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Lockdown mit Folgen für Riesas Feuerwehr

Weniger Einsätze, kaum noch Ausbildungsdienste: Corona sorgt dafür, dass ein ungewöhnliches Jahr hinter den Kameraden liegt.

Robert Gudat leitet die Riesaer Feuerwehr – und hofft auf einen baldigen Umzug in einen Neubau.
Robert Gudat leitet die Riesaer Feuerwehr – und hofft auf einen baldigen Umzug in einen Neubau. © Stadt Riesa/Uwe Päsler

Riesa. Gerade erst hatte Riesas Feuerwehr einen stundenlangen Großeinsatz – als es galt, ein brennendes Wohnhaus im Ortsteil Nickritz zu löschen. Rund 50 Kameraden waren vor Ort – und damit fast die Hälfte der Riesaer Feuerwehrleute. Am Mittwoch stellte Stadtwehrleiter Robert Gudat die Jahresbilanz 2020 vor. Anders als sonst, kam sie dieses Mal per E-Mail: Die sonst übliche Jahreshauptversammlung war den Corona-Regeln zum Opfer gefallen.

Ohnehin prägte die Pandemie das Jahr auch für die Riesaer Feuerwehr, sagt der Stadtwehrleiter. "Ihr habt es geschafft, euren Einsatzdienst wie gewohnt zu meistern, obwohl ihr auch im Persönlichen und Privaten betroffen und belastet wart", dankt er den Mitgliedern der Feuerwehr, die mit Disziplin und Durchhaltevermögen die Einsatzbereitschaft sicherten. Tatsächlich hatten sich auch Feuerwehrmitglieder mit Corona angesteckt. "Ich hoffe für diesen zum Glück kleinen Personenkreis, dass alle wieder völlig genesen und keine Spätfolgen zu befürchten haben", sagt Robert Gudat.

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Der letzte große Einsatz der Feuerwehr Riesa war erst in der Nacht zum Dienstag - an der Auenwaldstraße in Nickritz, wo ein Wohnhaus brannte.
Der letzte große Einsatz der Feuerwehr Riesa war erst in der Nacht zum Dienstag - an der Auenwaldstraße in Nickritz, wo ein Wohnhaus brannte. © Feuerwehr Riesa

Corona lässt Zahl der Einsätze sinken

Die Jahresbilanz verzeichnet 460 Einsätze, deutlich weniger als 2018 (607) und 2019 (529). Das liegt unter anderem daran, dass es weniger Verkehrsunfälle gab: In Lockdown-Zeiten waren deutlich weniger Menschen unterwegs. Zudem wurde die Region von größeren Unwettern verschont, so dass die Zahl der technischen Hilfeleistungen geringer ausfiel. Sie umfasst mit 277 dennoch 60 Prozent aller Einsätze. Bei Bränden war die Wehr 48 Mal gefordert (2019: 78). Ein Grund für den starken Rückgang lässt sich allerdings nicht nennen.

Drei Einsatzkräfte mehr - aber 55 fehlen

Aktuell hat Riesas Feuerwehr 202 Mitglieder. Positiv ist die Entwicklung bei den aktiven Kräften: Zu den Einsatzabteilungen gehören aktuell 100 Männer und neun Frauen; das sind drei Kräfte mehr als im Vorjahr. In den vier Jugendfeuerwehren Riesa-Stadt, Gröba, Weida und Nickritz sind 37 Mitglieder, darunter 10 Mädchen, dabei. Drei Jugendliche wechselten im Vorjahr in die Erwachsenen-Abteilungen. Wichtig für die Motivation der Jugendlichen: das Herbstlager in Strehla, das mit großem Aufwand und unter strikten Hygieneregeln absolviert werden konnte.

Allerdings wären in Riesa laut Feuerwehrverordnung eigentlich 164 Einsatzkräfte nötig – damit fehlen 55 Einsatzkräfte für die vorgeschriebene Mindeststärke – das war auch schon in den Vorjahren so.

Gesichert wird die Tageseinsatzbereitschaft vor allem durch die hauptamtlichen Kräfte, weil viele Freiwillige außerorts arbeiten und nicht immer verfügbar sind. Die Stadt Riesa investiert trotz enger Kassenlage ins Personal und besetzt noch im ersten Halbjahr zwei weitere Stellen bei den Wachgruppen. "Auf Grund der finanziellen Einbußen der Stadt, welche ebenfalls auf Covid-19 zurückzuführen sind, können die Einstellungen jedoch erst am 1. April sowie zum 1. Juni in die Tat umgesetzt werden", sagt Robert Gudat. In der Hauptstelle werden dann insgesamt 25 Feuerwehrleute tätig sein.

Löblich: Riesa trotz dem bundesweiten Trend der Überalterung bei der Freiwilligen Feuerwehr. Im vergangenen Jahr ist das Durchschnittsalter bei der Einsatzabteilung erstmals gesunken – um zwei auf 38 Jahre.

