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Lindenallee am Elbufer lichtet sich

Vor allem zwischen Niederlagstraße und Gasanstalt wird es zunehmend kahl. Für das Promenadengrün gibt es gute und schlechte Nachrichten.

Die Lindenallee am Riesaer Elbufer wird immer kahler. Laut Stadtverwaltung hat das verschiedene Ursachen.
Die Lindenallee am Riesaer Elbufer wird immer kahler. Laut Stadtverwaltung hat das verschiedene Ursachen. © Eric Weser

Riesa. Der graue Schotter macht es besonders augenfällig: Wo neben der Riesaer Elbstraße einst Bäume in die Höhe ragten, steht jetzt an einigen Stellen – nichts mehr. Besonders auf dem Stück zwischen der Straße An der Gasanstalt und der Niederlagstraße** haben sich die Baumreihen an der Promenade gelichtet.

Sechs von einstmals 28 Linden fehlen inzwischen – immerhin ein Fünftel aller Bäume, die auf dem Stück einmal gepflanzt worden waren. Vor zehn Jahren waren die beiden Reihen noch vollständig, zeigt der Blick auf Luftbilder im Geoportal des Landkreises.

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Was ist in der Zwischenzeit passiert? Stadtsprecher Uwe Päsler nennt auf Nachfrage vier  Ursachen: Vandalismus, Pilzbefall, Sturmschäden und Hochwasser. Bei der Überflutungen hätten die Wurzeln Schäden genommen, so Päsler. 

Tatsächlich stand die Promenade mit ihren einstmals 114 Bäumen mehrfach unter Wasser. Unter anderem im Juni 2013, das dokumentieren zum Beispiel Filmaufnahmen  bei Youtube. Dass manche der Bäume die Elbhochwasser schlecht verkraftet haben, dafür spricht auch eine Veröffentlichung der Bayrischen Landesanstalt für Wald und Fortwirtschaft  von 2017. Dort werden Winter- als auch Sommerlinden zu den Baumarten mit mäßiger beziehungsweise geringer Überflutungstoleranz gezählt. Diverse Pappel- oder Ulmenarten kommen hingegen gut mit Überschwemmungen zurecht, so die Forstbehörde. 

Pilz in gerissenen Stämmen

In Riesa haben die Linden derweil nicht nur mit Hochwasser zu tun, sondern auch noch Stammrisse, in die sich laut Stadt wiederum ein Pilz eingenistet hat. Um weiteren Rissen vorzubeugen, haben die Bäume einen weißen Anstrich erhalten, so Stadtsprecher Uwe Päsler. 

Mit Stammrissen haben laut Experten heimische Bäume mit glatter Rinde zunehmend zu kämpfen – darunter auch Linden. Kommt starke Sonnenbestrahlung hinzu, kann die Rinde platzen, was zu sogenannte Nekrosen führen kann. 

Im Fall der Promenadenlinden zwischen Gasanstalt und Niederlagstraße erscheint das plausibel, zumal zur Sparkasse hin kein Gebäude steht, das bei hoch stehender Sonne aus Süden oder Südwesten Schatten spendet. 

Einzelne Bäume an der Promenade haben mit massiven Stammrissen zu kämpfen. Ihnen könnte die Fällung drohen.
Einzelne Bäume an der Promenade haben mit massiven Stammrissen zu kämpfen. Ihnen könnte die Fällung drohen. © Eric Weser
Je weiter man in Richtung Bootshaus kommt, desto gesünder wirkt das Promenadengrün. 
Je weiter man in Richtung Bootshaus kommt, desto gesünder wirkt das Promenadengrün.  © Eric Weser

Angesichts mancher Bäume, deren Stamm keinen guten Eindruck macht, stellt sich die Frage, ob demnächst noch weitere Fällungen anstehen. Nur in begründeten Fällen, sagt Stadtsprecher Uwe Päsler dazu. "Zum Beispiel nach Stürmen mit starken Astabbrüchen oder bei allgemeinem Nachlassen der Vitalität." Ob diese Vitalität auch durch Gießen erhalten wird? Da die Bäume seit rund 25 Jahre stünden, werde im Allgemeinen "nicht mehr gegossen", heißt es aus dem Rathaus, "aber bei sehr niederschlagsarmen Jahren stehen auch diese Bäume auf der Gießliste."

