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Riesa: Was wird aus den Konzerten der Elbland-Philharmonie?

Reichlich Karten waren für die geplanten Auftritte in Riesa, Meißen, Neustadt verkauft worden. Aber jetzt ist erst einmal Spielpause. An Alternativen wird gearbeitet.

Von Christoph Scharf
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Carola Gotthardt ist Geschäftsführerin der Elbland Philharmonie Sachsen. Im Probensaal in Riesa-Gröba liegen die Noten bereit. Doch wird sie jemand spielen?
Carola Gotthardt ist Geschäftsführerin der Elbland Philharmonie Sachsen. Im Probensaal in Riesa-Gröba liegen die Noten bereit. Doch wird sie jemand spielen? © Sebastian Schultz

Riesa. Die Orchesterstühle sind bereitgestellt, die Mitarbeiter aus dem Notenarchiv haben die Noten für das geplante Weihnachtskonzert mit Tom Pauls erst vor zwei Tagen sorgfältig bereitgelegt. Aber die Musiker der Riesaer Elbland-Philharmonie werden nicht spielen: Lockdown für die Kultur bis 12. Dezember. Ein Gespräch mit Geschäftsführerin Carola Gotthardt zur aktuellen Situation.

Werden die Tom-Pauls-Termine denn noch nachgeholt?

Nachgeholt werden die Konzerte nicht, wir haben ja keine freien Termine. Tom Pauls natürlich auch nicht. Das eine Konzert mit Tom Pauls wird planmäßig am 23. Dezember stattfinden, wenn es die Infektionslage ermöglicht. Ebenso alle anderen bereits fest eingeplanten.

Wie geht es denn Ihren Kollegen im Orchester?

Im Orchester hatten wir kaum Krankheitsfälle. Unter den 75 Musikern haben wir auch eine recht hohe Impfquote, etwa 80 Prozent. In Corona-Zeiten haben wir meist ohnehin nur in kleinerer Besetzung gespielt.

Jetzt droht nun womöglich wieder Kurzarbeit ...

Ja. Aber schlimmer ist die Lage noch für die vielen Freiberufler, die an unseren Konzerten quasi „dranhängen“: Tontechniker etwa, Solisten, Aushilfen. Für die bedeuten Konzert-Absagen erhebliche Einbußen. Wir haben zuletzt zwar Ausfallhonorare gezahlt, aber das macht nur einen Bruchteil des normalen Verdienstes aus. Das Thema Gesundheit geht allerdings vor. Falls wir wider Erwarten doch spielen dürfen, ist jedenfalls alles vorbereitet.

Unter welchen Bedingungen wären Konzerte denn wieder denkbar?

Vermutlich mit einer 2G-Plus-Regelung. Besucher müssten also geimpft oder genesen sein und zusätzlich einen tagesaktuellen Coronatest absolvieren. Und die Karten waren ohnehin so verkauft worden, dass Abstände im Publikum eingehalten werden. Sie waren alle übrigens ziemlich gefragt.

Und wie sind die Regeln im Orchester?

Wer von den Musikern nicht geimpft ist, macht alle 48 Stunden einen PCR-Test. Das ist praktisch nicht so ganz einfach, weil wir nicht jeden Tag im selben Haus proben, sondern mal hier am Verwaltungssitz in Riesa, mal in der Stadthalle, mal in den Landesbühnen, mal in einer Kirche. Aber wer alle 48 Stunden getestet wird, bei dem wird eine Infektion entdeckt, bevor sich eine hohe Virenlast ansammelt. Das Testkonzept hat sich bewährt. Wir erkennen frühzeitig positive Fälle. In der Tat hatten wir bereits einige infizierte Kollegen.

Aber PCR-Tests sind doch ziemlich teuer, zuletzt um die 130 Euro pro Test ...

Wir haben da zum Glück eine gute Kooperation mit den Elblandkliniken, sie sind ja genauso wie wir eine kreisgetragene Gesellschaft. Der Chefarzt des dortigen Labors hat sich sehr um uns gekümmert und hier auch eine Schulung zu den Tests gemacht, so dass wir sie bei uns im Haus abnehmen können. Dazu gibt es auch eine Betriebsvereinbarung. Mit dieser Regelung hatten wir eigentlich gehofft, über den Winter kommen zu können.

Wie steht es um die Motivation der Musiker?

Sie brauchen es unbedingt, das Geprobte auch aufführen zu können! Wer als Musiker viel Arbeit in die Vorbereitung steckt, braucht auch den Zuspruch des Publikums. Und nun sieht es schon wieder so aus, als ob das Geprobte gar nicht aufgeführt werden kann. Immerhin waren die Konzerte im Sommer gut besucht. Die Leute wollen Kultur, das hat man gemerkt. Und nun ist auch die Frage, was aus den vielen Weihnachtsoratorien wird: Auch die Chöre müssen wohl umplanen.

Ja, wie geht es nach dem Lockdown aus Ihrer Sicht weiter?

Und gibt es jetzt einen Probenbetrieb?Jetzt proben wir zunächst nicht in großer Besetzung, aber in kleiner kammermusikalischer Besetzung „Hänsel und Gretel“ für die Landesbühnen. Die Proben mit einem größeren Orchester sind für 14 Tage ausgesetzt. Sollten wir nach dem 12. Dezember auch nicht mehr spielen dürfen, werden wir Streaming-Konzerte für Weihnachten vorbereiten. Letztens hatten wir das zu Ostern bereits angeboten, und es war sehr erfolgreich. Zumindest eine kleiner Ausgleich.