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Aufregung um einen Gas-Einsatz

Ein Bagger zerlegt eine Gasleitung, ein Großaufgebot an Feuerwehr rückt an. Der Baggerfahrer sagt: Der Netzbetreiber ist verantwortlich.

In einem Wohngebiet strömt plötzlich Gas aus - das hatte am Sonnabend einen großen Einsatz der Feuerwehr Zeithain zur Folge. Aber: Wer ist daran schuld?
In einem Wohngebiet strömt plötzlich Gas aus - das hatte am Sonnabend einen großen Einsatz der Feuerwehr Zeithain zur Folge. Aber: Wer ist daran schuld? © Feuerwehr Zeithain

Zeithain. Erst gehen die Sirenen, dann ist das Hornsignal der Feuerwehren zu hören - und schon steht das halbe Wohngebiet voller Feuerwehrfahrzeuge. Auch der Rettungsdienst war am vergangenen Sonnabend nach Zeithain angerückt, weil auf einer Baustelle plötzlich Gas ausströmte.

Ein Bagger hatte eine Gasleitung getroffen. So viel war klar. Die Feuerwehr räumte einen Gefahrenbereich und unterband den Verkehr vor Ort. Später reparierte ein Monteur das Leck. Damit war die Gefahr beseitigt - der Ärger allerdings ging erst richtig los.

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Denn Grundstückseigentümer Viktor Bauch sieht sich zu Unrecht am Pranger. "Ich habe den Bagger gefahren, aber ich habe nichts falsch gemacht", sagt er empört nach der Berichterstattung über den Vorfall. Denn dort hatte es von Seiten der Sachsen-Energie geheißen, dass Eigentümer die Lage von Gasleitungen auf ihren Grundstücken kennen sollten - andernfalls sollten sie sich erkundigen, bevor sie tiefer graben.

"Aber genau das habe ich doch getan", sagt der Zeithainer. "Bevor ich gegraben habe, gab es eine Begehung bei mir vor Ort. Mitarbeiter von Enso-Netz aus Großenhain haben in meinem Beisein eingezeichnet, wo die Gasleitung verläuft." Demnach sollte die Gasleitung einen Meter neben dem Bordstein enden. Demnach wäre genug Platz zur geplanten Baustelle, drei Meter etwa. "Ich habe nur 80 Zentimeter neben meiner Hauswand aufgegraben", sagt Viktor Bauch. "Dafür brauche ich doch keinen Schachtschein."

Ein alarmierter Monteur klemmte die vom Bagger getroffene Leitung fachgerecht ab.
Ein alarmierter Monteur klemmte die vom Bagger getroffene Leitung fachgerecht ab. © privat
Ein Beweisfoto des Hauseigentümers: Er hat direkt an seiner Hauswand gebaggert. Rechts unten das Leck.
Ein Beweisfoto des Hauseigentümers: Er hat direkt an seiner Hauswand gebaggert. Rechts unten das Leck. © privat

Allerdings: Während er dort am vergangenen Sonnabendmittag ruhigen Gewissens arbeitete, traf er trotzdem mit der Baggerschaufel die gasführende Leitung, aus der sofort Gas strömte. "Ich habe beim Versorger angerufen; die haben dann erst die Feuerwehr alarmiert", stellt er klar. Falsch gemacht habe er überhaupt nichts, auch wenn es jetzt Gerede in der Nachbarschaft gäbe.

Nachfrage bei Sachsen-Energie, dem Nachfolger der früheren Enso. Dort hieß es am Mittwoch, man sei bereits dabei, den Fall gründlich aufzuarbeiten. Man wolle sich persönlich mit dem betroffenen Eigentümer in Verbindung setzen. So viel konnte man aber doch schon sagen: "Der Eigentümer hat sich vorschriftsmäßig verhalten", sagt Pressesprecherin Nora Weinhold. Er habe alle relevanten Vorkehrungen bei seiner Baumaßnahme getroffen und sich auch mit dem Netzbetreiber in Verbindung gesetzt.

Aber wie konnte es dann überhaupt zu dem Malheur kommen? Das ermittle man noch, heißt es von Sachsen-Energie. Womöglich sei bei der Digitalisierung der Gasleitungs-Pläne etwas nicht ganz korrekt übernommen worden. "Das ist extrem ärgerlich und kommt äußerst selten vor", sagt Nora Weinhold.

Grundsätzlich gehe man mit dem Thema Gas sehr sensibel um, kenne sein Netz sehr gut, prüfe es ständig und modernisiere es. "Wir setzen uns dafür ein, dass der Grundstückseigentümer keine finanziellen Schäden durch den Vorfall hat", sagt die Unternehmenssprecherin. Grundsätzlich ist es üblich, dass bei einem selbst verschuldeten Einsatz der Verursacher für die Feuerwehrkosten zur Kasse gebeten wird. Im Zeithainer Rathaus war der Fall am Donnerstag noch nicht abschließend bearbeitet worden. Bei einem Einsatz von 35 Feuerwehrkameraden fallen allerdings allein 350 Euro Aufwandsentschädigung für die ehrenamtlich tätigen Einsatzkräfte an. Beim Baggerfahrer wird die Rechnung in diesem Fall wohl nicht hängen bleiben.

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  • Im Fall einer Gashavarie empfiehlt Sachsen-Energie, neben dem Rund-um-die-Uhr Entstördienst (0351 50178880) bei Bedarf auch per Notruf die Feuerwehr zu alarmieren.
  • Vor Baggerarbeiten sollten Bauherren hier schauen: sachsen-netze.de (Unterpunkt Service > Onlineservice > Leitungsauskunft)

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