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"Wir wollen, dass Riesa ein Mittelzentrum bleibt"

Kurt Hähnichen und Andree Schittko wurden noch einmal in den Vorstand des Handels- und Gewerbevereins gewählt. Ewig wollen sie das aber nicht machen.

Von Christoph Scharf
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Zwei stadtbekannte Gesichter: Centermanager Andree Schittko (62/li.) und CDU-Stadtrat Kurt Hähnichen (74) vom HGV Riesa, der unter anderem die Riesa-Information betreibt.
Zwei stadtbekannte Gesichter: Centermanager Andree Schittko (62/li.) und CDU-Stadtrat Kurt Hähnichen (74) vom HGV Riesa, der unter anderem die Riesa-Information betreibt. © Sebastian Schultz

Riesa. Eigentlich hätte es eine große Party geben sollen: Vor 30 Jahren war der Handels-, Gewerbe- und Verkehrsverein (HGV) Riesa gegründet worden. Doch ein Jubiläum unter Corona-Bedingungen? Sächsische.de sprach darüber mit Andree Schittko und Kurt Hähnichen vom Vorstand.

Herr Hähnichen, Herr Schittko, konnten Sie denn 30 Jahre HGV überhaupt feiern?

Hähnichen: Ja - bei einem Zusammensein in der Gaststätte Humboldtring. Unser Ehrenpräsident Edgar Schröter schaute auf die Anfangsjahre und die Zeit mit Wolfram Köhler zurück und konnte viele Anekdoten beitragen.

Schittko: Die Anfänge der Automeile, ein Bürgerfest mit 3.000 Besuchern im Ernst-Grube-Stadion, die Mittelsachsenschau - das war schon eine spannende Zeit.

Nun gab es auch eine Vorstandswahl ...

Hähnichen: Ja. Der Vorstand aus Andree Schittko, Reiner Striegler, Maritta Prätzel und mir wurde für die nächsten zwei Jahre wiedergewählt. Dazu gehört noch Manuela Leupold, die von der Stadt in den Vorstand delegiert ist. Unser Ziel ist es nun, im Laufe der zwei Jahre neue Frauen und Männer an die Arbeit im Vorstand heranzuführen. Das ist unsere große Herausforderung für diese Amtszeit! Schließlich machen Herr Schittko und ich das schon fast 20 Jahre.

Haben Sie für Ihre Nachfolge schon jemanden im Blick?

Hähnichen: Ja. Aber wir wollen noch keine Namen nennen. Wir möchten gern einen Beirat etablieren, der an den monatlichen Präsidiumssitzungen teilnimmt, um jüngere Leute an die Aufgaben heranzuführen.

Was gehört denn dazu?

Hähnichen: Ein Ziel des HGV ist es, die vielen Aktivitäten in Riesa zu vernetzen. Bei uns ist die Werbegemeinschaft Innenstadt Riesa (WIR) Mitglied, der Stadtbahnverein, der Städtepartnerschaftsverein, der Museumsverein, das Wirtschaftsforum. Da gibt es so viele Überschneidungen.

Schittko: Durch die vielen gemeinsamen Veranstaltungen über die Jahre ist das gut zusammengewachsen, ohne dass die Vereine dabei ihre Eigenständigkeit verlieren. Unser Ziel ist, dass die neuen Vorstandsmitglieder das später beibehalten. Und man darf nicht vergessen: Der HGV ist vergleichbar mit einer kleinen Firma - nicht nur, was den Betrieb der Riesa-Information angeht, sondern auch was die Beträge betrifft, mit denen er umgeht: etwa beim Ticketverkauf für Arena und Stern, für Museumsveranstaltungen oder Fahrkarten für den Nahverkehr. Viele denken beim Thema HGV nur an Riesa-Information und Stadtbahn. Aber da gehört viel mehr dazu.

Nennen Sie doch mal bitte Beispiele ...

Hähnichen: Wir vernetzen die Tourismusanbieter der Region - von Lommatzsch bis zum Elbe-Röder-Dreieck. Wir bringen den Einzelhandel mit der bei uns angestellten Innenstadtmanagerin voran. Und beim Thema Verkehr ist es eben nicht nur die Stadtbahn, sondern auch der Ticketverkauf für Bus und Bahn.

Schittko: Über die Werbegemeinschaft Innenstadt sind wir an der Radwegplanung beteiligt, wir erstellen Radkarten für die komplette Region, bieten über die Riesa-Information Radtouren an. Wir widmen uns Themen, die eine Stadt attraktiv und lebenswert machen! Wir wollen, dass Riesa ein Mittelzentrum in Sachsen bleibt!

Hähnichen: Und wir wollen die Einwohnerzahl Riesas stabilisieren. Noch hat die Stadt gut 29.000 Einwohner, einen weiteren Rückgang gilt es unbedingt zu verhindern. Und auch deshalb bringen wir uns über das Wirtschaftsforum immer wieder zum Thema Verkehrsanbindung aktiv in der Politik ein - ob beim OB oder bei den zuständigen Ministern. Das bleibt auch eine Aufgabe für unsere Nachfolger! Wir möchten aber auch noch jemandem Danke sagen.

Wem denn?

Hähnichen: Den Stadträten! Sie bewilligen uns über die Jahre kontinuierlich die Unterstützung für den Betrieb der Riesa-Information. Das läuft. Dort sind ja auch fünf Frauen beschäftigt. Und so etwas wie die jährlichen Weihnachtspäckchen- oder Kerzenrest-Aktionen wären ohne die auch gar nicht möglich.

Schittko: Der Dank ist berechtigt. Allerdings erbringen wir für das Geld auch Aufgaben, die sonst die Stadt selbst erfüllen müsste.

Hähnichen: Und noch viel darüber hinaus! Die ganzen Feste, bis hin zur Mondscheinführung: Der HGV bündelt die Kräfte der Wirtschaft und die vielen Aktivitäten in Riesa, das ist uns in den vergangenen Jahrzehnten doch sehr gut gelungen - auch wenn nicht alles immer Friede, Freude, Eierkuchen ist.

Was konnte denn dieses Jahr unter Corona-Bedingungen überhaupt stattfinden?

Schittko: Die Cocktail-Meile auf der Hauptstraße kürzlich lief gut. Der große Lampionumzug zum Stadtfest wurde wieder durch uns organisiert; das Wirtschaftsforum und die Automeile mussten leider abgesagt werden.

Und woran arbeiten Sie aktuell?

Schittko: Die Werbegemeinschaft bereitet gerade die Lichtermeile auf der Hauptstraße vor, außerdem soll es einheitlich verlängerte Öffnungszeiten in der Vorweihnachtszeit geben. Die Kerzen- und die Päckchenaktion stehen wieder bevor und auch die Buchlesung mit dem Riesaer Riesen für Kinder in der Sparkasse soll es wieder geben. Und für nächstes Jahr planen wir bereits die zweite Tourismuskonferenz im Frühjahr und wollen nun endlich im dritten Anlauf nach Corona unsere 25. Riesaer Automeile stattfinden lassen. Geplanter Termin ist der 7. Mai 2022.

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels war der Name von Manuela Leupold nicht korrekt angegeben. Wir haben dies korrigiert.