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Wen stören die Alpakas von Wülknitz?

Anwohner freuen sich über die Tiere. Aber nicht alle. Die Besitzer der Alpakas ärgern sich über anonyme Anzeigen und einen alten Streit mit der Gemeinde.

Kerstin Richter und ihr Schwiegersohn Marcel Tischer füttern ihre Alpakas auf der Wiese hinter dem Reihenhaus, in dem mehrere Familien wohnen.
Kerstin Richter und ihr Schwiegersohn Marcel Tischer füttern ihre Alpakas auf der Wiese hinter dem Reihenhaus, in dem mehrere Familien wohnen. © Jörg Richter

Wülknitz. Luke, Duke und Mercedes geht es tierisch gut. Seit diesem Jahr leben die Alpakas mitten in Wülknitz. Sie haben ausreichend Platz. Viel mehr, als für ihre artgerechte Haltung notwendig wäre. Das habe das Veterinäramt des Landeskreises Meißen bestätigt, sagt Besitzerin Kerstin Richter. 

Die 54-Jährige hat sich zusammen mit ihrer Familie insgesamt vier dieser lama-artigen Tiere angeschafft. Nicht, um mit dem Verkauf der begehrten Wolle reich zu werden. "Ich liebe diese Tiere einfach", sagt Kerstin Richter. Sie seien so sanft und ruhig, schauen mit ihren großen, schwarzen Augen treuherzig. Zudem seien es sehr saubere Tiere, benutzen fürs große Geschäft, anders als Schafe, immer die gleiche Stelle. 

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"Auch viele Nachbarn schauen sich gern unsere Alpakas an", erzählt die Wülknitzerin. Das kann Angelika Zimmermann aus dem benachbarten Wohnblock nur bestätigen. Sie spannt gerade die Wäscheleine auf. "Es ist interessant, den Tieren zuzugucken", sagt die Rentnerin. Sie weiß auch von anderen Mitbewohnern im Haus, dass viele von ihnen gern zum Fenster herausschauen, nur um die Alpakas zu beobachten. "Uns gefällt das, wir haben nichts dagegen." Auch nicht, dass sich die Alpaka-Weide mitten im Ort befindet. 

Nicht der einzige Besuch der Behörden

Doch offenbar gibt es aber jemanden, der nicht so denkt. Schon im April, als es hier noch gar keine Alpakas gab, hatte Familie Richter Besuch vom Veterinäramt und sah sich mit einer anonymen Anzeige konfrontiert. Damals wegen angeblich schlechter Hunde- und Hühnerhaltung. "Die angezeigten Verstöße bestätigten sich nicht", sagt  Landkreis-Sprecherin Anja Schmiedgen-Pietsch. 

Während der Kontrolle hatten die Richters die Meißner Amtstierärzte über die geplante Alpaka-Haltung informiert und abgeklärt, wie eine artgerechte Haltung auf der Wiese hinterm Reihenhaus aussehen sollte. 

Diese Wiese war vor Kurzem wiedermal Thema im Gemeinderat Wülknitz. Bürgermeister Hannes Clauß informierte die Räte darüber, dass die Bielefelder Firma Normbau GmbH das gesamte Grundstück verkauft hat. Neuer Besitzer ist die Familie Richter. Ein Vorverkaufsrecht habe für die Gemeinde Wülknitz nicht bestanden. 

Dabei sollten auf der Wiese am Rande des Wülknitzer Eigenheim-Gebietes weitere Häuser entstehen. Zumindest waren sie ursprünglich im Bebauungsplan vorgesehen und auch schon die entsprechenden Parzellen eingetragen. 

Eine Kiefer spendet den Alpakas Duke (braunes Fell), Luke (hell) und Mercedes (schwarz) ausreichend Schatten an heißen Tagen.
Eine Kiefer spendet den Alpakas Duke (braunes Fell), Luke (hell) und Mercedes (schwarz) ausreichend Schatten an heißen Tagen. © Jörg Richter

Doch viele Jahre tat sich nichts, bis auf die Tatsache, dass einige Bewohner des Reihenhauses, in dem Familie Richter seit 2013 wohnt, ihre kleinen Gärten nach hinten auf die Wiese erweiterten, ohne die Gemeinde zu fragen. Die Firma Normbau hatte ihnen die Erweiterung erlaubt, wenn sie sich um das gesamte Areal kümmerten, damit es nicht verwildert. Für die Gemeindeverwaltung waren diese Erweiterungen nichts weiter als "wilde Gärten." 

"Diese sogenannten wilden Gärten waren schon da, als wir eingezogen sind", sagt Kerstin Richter. Sie kann nicht verstehen, warum die zusätzlichen Einzäunungen für die Gemeindeverwaltung nach wie vor ein rotes Tuch sind, zumal ihre Familie jetzt mit dem Kauf für klare Verhältnisse gesorgt hat. 

Müssen "wilde Gärten" zurückgebaut werden?

Bürgermeister Clauß hatte den Gemeinderat ebenfalls darüber informiert, dass sich nun die Bauaufsichtsbehörde des Landkreises Meißen mit dem Fall beschäftigt. Auf Anfrage der SZ bestätigt Landrat-Pressesprecherin Anja Schmiedgen-Pietsch, dass die Gemeinde Wülknitz das Landratsamt Meißen als zuständige Behörde aufgefordert hat, gegen die wilden Gärten einzuschreiten. Zunächst würde nun eine umfassende Sachverhaltsaufklärung vorgenommen. Nach deren Ergebnissen werden entsprechende Maßnahmen eingeleitet. "Ob ein Rückbau als Mittel zur Schaffung rechtmäßiger Zustände zum Tragen kommt, kann derzeit noch nicht abschließend gesagt werden", so die Pressesprecherin. 

"Es gibt gar keine wilden Gärten mehr", sagt Kerstin Richter. "Wir wollen einfach nur unsere Ruhe." - Immerhin sind die ehemals geplanten Wohnstandorte nicht ganz verloren. Wie die Alpaka-Halterin verrät, beabsichtigen ihre Tochter und ihr Mann, auf einem Teil der Wiese ein Eigenheim zu bauen. Die entsprechende Fläche sei mit Strom, Trink- und Abwasser erschlossen.

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