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Kunststadt Riesa?

Stahl, Sport, Elbe - das kommt einem beim Stadtnamen in den Sinn. Aber da ist noch mehr, wie eine neue Abhandlung zeigt.

Die "Puppenspielerin" von Jim Whiting ist im Foyer der Sparkasse an der Hauptstraße zu sehen. Weitere Ergebnisse des jüngsten Metallbildhauersymposiums finden sich bei Feralpi, bei Rime und an der Lauchhammerstraße.
Die "Puppenspielerin" von Jim Whiting ist im Foyer der Sparkasse an der Hauptstraße zu sehen. Weitere Ergebnisse des jüngsten Metallbildhauersymposiums finden sich bei Feralpi, bei Rime und an der Lauchhammerstraße. © Sebastian Schultz

Riesa. In der Sparkassenzentrale tanzen die Puppen. Das überlebensgroße stählerne Kunstwerk des Londoners Jim Whiting steht seit wenigen Wochen im Glasfoyer an der Hauptstraße. Das Produkt des Metallbildhauersymposiums ist das jüngste Kunstwerk, das den öffentlichen Raum in Riesa prägt. Aber bei weitem nicht das einzige, wie eine 60-seitige Broschüre zeigt, die dieser Tage erschienen ist.

Auf den Straßen und Plätzen von Gröba und Merzdorf über Weida bis Altriesa tummeln sich mehr als zwei Dutzend Kunstwerke. Manches ist überregional bekannt - wie die stählerne Rieseneiche von Jörg Immendorff an der Berliner Straße. Anderes ist im Alltag kaum zu bemerken, wie die Skulptur vor dem Rohrforschungszentrum von Lutz Peschelt, die den Oberkörper des Riesen-Darstellers Gunter Spies zeigt. Dort - zwischen Vallourec-Werkhalle und Feuerwehr-Hauptwache - kommt so gut wie kein Passant vorbei.

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Der "Tierpark" an der Klötzerstraße stammt von Lutz Peschelt. Er stammt aus dem Jahr 2013, als die Wohnungsgenossenschaft Riesa dort Wohnblöcke sanierte. Zusehen sind unter anderem Vögel, Blumen und eine große Spinne.
Der "Tierpark" an der Klötzerstraße stammt von Lutz Peschelt. Er stammt aus dem Jahr 2013, als die Wohnungsgenossenschaft Riesa dort Wohnblöcke sanierte. Zusehen sind unter anderem Vögel, Blumen und eine große Spinne. © Sebastian Schultz
Das "Liebespaar" findet sich am Seniorenhaus des PBZ Riesa am Hospitalweg. Es stammt vom Keramiker Lothar Sell, der die Skulptur 1973 schuf. 1982 erhielt Sell für sein Wirken den Kunstpreis der DDR. Er wirkte in Meißen und an der Hochschule Burg Giebichenstein.
Das "Liebespaar" findet sich am Seniorenhaus des PBZ Riesa am Hospitalweg. Es stammt vom Keramiker Lothar Sell, der die Skulptur 1973 schuf. 1982 erhielt Sell für sein Wirken den Kunstpreis der DDR. Er wirkte in Meißen und an der Hochschule Burg Giebichenstein. © Sebastian Schultz
Der "Stahlwerker" steht direkt vor dem heutigen Amtsgericht Riesa, wo sich einst die Hauptverwaltung des Riesaer Stahl- und Walzwerks befand. Die lebensgroße Figur stammt von Gerhard Janensch, der Ateliers in Wien und Berlin hatte und 1933 starb.
Der "Stahlwerker" steht direkt vor dem heutigen Amtsgericht Riesa, wo sich einst die Hauptverwaltung des Riesaer Stahl- und Walzwerks befand. Die lebensgroße Figur stammt von Gerhard Janensch, der Ateliers in Wien und Berlin hatte und 1933 starb. © Sebastian Schultz
Das "Riesaer Auge" wurde 2007 von der Riesaer Künstlerin Christiane Balzer-Schreiber zusammen mit Steinmetzmeister Heiko Rudolf geschaffen. Die Skulptur besteht aus sogenanntem Cortenstahl, der laut der neuen Broschüre häufig für Riesaer Kunst verwendet wird.
Das "Riesaer Auge" wurde 2007 von der Riesaer Künstlerin Christiane Balzer-Schreiber zusammen mit Steinmetzmeister Heiko Rudolf geschaffen. Die Skulptur besteht aus sogenanntem Cortenstahl, der laut der neuen Broschüre häufig für Riesaer Kunst verwendet wird. © Sebastian Schultz

Das könnte sich nun aber ändern: Denn das von Lutz Bernhardt und Heike Berthold erarbeitete Verzeichnis stellt nicht nur mehr als 20 Kunstwerke in Bild und Text vor, sondern liefert auch eine Übersichtskarte für einen Kunstspaziergang durch Riesa. Wobei die Route an einem Tag wohl kaum zu schaffen ist, wenn man sich mit jedem Kunstwerk tatsächlich beschäftigen will. In Szene gesetzt wurden sie vom Riesaer Fotograf Sebastian Schultz, der auch für Sächsische Zeitung und sächsische.de fotografiert.