Ersatz ja, nur wann?

Bleibt die Frage, ob die kahl gewordenen Baumreihen wieder aufgefüllt werden sollen. "Ersatzpflanzungen sind zwischen der Niederlagstraße und Straße An der Gasanstalt zumindest elbseitig geplant, auf der Straßenseite befindet sich eine Trinkwasserleitung", so Stadtsprecher Uwe Päsler. Allerdings sollen es keine Linden mehr werden – eher andere Arten wie Ulmen, die sich, wie es aus dem Rathaus heißt, "aus heutiger Sicht als geeigneter für solche Standorte erwiesen haben." 

Wann genau die neuen Bäume an der Promenade gepflanzt werden sollen, ließ die Stadt vorerst offen. Dass die neuen Gewächse im Zuge der Aktion "Riesa soll grüner werden" eingesetzt werden, ist aber nicht vorgesehen – weil nicht Ersatzpflanzungen, sondern Bepflanzen bisher ungenutzter Flächen das Anliegen der Aktion seien, erklärt Stadtsprecher Uwe Päsler. Fortgesetzt werden soll die Baumpflanz-Aktion wie geplant im Herbst. Über die genauen Flächen würden gerade letzte Abstimmungen laufen, so das Rathaus.

Blick in die Historie (1/5)

Die Promenade am Elbufer entstand Mitte der 1990er Jahre in ihrer heutigen Form. Bis zu dem mehrere Millionen D-Mark teuren Umbau war das Areal zwischen Elbstraße und Ufer eine Brache mit Gleisanschluss. 

Blick in die Historie (2/5)

Riesas Stadtchronik vermeldet für den 8. November 1993: "Als wahre Promenade präsentiert sich seit einigen Tagen die Elbstraße zwischen der Niederlagstraße und dem Riesaer Stadtpark. Nachdem am Elbufer Parkplätze angelegt wurden, ist jetzt auch die Gestaltung der Fußgängerzone in diesem Bereich abgeschlossen".

Blick in die Historie (3/5)

Am 11. Juli 1995 heißt es: "Bis in die Höhe der Straße An der Gasanstalt ist inzwischen die Ufergestaltung in Riesa fortgeschritten ... . Außerdem wurden weitere Parkflächen für PKW geschaffen."

Blick in die Historie (4/5)

Am 2. Mai 1996 ist zu lesen: "Hochbetrieb herrscht am letzten Bauabschnitt der Promenade am Elbufer in Riesa. Wegen des abfallenden Geländes wird eine neue Stützmauer gebaut- auch als Schutz vor Hochwasser. Die dort verlegte Abwasserleitung wird ebenso erneuert. Nach Fertigstellung reicht die Promenade dann vom Bootshaus bis zur Breiten Straße."

Blick in die Historie (5/5)

Und am 23. August 1996 heißt es schließlich: "Baubürgermeister Manfred Colve übergibt an die Riesaer und ihre Gäste den letzten Bauabschnitt der neuen Elbpromenade." Zuvor war die restaurierte Getreidesaugpumpe, die bis 1992 im Riesaer Hafen in Betrieb war, als technisches Denkmal an der Promenade aufgestellt worden. (Quellen)


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Eine Brache mit Gleisanschluss: So sah es zwischen Elbstraße und Elbufer aus, bevor das Areal vor über 25 Jahren zu Promenade und Parkplatz umgebaut wurde.
Eine Brache mit Gleisanschluss: So sah es zwischen Elbstraße und Elbufer aus, bevor das Areal vor über 25 Jahren zu Promenade und Parkplatz umgebaut wurde. © Quelle: Stadtmuseum

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** In einer früheren Version des Artikels ist der betreffende Abschnitt zwischen der Pausitzer Straße und der Straße An der Gasanstalt verortet worden. Richtig ist, dass er zwischen Niederlagstraße und An der Gasanstalt liegt. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen und danken den Hinweisgebern. (SZ)

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