merken
PLUS Riesa

Lehrernachwuchs dringend gesucht

Der Generationenwechsel an den Schulen ist im Gange, wie ein Beispiel aus Riesa zeigt. Trotzdem könnte sich das Problem verschärfen - vor allem auf dem Land.

Das Gros der Lehrer im Landkreis Meißen ist älter als 55. Während in manchen Schulen der Generationenwechsel vorankommt, fürchtet das Landesamt für Schule und Bildung, dass sich der Lehrermangel eher noch verschärft.
Das Gros der Lehrer im Landkreis Meißen ist älter als 55. Während in manchen Schulen der Generationenwechsel vorankommt, fürchtet das Landesamt für Schule und Bildung, dass sich der Lehrermangel eher noch verschärft. © dpa

Riesa. Sie habe gekämpft, sagt Sylvia Mebus. Fünf ihrer Referendare wollte die Schulleiterin des Werner-Heisenberg-Gymnasiums nach dem vergangenen Schuljahr gern halten. "Es waren viele Gespräche nötig." Bei den fünf Neuen hatte sie Erfolg, sie durften bleiben. "Aber das klappt nicht immer. Zum Teil passt der eigene Bedarf nicht, teils ist er auch an anderer Stelle noch dringender."

Der Lehrermangel ist in ganz Sachsen ein heißes Eisen, und das schon seit Jahren. In und um Riesa ist das nicht anders. Ein Blick auf die Altersstruktur im Landkreis Meißen zeigt: Das Gros der Lehrkräfte ist älter als 55. Es braucht einen gewissen Generationenwechsel - und der ist gerade im ländlichen Raum schwerer zu bewerkstelligen. Sylvia Mebus hat die Erfahrung in den vergangenen Jahren schon öfter gemacht: "Es ist schwierig, Menschen in ländliche Gebiete zu bekommen." Wer wegen des Bedarfs versetzt wird, ist schnell wieder weg. Trotzdem habe ihre Schule sich mittlerweile stark verjüngt, sagt Mebus. "In den vergangenen fünf Jahren haben wir 20 neue Kollegen bekommen." Das sei fast die halbe Lehrerschaft. Die Mehrzahl der Neuen sei zwischen 30 und 40. "Momentan sind wir - toi-toi-toi - gut aufgestellt."

Anzeige
Vernünftige Rendite mit Nachhaltigkeit
Vernünftige Rendite mit Nachhaltigkeit

Einfach, bequem und flexibel in die Zukunft investieren. Langfristig gute Chancen bietet der Anlage-Assistent MeinInvest.

© SZ Grafik

Während acht der jüngeren Kollegen aus Dresden oder Leipzig pendeln, gebe es mittlerweile auch einige, die in den Altkreis gezogen sind. Die Stelle auf dem Land selbst hat ebenfalls ihre Vorzüge, sagt Mebus. Die bessere Zusammenarbeit zwischen Lehrern und Eltern etwa; ebenso die insgesamt freundlicheren Schüler, die weniger soziale Probleme mitbringen. Gleichzeitig bringe jeder neue Lehrer auch frischen Schwung in die Schule . "Sie sind offen für Neues, für neue Lernformen - auch für Interaktives und Technik." Das bedeute nicht, dass das bei den älteren Kollegen zwangsläufig anders sei. Aber die Selbstverständlichkeit sei eine andere. Auf die Mischung komme es am Ende an, auch erfahrene Kollegen brauche jede Schule.

Mehr Bewerber dank Beamtenstatus

Wie sich der kleine Generationenwechsel womöglich auf den Schulausfall ausgewirkt hat, ist derzeit nicht absehbar. Nach Angaben des Landesamts für Schule und Bildung (Lasub) liegen wegen der Pandemie keine aktuellen und belastbaren Zahlen vor. "Die Meldungen zur Unterrichtsausfallsituation sind ausgesetzt", teilt Sprecherin Petra Nikolov mit. Das gleiche gilt für offene Stellen an den Schulen.

Auch eine aufgeschlüsselte Altersstatistik nach Schulformen fehlt derzeit. Die wäre aber insgesamt aussagekräftiger. Denn nach wie vor haben es insbesondere Ober- und Förderschulen schwerer, Lehrer zu finden. Das weiß auch die Leiterin des Werner-Heisenberg-Gymnasiums. "Das ist wirklich ein Problem. Ich sehe da auch einen Nachholbedarf in der Lehrerausbildung." Für die Gymnasien dagegen habe schon die Möglichkeit der Verbeamtung die Situation verbessert. Sie habe jetzt in aller Regel mehrere Bewerber auf eine Stelle, sagt Sylvia Mebus. Früher war sie manchmal froh, wenn sich überhaupt jemand bewarb.

Weiterführende Artikel

Warum wir in Riesa unterrichten wollen

Warum wir in Riesa unterrichten wollen

Was zieht junge Lehrer an eine Schule in der Kleinstadt? Die SZ hat nachgefragt.

Was das Lehrerpaket gebracht hat

Was das Lehrerpaket gebracht hat

Vor einem Jahr hat die Koalition ein Programm beschlossen, um den Lehrerberuf in Sachsen attraktiver zu machen. Ein erstes Fazit.

Im Lasub geht man indes davon aus, dass Lehrermangel insgesamt ein Thema bleiben wird. Nach wie vor gebe es großen Bedarf innerhalb der Naturwissenschaften, bei Informatik, Sport und Musik, sagt Petra Nikolov. Gesucht werden außerdem Lehrkräfte mit sonderpädagogischer Qualifikation. Und gleichzeitig werde das Stadt-Land-Gefälle wohl auf absehbare Zeit ein Thema bleiben, glaubt Nikolov. "Eine Entspannung ist nicht in Sicht, eher eine Verschärfung."

Mehr lokale Nachrichten aus Riesa lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Riesa