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Gut Saathain wagt den Neustart

Nach coronabedingten Ausfällen möchte die Kulturstätte wieder durchstarten. Denn die Einnahmeverluste sind kaum noch tragbar.

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Musiker der Sächsischen Staatskapelle sollten am Sonntag den Jahresauftakt auf Gut Saathain bei Elsterwerda gestalten. Ganz kurzfristig kam am Freitag etwas dazwischen.
Musiker der Sächsischen Staatskapelle sollten am Sonntag den Jahresauftakt auf Gut Saathain bei Elsterwerda gestalten. Ganz kurzfristig kam am Freitag etwas dazwischen. © Chris Seemann

Von Manfred Feller

Röderland. Die Kulturstätten und viele Künstler leiden unter den Corona-Einschränkungen. Auch das Gut Saathain, von einem engagierten Förderverein betrieben, gerät an seine finanziellen Grenzen. Im vorigen Jahr konnten nach Auskunft des Vorsitzenden Joachim Pfützner von 16 Veranstaltungen lediglich sechs zwischen Juli und November stattfinden. Das habe hart eingeschlagen. Noch so ein Jahr, dann könnte es wirtschaftlich sehr, sehr eng werden.

Nach dem erstmaligen Ausfall vor einem Jahr wegen der Coronamaßnahmen sollte der traditionelle Konzertauftakt mit Musikern der Sächsischen Staatskapelle und Gästen am Sonntag (9. Januar) ab 17 Uhr unter 2G-Regeln stattfinden. Das Neujahrskonzert musste nun kurzfristig auf einen anderen Termin gelegt werden. Laut Joachim Pfützner ist ein Ensemblemitglied vom Gesundheitsamt in eine 14-tägige Quarantäne geschickt worden. Der neue Wunschtermin am 23. Januar ist nicht möglich, weil ein Musiker dann einen anderen Auftritt hat. Das Konzert soll nun am Sonnabend, 29. Januar, um 19 Uhr, nachgeholt werden. Gekaufte Karten bleiben gültig.

„Wir sind noch nie als Superspreader aufgetreten“, sagt Joachim Pfützner. Das heißt, dass die Hygienemaßnahmen erfüllt wurden. Das Publikum wisse um seine Verantwortung und sei diszipliniert.

Der Förderverein hat auch für dieses Jahr ein anspruchsvolles Programm auf die Beine gestellt. Künstler wie Tino Eisbrenner, denen wegen der Corona-Maßnahmen bereits zweimal abgesagt werden musste, wurden erneut eingeladen. Der Sänger wird mit seinem Quartett am 27. November auftreten.

Die Qualität der Kulturstätte Gut Saathain und die Sachkunde des teilweise weit anreisenden Publikums habe sich in Künstlerkreisen herumgesprochen. „Im Osten haben wir schon einen guten Ruf. Saathain ist inzwischen bekannt. Wir haben heute viel mehr Anfragen, als wir in unser Programm aufnehmen können“, so Joachim Pfützner. Sängerin Uschi Brüning, die schon mehrfach in Saathain aufgetreten ist, habe mal mit Blick auf die große Leistung des „kleinen Dorfvereins“ gesagt: „Zu euch müsste man mal das Fernsehen schicken.“ Längst werden auch Ton und Licht professionell in Szene gesetzt.

Gut Saathain liegt acht Kilometer nördlich von Gröditz, nur ein kleines Stück von Elsterwerda entfernt.
Gut Saathain liegt acht Kilometer nördlich von Gröditz, nur ein kleines Stück von Elsterwerda entfernt. © Manfred Feller

Joachim Pfützner ist mit seinen Kontakten zu den Künstlern der entscheidende Programmmacher mit dem Gespür für das, was das Publikum wünscht. „Wir sind auf dem Dorfe. Nur mit Klassik- und Orgelkonzerten würden wir Schiffbruch erleiden. Deshalb bieten wir einen bunten Strauß aus verschiedenen Genres in hoher Qualität“, so der Vereinsvorsitzende. Er selbst sei Klassikfreund, aber ansonsten breit aufgestellt. So freue er sich in diesem Jahr beispielsweise auch sehr auf den Gundermann-Abend am 16. Oktober und auf die Eric-Clapton-Tribute-Band am 6. November.

Ein Blick auf das Jahresprogramm des Kulturgutes Saathain im Internet lohnt sich auf jeden Fall. Und auch das rechtzeitige Bestellen von Eintrittskarten. Am 30. Januar schaut die Neue Bühne Senftenberg mit „Country Crash“ vorbei. Zum Valentinstag gibt es am 14. Februar Kabarett. Der Fernsehmoderator, Autor und Schauspieler Max Moor kommt zur 26. Literatour zwischen Elbe und Elster am 27. März nach Saathain. Es wird wieder ein Rock’n’Roll- und Musikfrühstück geben (10. April) und auch das Frühlingskonzert zum Muttertag am 8. Mai mit den hier nicht unbekannten „Les Troizettes“. Premiere als Spielstätte hat das Gut beim Internationalen Puppentheaterfestival im Elbe-Elster-Land am 18. September.

Die einzige Gratisveranstaltung 2021 war das erstmals angebotene Schwarz-Weiß-Picknick mit Musik im Grünen. „Das war sehr gut. Wir hatten mit 40 bis 50 Gästen gerechnet. Es kamen aber etwa 200“, sagt Joachim Pfützner. Eine Wiederholung ist deshalb fest eingeplant. Für die Musik am 24. Juli sorgt Monsieur Pomadour mit Gipsy Swing. Allerdings kostet der Eintritt diesmal zehn Euro.

Nach zwei Jahren Corona hätten es viele Künstler schwer. „Die Künstler wollen wieder unter die Leute. Wenn sie nicht mehr auftreten können, verschwinden sie aus der Wahrnehmung“, so Joachim Pfützner.

Bei vielen Veranstaltungen landauf, landab war wegen der Hygienebestimmungen die Platzkapazität gesenkt worden. Trotzdem wurden oft nicht alle Karten verkauft. Joachim Pfützner macht sich Gedanken: „Ich habe die große Sorge, dass sich bei den Menschen die Gewohnheiten auf längere Zeit ändern. Sie gehen weniger aus dem Haus und vermeiden Kontakte. Das wird der Kultur zu schaffen machen.“

Der Förderverein Gut Saathain hat über viele Jahre mit Geld aus mehreren Töpfen eine Perle geschaffen, braucht aber die Einnahmen aus den Veranstaltungen, zuletzt ohne Bewirtung. Jeder unverschuldete Ausfall ist deshalb ein Schlag. „Wir leben von unseren finanziellen Reserven“, heißt es. Irgendwann seien die letzten aufgebraucht. Der Verein hatte für 2020 als Corona-Hilfe 6.000 Euro erhalten und wolle rückwirkend auch für 2021 Hilfe beantragen. Ohne die andauernde Unterstützung der Stammgäste, des Landkreises Elbe-Elster und der Sparkassenstiftung Elbe-Elster gehe es nicht. (LR)

  • Karten für das verschobene Auftaktkonzert bleiben gültig. Eine Erstattung ist nur gegen Vorlage/Einsendung der Eintrittskarten als Beleg möglich. Tickets sind nach wie vor erhältlich: Telefon 03533 819245, montags, donnerstags und freitags zwischen 10 und 12.30 Uhr sowie dienstags von 14 bis 17 Uhr oder online unter www.gut-saathain.de