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Riesa

Acrylfarben gehören in den Restmüll

Ab April tourt das Schadstoffmobil durch den Landkreis – wasserlösliche Anstriche werden aber nicht angenommen.

© Eric Weser

„Bitte noch nicht ausladen“, ruft Nehlsen-Mitarbeiter Sven Thieme einem Mann in mittleren Jahren zu. Der ist gerade mit seinem Skoda auf dem Großenhainer Wertstoffhof vorgefahren, um Schadstoffe abzugeben. Ein Blick in den Kofferraum zeigt dann, dass drei Viertel des Inhalts gar keine Schadstoffe sind. Es handelt sich um Plastikeimer mit Acrylfarbresten für Innenräume.

„Das ist der Klassiker“, sagt Sven Thieme. „Wasserlösliche Farben werden in solchen Mengen hergebracht, dass wir es gar nicht bewältigen können.“ Das Schadstoffmobil nimmt zwar Farb-, Lack- und Lösemittelreste an, aber eben nur, wenn sie umweltschädigende Chemie enthalten. Die Kunstharze, die in den meisten Wand- und Fassadenfarben enthalten sind, zählen nicht dazu. „Die Farbe sollte austrocknen und kann dann im Restabfallbehälter entsorgt werden“, erklärt Ilka Knigge vom zuständigen Abfall-Zweckverband Oberes Elbtal. „Die leeren Farbbehälter gehören in den Gelben Sack oder in die Gelbe Tonne.“

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Im April und Mai tourt das Schadstoffmobil wieder durch die Gemeinden des Landkreises Meißen. Eigentlich sind es zwei Fahrzeuge der Entsorgungsfirma Nehlsen, an denen zwei Mitarbeiter den giftigen Müll entgegennehmen. Die Termine und Standorte in den einzelnen Gemeinden sind im Internet unter www.zaoe.de und im Abfallkalender zu finden. Jede Annahmestelle kann genutzt werden, der Wohnort ist nicht ausschlaggebend.

Während der Sammlung werden haushaltstypische Problemabfälle bis zu einer Menge von maximal 30 Liter beziehungsweise 25 Kilogramm entgegengenommen. Dazu zählen zum Beispiel auch Spraydosen mit Restinhalten und Haushaltreiniger. „Leider werden immer wieder Schadstoffe einfach an den Haltestandorten abgestellt, ohne auf das Mobil zu warten“, sagt Ilka Knigge. Das sei untersagt, könnten doch Gefährdungen durch zum Beispiel undichte Behälter für Mensch und Tier nicht ausgeschlossen werden.

Es sei erstaunlich, sagt Sven Thieme, welche Mengen an aggressiven Reinigungsmitteln, Pflanzengiften und anderen Schadstoffen aus DDR-Zeiten noch in den Scheunen und Schuppen des Elblands lagern. In den Dörfern kämen ältere Leute schon mal mit einer Schubkarre Dünger vorbei.

„Einmal brachte eine Frau ein großes Glas mit hochgiftigem Quecksilber“, erzählt der Nehlsen-Angestellte. „Ihre Vorfahren wollten damit nach dem Krieg eine Thermometer-Produktion aufziehen.“ Andere horteten Leinölfirnis gleich fässerweise, weil man nie sicher sein konnte, ob es das Zeug nächste Woche noch zu kaufen gab. Nun, nach über 30 Jahren deutscher Einheit, beräumen die Nachfahren der gelernten DDR-Bürger die Familiengrundstücke – und die Funde landen beim Schadstoffmobil. Dort werden sie säuberlich sortiert, manchmal auch noch auf ihre Inhaltsstoffe getestet und dann wiederverwertet oder in speziellen dafür ausgelegten Anlagen verbrannt.

Corona-Müll übrigens wird am Schadstoffmobil nicht angenommen. Alle Abfälle, die zu Hause von Erkrankten oder Angehörigen in Quarantäne erzeugt wurden – zum Beispiel Mund-Nasen-Schutz, Taschentücher, Hygieneartikel und Bioabfälle – müssen in der Restmülltonne entsorgt werden. Darunter fallen auch die Verpackungsabfälle, wie zum Beispiel Joghurtbecher, aus denen gegessen wurde.

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Die Abfälle dürfen nicht lose in den Restabfallbehälter, sondern müssen zuvor in stabile Müllsäcke verpackt und durch Verknoten oder Zubinden sicher verschlossen werden. Damit soll eine Gefährdung weiterer Nutzer der Restmülltonne und des Personals der Müllabfuhr sowie der Entsorgungsanlagen ausgeschlossen werden. Gebrauchter Mund-Nasenschutz von einem gesunden Menschen gehört ebenfalls in den Restmüll.

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