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Lohnen sich die neuen Stromtankstellen?

Die Sachsen-Energie hat zwei Ladesäulen in der Gemeinde Nünchritz errichtet. Der Anteil von E-Autos ist im Landkreis Meißen noch ziemlich gering.

So geht es: Stecker ins Auto und an die Ladesäule. Ein Mechanismus verhindert, dass sie unerlaubt herausgezogen werden können.
So geht es: Stecker ins Auto und an die Ladesäule. Ein Mechanismus verhindert, dass sie unerlaubt herausgezogen werden können. © Sebastian Schultz

Diesbar-Seußlitz. Es ist der berühmte Vorführeffekt. Immer dann, wenn man etwas demonstrieren will, wie gut es funktioniert, klappt es nicht. So geschehen bei der offiziellen Einweihung der Stromtankstelle auf dem Schlossparkplatz in Diesbar-Seußlitz.

Ein E-Auto-Fahrer aus Seußlitz hatte bereits seit Tagen probiert, an der Zapfstelle Strom zu tanken. Aber es gelang ihm nicht. Als er die Vertreter von der Sachsen-Energie AG und den Nünchritzer Bürgermeister Gerd Barthold (CDU) bei dem Pressetermin erspäht, nutzt er die Gelegenheit, um nachzufragen, ob die Stromtankstelle jetzt funktioniert.

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Sofort fährt er mit seinem weißen Skoda Enyaq vor, holt das gelbe Ladekabel aus dem Kofferraum und steckt es an den anthrazitgrauen Kasten. Dann nimmt er sein Smartphone und öffnet eine App, mit der er die Stromtankstelle aktivieren will. Doch weiter kommt er nicht.

Gunnar Schneider, der Kommunalvertriebsleiter der Sachsen-Energie, lädt gerade am anderen Ladepunkt der gleichen Stele werbewirksam seinen Dienstwagen, einen ID3 von Volkswagen, auf. Beim ihm klappt es. Allerdings benutzt er eine Strom-Tank-Karte. Er hält sie an den Kartenlesepunkt. Der Ladepunkt lässt sich öffnen und schon kann das Auto seine Batterien auffüllen.

E-Mobilität noch in den Kinderschuhen

Der Seußlitzer muss dagegen unverrichteter Dinge mit seinem Elektro-SUV wieder davonfahren. Er hofft nun, dass er seine bereits bestellte Strom-Tank-Karte so schnell wie möglich von der Sachsen-Energie AG erhält. Denn sie scheint problemlos zu funktionieren.

Diese Situation zeigt, dass noch vieles beim Thema Elektro-Mobilität in den Kinderschuhen steckt. Trotzdem wird eine Menge Geld ausgegeben, um es voranzubringen. Der Bau einer Stromtankstelle kostet der Sachsen-Energie immerhin rund 10.000 Euro - mit öffentlichen Fördermitteln.

"2012 haben wir mit den ersten Stromtankstellen angefangen", erzählt der Großenhainer Regionalbereichsleiter Tilo Kadner. "Damals waren wir noch die Exoten. Jetzt gehört es zum Tagesgeschäft." Das Tankstellennetz wird deutschlandweit ausgebaut. Die größten Stromanbieter arbeiten dabei zusammen. So können Besitzer mit einer hiesigen Tankkarte auch in anderen Bundesländern bezahlen. Umgekehrt funktioniere das auch, sagt Kadner. Wer zum Beispiel aus Stuttgart in Diesbar-Seußlitz Urlaub macht und sein E-Auto aufladen will, könne das auch mit einer Karte von EnBW.

Bürgermeister Gerd Barthold (links) lässt sich von Gunnar Schneider die Funktionsweise der neuen Stromtankstelle auf dem Schlossparkplatz in Diesbar-Seußlitz erklären.
Bürgermeister Gerd Barthold (links) lässt sich von Gunnar Schneider die Funktionsweise der neuen Stromtankstelle auf dem Schlossparkplatz in Diesbar-Seußlitz erklären. © Sebastian Schultz

Mit den beiden neuen Zapfsäulen in Diesbar-Seußlitz und vorm Nünchritzer Rathaus kann der ostsächsische Stromversorger jetzt auf 65 Stromtankstellen mit 190 Ladepunkten in seinem Einzugsgebiet von Strehla bis Görlitz verweisen. Davon stehen im Landkreis Meißen 16 Ladestationen mit 41 Ladepunkten, so eine Pressesprecherin von Sachsen-Energie. Weitere acht Ladesäulen seien im Landkreis derzeit in Planung, u. a. in Gröditz und Priestewitz.

