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"Wir haben Verständnis für die Emotionen"

Riesas Weihnachtsmarkt wegen Corona in der Sachsenarena? Das Thema wird seit dieser Woche heiß diskutiert. Der FVG-Chef nimmt dazu Stellung.

Bis 2011 fand Riesas Weihnachtsmarkt auf dem Rathausplatz statt (l.u.), danach im Klosterhof (r.u.). Dieses Jahr könnte er wegen Corona in der Sachsenarena (o.) umziehen – dort ist es auf jeden Fall regensicher.
Bis 2011 fand Riesas Weihnachtsmarkt auf dem Rathausplatz statt (l.u.), danach im Klosterhof (r.u.). Dieses Jahr könnte er wegen Corona in der Sachsenarena (o.) umziehen – dort ist es auf jeden Fall regensicher. © Fotos: SZ/Archiv, Montage: Eric Weser

Riesa. An die Klosterweihnacht hinterm Rathaus haben sich die meisten Riesaer und ihre Gäste längst gewöhnt. Seit acht Jahren findet dort Riesas Weihnachtsmarkt inzwischen statt. Viele erinnern sich aber auch noch an die Jahre davor, als die Buden auf dem Rathausplatz standen. Schon die Verlegung hatte einst für Debatten gesorgt.

Die Diskussion jetzt ist allerdings noch ein ganzes Stück heftiger. Seit diese Woche bekannt wurde, dass der Riesaer Weihnachtsmarkt wegen Corona womöglich nicht mehr unter freiem Himmel, sondern in der Sachsenarena stattfinden könnte, geht es in den sozialen Netzwerken heiß her. "Die Klosterweihnacht gehört einfach in die Stadt und nicht in die Arena", heißt es da. Oder: "Wer möchte denn Glühwein in einer Halle trinken?"

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Einer, der sich das ganz gut vorstellen kann, ist John Jaeschke, Chef der stadteigenen Gesellschaft FVG  – die nicht nur jährlich die Klosterweihnacht ausrichtet, sondern auch Sachsenarena und Stadthalle Stern betreibt. "Wir haben volles Verständnis, dass das Thema Weihnachtsmarkt so viele Emotionen erzeugt und auch breit angelegte Diskussionen entfacht", sagt der FVG-Chef. Das sei derzeit in fast allen Städten Deutschlands so.

Ziel sei und bleibe es, auch 2020 – trotz Corona – in Riesa einen Weihnachtsmarkt auszurichten. Allerdings müsse man sich in dieser "äußerst herausfordernden" Zeit an den Vorgaben der Allgemeinverfügung des Freistaates zum Punkt Weihnachtsmarkt orientieren. "Es handelt sich dabei nicht um Empfehlungen", betont Jaeschke.

Die aktuelle Coronaschutzverordnung umfasst neun A-4-Seiten mit zwar lediglich neun Paragrafen, aber zig Unterpunkten. Und sie gilt auch nur bis zum 2. November – bevor sie vermutlich von neuen Regelungen abgelöst wird.

Geplant werden aber muss so eine Großveranstaltung schon jetzt, heißt es von der FVG. Man könne aber immer nur den aktuellen Sachstand aufgreifen und seine Planungsszenarien darauf ausrichten. "Alles andere wäre unseriös und unprofessionell", sagt John Jaeschke. Und deshalb habe man beschlossen, neben einer Außenvariante für den Weihnachtsmarkt eben auch eine Variante in der Halle zu prüfen. 

Beide Varianten seien aber noch im Rennen. "Wir versuchen bestmöglich, alle Interessenslagen zu berücksichtigen", so der Geschäftsführer. Geprüft habe man neben dem Klosterhof selbst auch einen Weihnachtsmarkt wieder vor dem Rathaus, auf der Hauptstraße oder im Stadtpark. 

Mittlerweile schlagen Riesaer allerdings auch eine Variante im Grube-Stadion vor. Oder eine großflächige Verteilung der Buden entlang der Hauptstraße von Rathausplatz bis Puschkinplatz, wodurch sich der Besucherandrang räumlich entzerren könnte.

Beschränkung des Alkoholkonsums

Der FVG-Chef verweist auf die Allgemeinverfügung des Freistaates, die unter dem Punkt „Hygieneregeln für […] Weihnachtsmärkte“, vorschreibt, dass Vorkehrungen zur Einhaltung des Mindestabstandes zu treffen sind. Dessen Regelungen sind dann wieder unter Paragraf 2, Absatz 2 der Sächsischen Coronaschutzverordnung genau definiert. Demnach sind die Zusammenkünfte des eigenen Hausstandes beziehungsweise Lebenspartners unter dem 1,50-Meter-Mindestabstand auf Angehörige eines weiteren Hausstandes oder auf zehn weitere Personen beschränkt. 

"Zudem ist in der Allgemeinverfügung ein Hygienekonzept vorgeschrieben, was eine räumliche Abgrenzung (Umzäunung des Geländes) zur Besucherlenkung und –beschränkung, eine Erhebung von Kontaktdaten als auch Maßnahmen zur Beschränkung des Alkoholkonsums beinhalten soll", sagt John Jaeschke. Das alles müsse in den Diskussionen des Für und Wider eines Standortes Beachtung finden. "Und glauben Sie uns, das machen wir sehr genau!"

John Jaeschke ist Geschäftsführer bei der FVG Riesa. Die stadteigene Gesellschaft betreibt Arena, Stern, Bibliothek, Museum und Tierpark - ist aber auch für den Weihnachtsmarkt verantwortlich.
John Jaeschke ist Geschäftsführer bei der FVG Riesa. Die stadteigene Gesellschaft betreibt Arena, Stern, Bibliothek, Museum und Tierpark - ist aber auch für den Weihnachtsmarkt verantwortlich. © Sebastian Schultz

Gleichzeitig beachte man bei der weiteren Planung aber auch weitere wichtige Eckpunkte – etwa die Riesaer Eisbahn, die zuverlässig aus der ganzen Region Gäste zum Weihnachtsmarkt nach Riesa lockt. "Die Eisbahn ist für uns auch weiterhin in allen Planungen ein zentrales Element", sagt Jaeschke. Man befinde sich in engem Austausch mit dem Betreiber. Der hatte die Anlage bereits beim Tag der Sachsen in der Arena installiert – was aufgrund des ebenen Bodens einen Aufbau ohne großes Podest drunter ermöglicht, aber höhere Kosten für die Kühlung verursachen könnte.

Was die mögliche Verbreitung von Aerosolen in der Halle angeht, verweist man bei der FVG darauf, dass die Belüftung der Arena bereits bei einem Konzert im Juli unter Corona-Bedingungen von den Behörden geprüft worden sei. Ob man das für einen möglichen Weihnachtsmarkt in der Arena noch optimieren könne, erörtere man mit dem Gesundheitsamt.

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Noch ist also offen, ob es einen Weihnachtsmarkt im Freien oder tatsächlich einen in der Arena geben wird. Viele Kommentatoren betonen allerdings, dass ein Jahr ohne Weihnachtsmarkt in Riesa die schlechteste Variante wäre.

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