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Fast 2.000 Besucher bei Riesaer Gruftführungen

Mehr als zwei Monate lang war die Begräbnisstätte in der Klosterkirche geöffnet. Kirchenvorstand Michael Herold zieht ein Fazit.

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Michael Herold bei einer der Führungen durch die Klosterkirche und die beiden Grüfte. Fast 2.000 Menschen haben sich in nicht ganz drei Monaten die Begräbnisstätten angesehen.
Michael Herold bei einer der Führungen durch die Klosterkirche und die beiden Grüfte. Fast 2.000 Menschen haben sich in nicht ganz drei Monaten die Begräbnisstätten angesehen. © Eric Weser

Riesa. Nur in unregelmäßigen Abständen ist die Riesaer Klostergruft für die Öffentlichkeit zugänglich - und entsprechend groß ist dann das Interesse. Das war auch diesmal nicht anders. Von Ende August bis zum 13. November habe man rund 200 Führungen angeboten und fast 2.000 Besuchern einen Blick in die Begräbnisstätten ermöglicht, erklärt Kirchenvorstand Michael Herold auf Nachfrage.

Die Führungen durch die Klosterkirche und die beiden Grüfte wurden begleitend zur Ausstellung "Memento Mori" angeboten, die im Stadtmuseum die Ergebnisse einer vierjährigen Forschungsarbeit rund um die Riesaer Mumien abbildet.

Den Menschen "die eigene Endlichkeit wieder ins Gedächtnis zu rufen", das sei ein wichtiger Ansatz der Führungen durch die Begräbnisstätten, so Herold. Zu Zeiten, in denen über Glauben, Tod und Sterben wenig gesprochen werde, seien sie eine gute Gelegenheit, Besucher zum Nachdenken anzuregen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Ihm seien besonders die Schulklassen und Konfirmandengruppen in Erinnerung geblieben, sagt Michael Herold. Die Kinder und Jugendlichen seien mit Unbefangenheit und Neugier an die sensiblen Themen herangegangen.

Drei Kinder innerhalb weniger Tage verloren

Auch bei den Erwachsenen haben die Führungen ihr Ziel nicht verfehlt: "Manche Gespräche der Besucher verstummten beim Anblick der vielen, viel zu früh verstorbenen Kinder in der Felgenhauer-Gruft. Die Geschichte der Familie, die plötzlich, innerhalb weniger Tage, drei ihrer Kinder verloren hatte, bewegte dabei besonders. Und sie erinnerte an Zeiten, als die Menschen schrecklichen Infektionskrankheiten noch völlig hilflos ausgesetzt waren." Der Bezug zur Corona-Situation sei dabei schnell hergestellt und manch einer habe wohl bemerkt, dass es doch gut sei, heute über die medizinischen Möglichkeiten zu verfügen, die dies verhindern können.

Ein Höhepunkt aus Michael Herolds Sicht war der Besuch der Nachkommen des letzten Riesaer Rittergutsbesitzers Kurt Heinrich von Welck in Riesa. Sie kamen zur Ausstellungseröffnung im Museum und besuchten die Klosterkirche am 4. September. Bei den rund 60 Familienmitgliedern sei auch die alte Verbundenheit mit Riesa spürbar gewesen.

Keine Gruft-Begehungen in den kommenden Jahren

"Über die anregenden Gespräche, den äußerst interessanten Gedankenaustausch zur Familiengeschichte sowie über die Wertschätzung dieser Arbeit sind wir unsererseits der Familie von Welck sehr dankbar." In den Führungen hatten Michael Herold und seine Mitstreiter aus der "Gruftgruppe" auch an das soziale Engagement der Familie von Welck erinnert, deren Spuren noch heute mit dem Krankenhaus, den Kindergärten und den diakonischen Einrichtungen zu entdecken seien.

Mittlerweile ist es wieder still in den Begräbnisstätten der Klosterkirche. "Die Särge wurden mit Tüchern abgedeckt, um sie vor Staub und Verschmutzung zu schützen", erklärt Michael Herold. Für die nächsten Jahre bleiben die Türen zu den Grüften verschlossen.

Für die acht Mitglieder der Gemeindegruppe, die sich seit Monaten auf die Führungen vorbereitet hatten und an vielen Wochenenden, Abenden und auch tagsüber den Besuchern wissenschaftliche, historische und religiöse Hintergründe vermittelten, bleibt nun wieder mehr freie Zeit für andere Dinge.