So entwickelte sich die Zahl der Riesaer Feuerwehrmitglieder und der Einsatzkräfte von 2010 bis 2020.
So entwickelte sich die Zahl der Riesaer Feuerwehrmitglieder und der Einsatzkräfte von 2010 bis 2020. © Quelle: Feuerwehr Riesa

3.000 Ausbildungsstunden weniger

Auch die Ausbildung ist durch Corona erheblich beeinträchtigt. Die 3.717 geleisteten Stunden im Jahr 2020 bedeuten einen Rückgang von fast 3.000 Stunden im Vergleich zum Vorjahr. Während der Lockdowns geht gar nichts mehr. Zudem fallen auch die unter Sachsens Feuerwehren heiß begehrten Lehrgänge an der Landesfeuerwehrschule momentan weg, obwohl die Kapazitäten dort schon in Normaljahren nicht ausreichen. Und weil Feuerwehr nicht nur Ausbildung und teils gefährliche Einsätze bedeutet, blieb in der Pandemie auch das Gemeinschaftsleben auf der Strecke. Veranstaltungen und Feiern sind für die Kameradschaft unverzichtbar. Auch hier bleibt derzeit nur die Hoffnung auf bessere Zeiten.

Neue Kleidung, neue Puppen, neues Auto

Immerhin kann die Ausstattung der Riesaer Feuerwehr peu a peu verbessert werden. Dazu gehörte die Anschaffung neuer Dienst- und Sportbekleidung, aber auch der Umbau der Garagen der Stadtteilwehr Canitz zum Umkleideraum. Dank des Sponsors Feralpi Stahl besitzt die Feuerwehr nun auch zwei professionelle Rettungspuppen für das realistische Training der Personenrettung aus Gebäuden und aus dem Wasser: Eine 60-Kilo-Puppe ist schwimmfähig, so dass Wasserrettungen realistisch trainiert werden können. Der andere Dummy hingegen ist mit seinen 100 Kilogramm eher für realistische Personenrettungen aus verqualmten Bereichen gedacht.

Noch dieses Jahr will Riesa für die Feuerwehr einen neuen Kommandowagen anschaffen. Außerdem wurde vor wenigen Tagen die Ausschreibung für neue Drehleitern europaweit veröffentlicht. Dabei haben sich fünf Städte für eine Sammelbeschaffung zusammengeschlossen. Neben Königsbrück, Radeburg, Nossen und Radebeul ist auch Riesa daran beteiligt. Die Lieferung wird 2022/23 erfolgen.

„Ich hoffe, dass wir bald wieder unseren normalen Alltag aufnehmen und unserem geliebten Hobby nachgehen können“, sagt Wehrleiter Robert Gudat. Immerhin soll in diesem Jahr auch das 30-jährige Bestehen der Hauptstelle am Forschungszentrum gefeiert werden. Gleichzeitig laufen im Hintergrund die Arbeiten für den geplanten Neubau an der Klötzerstraße auf Hochtouren: Dort sollen die Hauptstelle und die Stadtteilfeuerwehr Riesa-Stadt in einen Neubau einziehen. Der auf dem ehemaligen Widmann-Gelände geplante Supermarkt geht auf Kosten des Geländes der Feuerwehr Riesa-Stadt, sagt Gudat. "Das macht es unumgänglich, die Planungen weiter voranzutreiben und möglichst in den Jahren 2023/24 zu realisieren." (SZ/csf)

Eine Puppe als Geschenk: Feralpi-Wehrleiter Christian Dohr (r.) hatte Stadtwehrleiter Robert Gudat vergangenes Jahr unter anderem diese 100-Kilogramm-Übungspuppe übergeben.
Eine Puppe als Geschenk: Feralpi-Wehrleiter Christian Dohr (r.) hatte Stadtwehrleiter Robert Gudat vergangenes Jahr unter anderem diese 100-Kilogramm-Übungspuppe übergeben. © Foto: Feralpi

Das Riesaer Feuerwehr-Jahr in Zahlen

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Die vielen Brände 2019 haben bei Riesas Feuerwehr ein Nachspiel.

  • Mitglieder: 202 insgesamt, davon 109 Einsatzkräfte (Vorjahr: 208/106)
  • Auf die Stadtteilfeuerwehren verteilen sich die Mitglieder so: Stadt 53, Gröba 46, Weida 41, Canitz 21, Nickritz 23, Leutewitz 18
  • Die Jugendfeuerwehr zählt insgesamt 37 Mitglieder, die im Schnitt 13 Jahre alt sind.
  • Elf Arbeitsunfälle wurden 2020 dokumentiert – drei Schnitt-/Schürfwunden, fünf Prellungen/Verstauchungen, eine Blase, zwei Wegeunfälle
  • 2.154 Einsatzstunden wurden in Summe abgeleistet, außerdem 3.717 Ausbildungsstunden – in den Monaten, in denen das erlaubt war.

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