Auffallend ist: In der Stahlstadt besteht ein großer Teil der Skulpturen tatsächlich aus Stahl. Das gilt nicht nur für die Ergebnisse des jüngsten Symposiums, die an der Lauchhammerstraße gegenüber des Güterbahnhofs zu sehen sind. Auch der "Tierpark" von Lutz Peschelt an der Klötzerstraße ist aus Stahl, genauso wie das vom selben Künstler für die Macher der Superenduro-WM geschaffene Motorrad vor der Sachsenarena.

Die Stahlwerker-Figuren am Amtsgericht dagegen sind aus einem anderen Werkstoff: Der "Walzer" und der "Mann am Martinofen" von Gerhard Janensch bestehen aus Bronzeguss - und wurden bereits 1883 aufgestellt - als noch Dampfloks und Pferdekutschen zum Riesaer Stadtbild gehörten. Und der Chemnitzer Bildhauer Karl-Heinz Richter verwendete für seine rundlichen Sumo-Ringer Kunststein, die seit der Eröffnung 1999 vor der Arena stehen. Marmor dagegen findet sich auf dem Puschkinplatz, wo der Dresdner Steinbildhauer Markus Sandner mit der Plastik "Beschützende Hände" einen Entwurf Riesaer Gymnasiastinnen umsetzte.

Noch gar nicht alt, aber schon kunstvoll verrostet: Das Wandrelief an einem Wohnblock des Karl-Marx-Rings nimmt das Motiv von Immendorffs "Elbquelle" direkt gegenüber auf. Es stammt von der Künstlerin Astrid Grauer im Auftrag der Wohnungsgesellschaft Riesa.
Noch gar nicht alt, aber schon kunstvoll verrostet: Das Wandrelief an einem Wohnblock des Karl-Marx-Rings nimmt das Motiv von Immendorffs "Elbquelle" direkt gegenüber auf. Es stammt von der Künstlerin Astrid Grauer im Auftrag der Wohnungsgesellschaft Riesa. © Sebastian Schultz
Der "Schrottschuppen" findet sich an der Werkstatt des Riesaer Künstlers Lutz Peschelt an der Külzstraße. Dort sind an den Fassaden mehrere wechselnde Skulpturen zu entdecken. Peschelt ist seit 1992 freischaffend tätig - und hat auch das Motorrad vor der Arena geschaffen.
Der "Schrottschuppen" findet sich an der Werkstatt des Riesaer Künstlers Lutz Peschelt an der Külzstraße. Dort sind an den Fassaden mehrere wechselnde Skulpturen zu entdecken. Peschelt ist seit 1992 freischaffend tätig - und hat auch das Motorrad vor der Arena geschaffen. © Sebastian Schultz
"Kinder mit Taube" heißt die Skulptur, die seit zwei Jahren vor der Oberschule "Am Sportzentrum" an der Pausitzer Straße zu finden ist. Ursprünglich stand sie vor der heute abgerissenen Bertolt-Brecht-Schule in Weida. Geschaffen hat sie der Riesaer Künstler Helmut Jacob.
"Kinder mit Taube" heißt die Skulptur, die seit zwei Jahren vor der Oberschule "Am Sportzentrum" an der Pausitzer Straße zu finden ist. Ursprünglich stand sie vor der heute abgerissenen Bertolt-Brecht-Schule in Weida. Geschaffen hat sie der Riesaer Künstler Helmut Jacob. © Sebastian Schultz
Der "Storchenbrunnen" hat der benachbarten Schule längst seinen Namen verliehen - obwohl die Schule eigentlich nach Wilhelm Pieck benannt war, als das Kunstwerk von Helmut Jacob dort 1977 aufgestellt wurde. Die Zwei-Tonnen-Skulptur ist aus Bronzeguss.
Der "Storchenbrunnen" hat der benachbarten Schule längst seinen Namen verliehen - obwohl die Schule eigentlich nach Wilhelm Pieck benannt war, als das Kunstwerk von Helmut Jacob dort 1977 aufgestellt wurde. Die Zwei-Tonnen-Skulptur ist aus Bronzeguss. © Sebastian Schultz

Manche Werke prägen das Stadtbild schon seit Jahrzehnten, andere sind ganz neu entstanden, schreibt Riesas OB Marco Müller (CDU) im Vorwort der Broschüre. "Zu allen Zeiten wurden Künstler inspiriert, ihre Gedanken in neuen Werken auszudrücken." Da fänden sich Bezüge auf die Geschichte der Stadt, Politisches, Zwischenmenschliches.

"Für die Broschüre wurde sehr intensive Arbeit geleistet", sagt Kurt Hähnichen vom Handels- und Gewerbeverein, unter dessen Organisation das Druckwerk entstand. Ohne Sponsoren und die kräftige Hilfe von Museumschefin Maritta Prätzel, Grafiker Udo Merzdorf und der Druckerei Polyprint wäre das nicht möglich gewesen. Wer sich die Kunstwerke etwas größer nach Hause holen will, kann das mit einem Kunstkalender für 2021, der parallel dazu mit Fotos von Sebastian Schultz entstanden ist.

Die Broschüre "Kunst im Stadtbild von Riesa" ist in einer Auflage von 1.000 Stück erschienen und wird für einen Schutzpreis von einem Euro ab sofort in der Riesa-Information abgegeben. Der Kunst-Kalender 2021 mit Fotografien Riesaer Kunstwerke ist für 15 Euro ebenfalls in der Riesa-Information an der Hauptstraße zu haben.

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