Die Standorte werden mit den Kommunen abgestimmt, die auch die Parkplätze zur Verfügung stellen. Dabei werden vor allem Orte berücksichtigt, an denen es eine höhere Verweildauer gibt. Im Fall von Diesbar-Seußlitz steht der Tourismus im Vordergrund. Tagesausflügler können ihre E-Autos aufladen, während sie den Schlosspark besichtigen oder in einer der hiesigen Gaststätten essen gehen. Bis zu vier Stunden werden ihnen dafür kostenlos eingeräumt. Sie brauchen keine Parkplatzgebühr wie die anderen zu zahlen.

Der Parkplatz am Schloss ist auch groß genug, so dass die tankenden Elektrofahrzeuge niemandem Platz wegnehmen. Das könnte man bei der Stromtankstelle vorm Nünchritzer Rathaus schon eher vermuten. Doch wie Bürgermeister Barthold bestätigt, seien für die beiden Stromtankstellen-Plätze vier neue normale Parkplätze hinterm Rathaus eingerichtet worden.

Der hiesige Standort sei gewählt worden, weil Besucher hier ebenfalls längere Zeit verweilen können. Allerdings zum Einkaufen, für Behördengänge im Rathaus oder auch zu Veranstaltungen in der nahen Wacker-Sporthalle. - Aber gibt es dafür auch Bedarf?

Laut Barthold würden beide Stromtankstellen vorm Rathaus schon jetzt gut genutzt. Er fragt sich allerdings, ob sie auch in Zukunft reichen werden, wenn der Anteil der Elektrofahrzeuge weiter zunimmt. Gerade in Nünchritz oder in Städten, wo viele Menschen in Wohnblocks leben und keine privaten Ladepunkte haben, könnte es knapp werden.

Davon ist Nünchritz allerdings momentan noch weit entfernt. Wie das Landratsamt Meißen bestätigt, gibt es in der gesamten Gemeinde Nünchritz zwölf reine Elektrofahrzeuge, die ausschließlich mit Strom fahren. Das sind rund 0,3 Prozent aller hiesigen, zugelassenen Kraftfahrzeuge. Im gesamten Landkreis Meißen sind 719 reine Elektrofahrzeuge zugelassen. Das entspricht 0,42 Prozent aller hier registrierten Fahrzeuge.

Das klingt wenig. Aber ein Trend zur E-Mobilität ist deutlich erkennbar. Zum 1. Januar 2010 waren im Landkreis Meißen sieben reine Elektrofahrzeuge zugelassen. Fünf Jahre später 36.

Auch vorm Nünchritzer Rathaus steht eine Stromtankstelle der Sachsen-Energie AG.
Auch vorm Nünchritzer Rathaus steht eine Stromtankstelle der Sachsen-Energie AG. © Sebastian Schultz

Sachsen-Energie ist sich sicher, dass in Zukunft immer mehr Menschen auf Elektro-Fahrzeuge umsteigen werden, auch wenn die Reichweite von nur wenigen Hundert Kilometern noch sehr zu wünschen übrig lässt. Vor allem auf kurzen Strecken seien sie eine Alternative zum herkömmlichen Diesel und Benziner.

Ein Nünchritzer, der nicht genannt werden möchte, bezweifelt das. Er besitzt seit einem halben Jahr selbst ein E-Auto, nutzt zum Aufladen der Batterien aber die Photovoltaik-Anlage auf seinem Eigenheim. Sie liefert kostengünstigeren Strom als öffentliche Ladesäulen. Das sei die einzige Möglichkeit, einen Preisvorteil gegenüber Diesel und Benzin zu erzielen, sagt er. Nur deshalb sei für ihn ein E-Auto interessant gewesen.

Sachsen-Energie verlangt an seinen Stromtankstellen 35 Cent pro Kilowattstunde. Das sei im Vergleich zu anderen Anbietern (50 bis 70 Cent) günstig, so Schneider. Ein Elektro-Kleinwagen benötige je nach Fahrweise 14 bis 20 Kilowattstunden auf 100 Kilometer. Das entspricht rund fünf bis sieben Euro pro 100 Kilometer. - Da kann jeder Diesel-Mittelklassewagen mithalten. Erst recht, weil Elektrofahrzeuge momentan noch viel zu teuer sind - trotz bis zu 9.000 Euro Umweltprämie.

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