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Von Hackern, Punks und Klassenfahrten

Eine Jury aus Riesaer Jugendlichen hat die besten Buch-Neuerscheinungen gekürt. Über den Sieger können alle jungen Leser entscheiden.

Ein halbes Jahr lang suchten sie Kandidaten für den Leserpreis des Buchsommers - nun durften sich die Riesaer Jurymitglieder selbst mit einem Buch belohnen.
Ein halbes Jahr lang suchten sie Kandidaten für den Leserpreis des Buchsommers - nun durften sich die Riesaer Jurymitglieder selbst mit einem Buch belohnen. © Sebastian Schultz

Riesa. Ist die große Zeit der Fantasyromane vorbei? Jedenfalls legt das ein Blick auf die Bücher nahe, die Jugendliche aus Riesa und Umgebung jetzt für den Leserpreis des Buchsommers nominiert haben.

Aus fast 50 Neuerscheinungen sollte die 20-köpfige Jury ihre Favoriten küren. Am Montag wurden im Haus am Poppitzer Platz die zehn Werke vorgestellt, die bei den Lesern am besten ankamen. Und da ging es eben kaum um Bücher im Stile der Harry-Potter-Romane - obwohl die in der Bibliothek nach wie vor gefragt sind.

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Stattdessen erzählen die meisten der Kandidaten für den Leserpreis von internationalen Hackergruppen, der Flucht in virtuelle Realitäten und oder dem Aufwachsen im Leipzig der 90er-Jahre - einer Gesellschaft im Umbruch, zwischen Punks und Neonazis. Sie greifen auch ernste Themen auf, etwa den Umgang mit sozialen Netzwerken, Mobbing oder Homosexualität. Da kommt Tamara Bachs Geschichte "Sankt Irgendwas" über eine aus dem Ruder gelaufene Klassenfahrt noch vergleichsweise harmlos daher. Gefallen hatte den Juroren daran vor allem der ungewöhnliche Erzählstil.

Durch den Buchsommer-Auftakt führte Moderator und Poetry-Slammer Nils Straatmann.
Durch den Buchsommer-Auftakt führte Moderator und Poetry-Slammer Nils Straatmann. © Sebastian Schultz

Zwei Titel aus dem Fantasy-Genre haben es dann doch in die engere Wahl der Riesaer Jury geschafft. Statt von Zauberlehrlingen erzählen die von sagenumwobenen Manuskripten und einem jahrhundertealten Fluch.

Für die Jurymitglieder, die ein halbes Jahr lang gelesen, diskutiert und schließlich ihre zehn Favoriten in kurzen Videoeinspielern präsentiert hatten, gab's am Ende noch ein kleines Büchergeschenk.

Welche Autorin am Ende den Preis gewinnt, entscheiden die Teilnehmer des Buchsommers selbst: Wer bei der Leseaktion mitmacht, kann aus den zehn Büchern selbst abstimmen und einen Favoriten vorschlagen.

Auf die zehn Kandidaten ist die sachsenweite Leseaktion allerdings nicht beschränkt. Laut Bibliotheks-Teamleiterin Susan Bazylak stehen rund 400 Bücher zur Auswahl. Wer mitmacht und während des Buchsommers mindestens drei gelesen hat, bekommt ein Zertifikat. Mehr als 200 Schüler aus Riesa und Umgebung machten 2020 mit, dazu kam die neue Aktion der "Lesemäuse" für die Jüngeren. Die könnte in ihrem zweiten Jahr gleich eine neue Bestmarke aufstellen: Schon jetzt liegen die Anmeldezahlen nur noch knapp unter denen von 2020.

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