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Online-Wetten bringen Strehlaer vor Gericht

Ein Mann verzockt im Internet Tausende Euro und versucht dann, sich als Opfer eines Computerbetrugs darzustellen. Nach dem Prozess in Riesa bleiben viele Fragen.

Eine Internetseite lockt mit Angeboten für Sportwetten. Ein Strehlaer stand jetzt vor Gericht, nachdem er eine fünfstellige Summe auf Wettportalen verzockt hatte.
Eine Internetseite lockt mit Angeboten für Sportwetten. Ein Strehlaer stand jetzt vor Gericht, nachdem er eine fünfstellige Summe auf Wettportalen verzockt hatte. © Sebastian Schultz

Riesa/Strehla. Darauf muss man erst einmal kommen: Da taucht ein Mann im Riesaer Polizeirevier auf und will Anzeige wegen Computerbetrugs erstatten. Jemand habe die Kreditkarte, über die er gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin verfügt, missbraucht, um größere Geldbeträge abzuheben. Den Beamten kommt die Sache schon bald nicht ganz geheuer vor. Schließlich erhärtet sich der Verdacht, dass der 41-Jährige die Karte selbst benutzt hat – um Geld bei einem Online-Wettanbieter einzuzahlen.

Mehr als 10.000 Euro verloren

Nun steht Andreas S.* wegen Vortäuschung einer Straftat vor den Schranken des Riesaer Amtsgerichts. Es geht immerhin um mehr als 10.000 Euro, die er in sechs Tranchen verzockt hat. Der Delinquent räumt seine Vergehen auch sofort und uneingeschränkt ein. Das erspart dem Gericht die Anhörung von Zeugen.

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Allerdings bleiben auch die Motive für die Straftat im Dunkeln. Es sei eine Kurzschlusshandlung gewesen, sagt der Angeklagte. Richter Herbert Zapf versucht es mit einer indirekten Frage. Ob er denn heute immer noch Wetten abschließe? Ja, Sportwetten, aber nicht mehr so exzessiv, antwortet Andreas S.

Ob es vielleicht schon Spielsucht war, die den Strehlaer antrieb, bleibt während der Verhandlung offen. Aber der Mann geht einer geregelten Arbeit nach, ist Familienvater und führt auch sonst ein weitgehend bürgerliches Leben. In solchen Fällen hält sich die Justiz mit Einblicken in die sozialen Verhältnisse eher zurück.

Unter normalen Umständen wäre Andreas S. wohl mit einer Geldstrafe davongekommen. Aber da gibt es eine Verurteilung aus dem Jahr 2019, für die die Bewährungszeit noch nicht abgelaufen ist. Der Angeklagte hatte damals in Oppitzsch einen Autofahrer ausgebremst, bedroht und ins Gesicht geschlagen. Er war wegen Nötigung, Körperverletzung und Fahren ohne Fahrerlaubnis verurteilt worden. Die Lunte für unbeherrschtes Handeln ist bei dem Strehlaer offenbar in jeder Hinsicht kurz.

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Ins Gefängnis muss der Delinquent dennoch nicht. Er bekommt zwar noch einmal eine Freiheitsstrafe von sieben Monaten aufgebrummt, die aber erneut zu einer Bewährungszeit von zwei Jahren ausgesetzt wird. Außerdem muss Andreas S. 1.000 Euro an die Diakonie überweisen.

*Name von der Redaktion geändert; in einer früheren Version des Textes war von einem anderen Vornamen die Rede

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