ja täglich zweimal in die Einrichtungen. Außerdem gibt es die Aushänge. Was das Mittagessen angeht, so ist die Küche im Seniorenzentrum Helene Schmieder in Großenhain, die auch die Diakonie-Kitas versorgt, „in diesen Zeiten total auf Flexibilität getrimmt“, so der Geschäftsführer. „Es wird nur das Essen geliefert und in Rechnung gestellt, das am gleichen Tag für das Kind bestellt wird.“

Kürze der Zeit ist "unglücklich"

Wie die Stadt Großenhain auf Nachfrage mitteilt, seien die Eltern von der bevorstehenden Schließung der Einrichtungen ab Montag primär über die Medien informiert worden, ebenso über die geplante Notbetreuung. Wie die eigentliche Umsetzung ab Montag in den Einrichtungen stattfinde, teilen die Träger den Eltern mit. Dies geschehe über soziale Medien, E-Mails, Elternbriefe, Aushänge, persönliche Kommunikation. Die Essenversorgung muss laut Sprecherin Diana Schulze mit den jeweiligen Anbietern abgeklärt werden, denn es gibt keine eigene Einrichtung, die selber Essen kocht. „Wahrscheinlich werden nicht mehr diverse Auswahlessen angeboten oder Sonderessen“, so die Sprecherin. „Es kann auch unter Umständen das Essen in Assietten geliefert werden, um den Personaleinsatz vor Ort zu reduzieren.“

Die Kürze der Zeit zur organisatorischen Umsetzung sei natürlich für alle beteiligten Personengruppen sehr unglücklich. Diana Schulze: „Die Personen-Sorgeberechtigten müssen nach Veröffentlichung der neuen Corona-Schutzverordnung zunächst prüfen, ob sie in eine systemrelevante Berufsgruppe fallen und dann kurzfristig die Bestätigung des Arbeitgebers einholen.“ Sei dies nicht der Fall, müssten die Eltern die Betreuung der Kinder zu Hause organisieren. Die Einrichtungen müssten in der kommenden Woche die Anträge auf Notbetreuung bewerten und nach der Kinderzahl, die dann tatsächlich anwesend ist, das Personal planen. „Es ist ein enormer Kraftaufwand für alle Beteiligten.“

Gabriela Mentzer ist Kitaleiterin in der Villa auf dem Kirschberg in Riesa. Aus ihrer Sicht genügt die Groborientierung, die am Donnerstag veröffentlicht wurde.
Gabriela Mentzer ist Kitaleiterin in der Villa auf dem Kirschberg in Riesa. Aus ihrer Sicht genügt die Groborientierung, die am Donnerstag veröffentlicht wurde. © Sebastian Schultz

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In der Riesaer Kita Villa auf dem Kirschberg blickt Leiterin Gabriela Mentzer gelassen auf die nächste Woche. Schon am Donnerstag hatte ihre Einrichtung alle bis dahin bekannten Informationen auf der hauseigenen Internetseite zusammengestellt, samt nötiger Dokumente. „Es fehlt nur noch der Beschluss, die Groborientierung gibt es“, sagt Gabriela Mentzer. Sie rechnet am Freitagvormittag nicht damit, dass sich an der Zahl zu betreuender Kinder gegenüber dem Frühjahr allzu viel ändern wird. Trotzdem sei die Situation jetzt natürlich eine andere. „Wir haben jetzt ganz andere Zahlen.“ Weil in vielen Einrichtungen mittlerweile Kolleginnen in Quarantäne mussten, sei die Belastung eine ganz andere. Es sei deshalb auch höchste Zeit, dass mehr passiert, um die Pandemie auszubremsen. Grund zur Panik sei das aber nicht, betont Mentzer. „Hektik ist das, was wir am wenigsten gebrauchen können!“

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