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Riesaer Kulturgut wird ausgebaut

In Gostewitz gibt es noch ein letztes Konzert – dann steht fast anderthalb Jahre anderes auf dem Programm.

Jan Giehrisch hält das Wohnkulturgut Gostewitz am Laufen. Die Scheune im Hintergrund soll jetzt für rund 150.000 Euro ausgebaut werden.
Jan Giehrisch hält das Wohnkulturgut Gostewitz am Laufen. Die Scheune im Hintergrund soll jetzt für rund 150.000 Euro ausgebaut werden. © Sebastian Schultz

Riesa. Jan Giehrisch kann wieder lächeln: Nach einem folgenschweren Einbruch schaut der Macher vom Riesaer Wohnkulturgut Gostewitz wieder nach vorn. "Viele Helfer haben uns in kleinen und großen Beträgen insgesamt 5.000 Euro zukommen lassen, manche drückten uns auch so ihre Unterstützung aus", sagt der Riesaer. Zwar fehlen damit noch einige Tausend Euro – war bei dem Einbruch im August doch Veranstaltungstechnik im Wert von 18.000 Euro verschwunden. "Aber wir werden uns mit geliehener Technik und viel Arbeit weiter voran kämpfen."

Diese Woche steht noch eine letzte Veranstaltung auf dem Programm – danach wird es rund anderthalb Jahr keine Bühnenkonzerte mehr im Riesaer Ortsteil geben. Denn der Ausbau der Veranstaltungsscheune drängt. "Dafür bekommen wir einen Gutteil Fördergeld, das aber an einen Fertigstellungstermin Ende 2022 gebunden ist", sagt der 43-Jährige. Und die Erfahrung der vergangenen Jahre habe gezeigt: Wenn Veranstaltungen anstehen, komme man durch die Vor- und Nacharbeiten kaum noch zu Bauarbeiten auf dem Dreiseitenhof.

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Nach dem Umbau soll die Scheune auch für Hochzeiten und Firmenveranstaltungen nutzbar sein. Geplant ist auch der Einbau einer kleinen Empore.
Nach dem Umbau soll die Scheune auch für Hochzeiten und Firmenveranstaltungen nutzbar sein. Geplant ist auch der Einbau einer kleinen Empore. © Sebastian Schultz

Erfahrungen mit dem Grundstück hat der Steinmetz und Bildhauer reichlich: 1999 war er in Gostewitz eingezogen, damals noch als Zivildienstleistender und Mieter eines Landwirts. "Vor allem ältere Leute lebten hier, einmal die Woche kam der Käseverkaufswagen – es war sehr ruhig." Später lernte er seine Partnerin kennen, dann kam ein Kind zur Welt und die Familie pflanzte einen Baum auf dem Hof. "Dann wussten wir: Wir wollen hier nicht mehr weg", sagt der Freiberufler. Er wagte es, den Hof zu kaufen und sich hier Stück für Stück zu verwirklichen. Mit dem Kulturförderverein holte er die Sommerakademie von Riesa aus aufs Land, seit 2012 gibt es hier einen Weihnachtsmarkt, immer wieder Livemusik und Auftritte etwa vom Kabarett-Duo "Zärtlichkeiten mit Freunden".

Gleichzeitig ging es Stück für Stück daran, die Gebäude wieder nutzbar zu machen. "Anfangs war das Scheunendach noch so undicht, dass man das Gebäude nicht betreten konnte", sagt Giehrisch. Mit der Unterstützung durch Fördergeld gelang es, das Dach zu erneuern und eine Solaranlage zu installieren, seitdem lassen sich auch in der Scheune Veranstaltungen durchführen. Zuletzt kam noch eine behindertengerechte, zeitgemäße Toilettenanlage dazu.

Ein Problem allerdings blieb: Der Fußboden der Veranstaltungsscheune blieb uneben und staubig, was sich nach jeder Veranstaltung an Kleidung, Kunstwerken, Technik bemerkbar machte. Und – was bis zum August 2021 keine Rolle spielte – die Scheune war nicht wirklich einbruchsicher. Während die Polizei in dem Fall noch immer ermittelt, soll der nun bevorstehende Umbau beide Probleme gleichzeitig lösen.

"Der Fußboden wird mit historischen Materialien ebenerdig und staubfrei gestaltet", sagt Jan Giehrisch. Graupziger Ziegel werden dabei verwendet, Lehm und Holzpflaster. Künftig lässt sich die Halle dann auch vernünftig mit dem Lkw befahren. Das ist wichtig, um die einzigartige, aber tonnenschwere Jazz-Maschine herein- und heraustransportieren zu können: Das ging zuletzt nur mit enorm viel Muskelkraft und der Hilfe des ganzen Dorfes. Die großen, aber einigermaßen labilen Holztore werden durch eine Konstruktion aus Stahl und dickem Glas ersetzt – mit in Richtung Straße zusätzlich vorgesetzten Holztoren, die nachts geschlossen bleiben. "Das Holz wird von innen mit Metall verstärkt, um auch Angriffen mit der Kettensäge widerstehen zu können", sagt Giehrisch. Nur mit solchen Maßnahmen sei es möglich, eine Versicherung samt vertretbaren Beiträgen zu finden. "Dann können wir auch endlich wieder mal in Ruhe in Urlaub fahren."

Bis dahin aber heißt es: Bauen. Auch ein geplantes Benefiz-Konzert für den Ersatz der gestohlenen Technik werde erst nach Wiedereröffnung der Scheune stattfinden können.

Die Holztore der Scheune werden durch moderne Konstruktionen aus Stahl und Glas ersetzt.
Die Holztore der Scheune werden durch moderne Konstruktionen aus Stahl und Glas ersetzt. © Sebastian Schultz

Die Sommerakademie und vielleicht auch der Weihnachtsmarkt würden trotz der Bauarbeiten stattfinden können, aber keine Bühnenauftritte mehr. Zuvor gibt es diese Woche noch eine letzte Gelegenheit für eine größere Veranstaltung: Am Sonnabend, 25. September 2021, gibt es ab 16 Uhr erst eine Ausstellung zum Thema "Wendegeschichten", bevor ab 19 Uhr ein Konzert mit der Jazzmaschine geplant ist.

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Aus der Scheune des Wohnkulturgutes bei Riesa verschwindet Musik- und Lichtausrüstung. Der Schaden ist groß – aber die Macher geben sich kämpferisch.

  • Die Ausstellung "Wendegeschichten", zeigt am 25. September ab 16 Uhr Grafiken und Malerei von André Uhlig, Markus Retzlaff, Andreas Garn und Pit Müller sowie Fotoarbeiten von Dirk Gerhold. Der Graffitikünstler Carsten Langer ist mit einer Liveaktion vor Ort, Journalistin Kathrin Schanze hält ihre persönliche Wendegeschichte fest.
  • Im Anschluss findet im Hof das Konzert „Iron Moments Part II“ mit dem Jazz-Schlagzeuger Günter Baby Sommer statt, der die Performance von Micha Winklers Band auf der Jazz-Maschine begleitet.
  • Die Ausstellung ist kostenlos. Für das Konzert (Einlass 18 Uhr) gibt es Tickets im Vorverkauf und an der Abendkasse, www.wohnkulturgut.de.

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