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Auf halbem Weg zwischen zwei Großstädten

Von Glaubitz und Nünchritz kommt man schnell nach Dresden wie nach Leipzig – wenn der Zug fährt.

Wirtschaft, Wohnen und Verkehr: ein Blick vom Industriegebiet Glaubitz über das Rohrwerk nach Zeithain. Die Nähe zu Arbeitsplätzen wird im Familienkompass gelobt.
Wirtschaft, Wohnen und Verkehr: ein Blick vom Industriegebiet Glaubitz über das Rohrwerk nach Zeithain. Die Nähe zu Arbeitsplätzen wird im Familienkompass gelobt. © Sebastian Schultz

Glaubitz/Nünchritz/Zeithain. Moritzburg und Meißen bieten die schöneren Postkartenmotive. Aber die Gemeinden Glaubitz, Nünchritz und Zeithain haben auch ihre Vorteile. Von Nünchritz etwa kommt man stündlich mit dem Zug direkt in die Großstädte Dresden und Leipzig – mit 39 Minuten oder 52 Minuten Fahrzeit. Damit der Zug künftig noch etwas schneller fährt, wird derzeit allerdings gebaut, so dass die Woche über in Glaubitz und Nünchritz meist Schienenersatzverkehr herrscht.

Entscheidend bleibt, dass der Zug auch künftig in Glaubitz hält, sagt Bürgermeister Lutz Thiemig (parteilos). Für eine ländliche Region erhalten die drei ostelbischen Gemeinden bei der Familienkompass-Umfrage jedenfalls vergleichsweise gute Noten für die Verkehrsanbindung. 

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Auch wenn Zeithains Bürgermeister Ralf Hänsel (parteilos) da noch Verbesserungsbedarf sieht: Zwar hat Zeithain selbst einen Haltepunkt an der Bahnstrecke Riesa-Elsterwerda. „Aber in den ländlichen Ortsteilen sieht die Anbindung anders aus.“ Dort wünsche er sich als künftiger Landrat schon, dass der Busverkehr ausgebaut werde – auch wenn das immer ein Spagat zwischen der Höhe der Kosten und der Zahl der Nutzer sei.

Immerhin: Man könne mit den Bus-Anbietern reden. Erst kürzlich stellte die Verkehrsgesellschaft Meißen (VGM) auf Anfrage eine Buslinie um, damit auch die Kinder aus dem Zeithainer Ortsteil Neudorf früh rechtzeitig in die Oberschule nach Nünchritz kommen. Denn eine eigene weiterführende Schule hat Zeithain seit Jahren nicht mehr, nur noch eine Grundschule. 

Gut ist auch die Bahn-Anbindung in den ostelbischen Gemeinden – wie am Haltepunkt Nünchritz. Allerdings wird auf der Bahnstrecke Dresden-Leipzig gerade gebaut.
Gut ist auch die Bahn-Anbindung in den ostelbischen Gemeinden – wie am Haltepunkt Nünchritz. Allerdings wird auf der Bahnstrecke Dresden-Leipzig gerade gebaut. ©  Archivfoto: Sebastian Schultz

Auch die Glaubitzer Kinder müssen früh über die Gemeindegrenze – und gehen hauptsächlich nach Nünchritz in die Schule. Beim Familienkompass kritisieren Teilnehmer die Höhe des Unterrichtsausfalls, loben aber den Zustand der Schulen. Und tatsächlich können sich sowohl die Grundschulen in Zeithain und Nünchritz als auch die Nünchritzer Oberschule sehen lassen.

Recht ordentlich ist auch die Bewertung des Kita-Angebots: Fast jeder scheint einen Platz in seiner Wunsch-Kita zu bekommen. Massiv kritisiert wird allerdings die Höhe der Elternbeiträge. Dafür hat der Glaubitzer Bürgermeister kein Verständnis. „Wenn man mehr Komfort in der Kita wünscht, eine höhere Bezahlung der Erzieher und einen besseren Betreuungsschlüssel, ist es logisch, dass die Gebühren steigen“, sagt Lutz Thiemig. Die Gemeinde, die selbst eine Kita unterhält, könne nur das ausgeben, was sie einnimmt – und müsse auch einen Anteil auf die Eltern umlegen.

Auch in Zeithain mussten zuletzt die Elternbeiträge für die Krippe angehoben werden: Dort hatte es die Gemeinde mit dem geänderten Betreuungsschlüssel begründet – der liegt nun bei fünf Kindern pro Erzieher. Gleichzeitig waren die Beiträge für Kindergarten und Hort leicht gesunken.

© SZ Grafik
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Ein weiterer Kritikpunkt vieler Teilnehmer des Familienkompasses ist die ärztliche Versorgung im Gebiet von Zeithain/Glaubitz/Nünchritz. Lutz Thiemig schätzt sie für Glaubitz besser ein. „Wir haben zwei Allgemeinärzte im Ort, Zahnärzte sind in Nünchritz zu finden und das Riesaer Krankenhaus ist auch nicht aus der Welt.“ 

Sein Amtskollege aus Zeithain bestätigt, dass auch viele Zeithainer nach Riesa zum Arzt gehen. „Tatsächlich gilt unsere Region aber medizinisch als unterversorgt“, sagt Ralf Hänsel. Viele Einwohner hätten sich damit jedoch schon seit Jahren arrangiert, so sein Eindruck aus vielen Gesprächen, etwa bei Rentnergeburtstagen. Dennoch: „Im ganzen Landkreis ist bei der medizinischen Versorgung noch viel zu tun“, sagt der künftige Meißner Landrat.

Das sagen Umfrageteilnehmer

„Das Essengeld in der Kita ist viel zu hoch für das, was die Kleinen essen“, sagt eine Nünchritzerin.

Die Grundstückspreise seien zu hoch. „Bauen wollen wir gern. Aber nicht um jeden Preis.“
Der Schulbus kostet Geld, anders als im früheren Wohnort im Vogtlandkreis, sagt eine Frau aus Nünchritz. „Aber insgesamt fühlen wir uns hier wohl. Die Verkehrsanbindungen sind hier wesentlich besser, als an unserem vorherigen Wohnort.“
„Die Pflege der Grünanlagen im Wohngebiet ist verbesserungswürdig“, sagt ein Zeithainer. Die Gemeinde sollte konsequenter gegen Müllsünder und Hundehaufen auf Gehwegen vorgehen.
„Es gibt keine weiterführende Oberschule in der Gemeinde“, ärgert sich eine Mutter aus Zeithain.
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Bürgermeister Thiemig verweist dagegen auf ein großes Plus in der Region, was auch im Familienkompass auffällt: die Nähe zu den Arbeitsplätzen. „Wir haben ein starkes eigenes Industriegebiet.“ Stahl-Spezialisten wie Ervin oder SBS sind darunter, mit PTFE ein Produzent von Teilen aus Hochleistungskunststoff, mit Rosenberg ein Hersteller von Lüftungstechnik. Genauso wie die JVA Zeithain liegen sie auf Glaubitzer Flur, während die Mannesmann-Rohrwerke schon im Zeithainer Teil des gemeinsamen Industriegebietes zu finden sind. Das dürfte, ebenso wie das Nünchritzer Chemiewerk von Wacker mit seinen zahlreichen Firmen im Umfeld, einen erheblichen Anteil an der positiven Wertung beim Punkt „Nähe zu den Jobs“ haben.

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